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"Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend"

Ute Meckbach und ihre Kolleginnen vermitteln in Dresden Corona-Helfer. Dabei erleben sie täglich Menschen, die sich selbstlos für andere einsetzen.

V.l.: Sandy Richter, Ute Meckbach, Charlotte Müller von der Bürgerstiftung Dresden. Sie vermitteln während der Corona-Zeit ehrenamtliche Helfer.
V.l.: Sandy Richter, Ute Meckbach, Charlotte Müller von der Bürgerstiftung Dresden. Sie vermitteln während der Corona-Zeit ehrenamtliche Helfer. © Sven Ellger

Dresden. An manchen Tagen rührt ihr Job Ute Meckbach fast zu Tränen. Kurz vor Weihnachten zum Beispiel, als bei der Dresdner Bürgerstiftung das Telefon klingelt und ein Mann am Apparat ist, der einen dringenden Wunsch hat.

"Er ist Diplom-Physiker und hat sich bei uns gemeldet, weil er über die Feiertage zwei Wochen Urlaub hat. Und die wollte er gerne nutzen, um in einem Pflegeheim bei der Betreuung der Senioren zu helfen", erzählt Meckbach.

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Hier finden Freiwillige und Hilfesuchende zusammen

Das dreiköpfige Team der Internet-Plattform "Ehrensache jetzt" hat seit Beginn der Corona-Pandemie in Dresden viel erlebt - insbesondere aber eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Eigentlich ist das Portal, das Anfang 2019 von der Bürgerstiftung gegründet wurde, dafür zuständig, zwischen Vereinen, Initiativen und Dresdnern zu vermitteln, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten.

Das Prinzip: Auf der Internetseite können Freiwillige und gemeinnützige Einrichtungen Inserate schalten und so zueinander finden. Wer mitmachen möchte, findet zu jedem Inserat auch die Kontaktdaten und eine kurze Beschreibung der Arbeitsbereiche.

Finanziert wird das Projekt von der Stadt, die Freiwilligenagentur der Bürgerstiftung gibt es schon seit 21 Jahren.

Doch als im März 2020 das Coronavirus anfängt sich zu verbreiten und der erste Lockdown beschlossen wird, ändert sich der Arbeitsalltag für Meckbach und ihre Kolleginnen radikal. Plötzlich wird die Vermittlungsplattform zur zentralen Anlaufstelle für Menschen, die helfen wollen, und Menschen, Gruppen und Organisationen, die dringend Hilfe brauchen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Zu diesem Zeitpunkt ist Meckbach bereits überwältigt davon, wie viele Dresdner Unterstützung leisten möchten. "Es gab damals viel mehr Hilfsangebote als Hilfsbedarf da war. Viele kamen erst gar nicht zum Zug. Dann haben wir alternative Angebote für sie gesucht."

Einkaufshilfen, Maskennähen, Briefschreibaktionen. Die Liste der Aktionen im ersten Lockdown war so groß, dass Ute Meckbach sie heute gar nicht mehr alle aufzählen kann.

Corona-Vermittlerin: "Das Ganze bewegt sich in Wellen"

Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen, die drei Frauen sind zu Profis geworden, was die Corona-Vermittlung angeht. Ihre Arbeit, sie ist ein Spiegel der Infektionszahlen und politischen Eindämmungsmaßnahmen geworden. "Das Ganze verläuft in Wellen", sagt Meckbach, mal mehr Bedarf, mal weniger.

Jetzt im zweiten Lockdown gebe es deutlich mehr Bedarf, erzählt sie. Allerdings bleibe die Hilfsbereitschaft angesichts der zunehmenden Belastung in Kliniken und Altenheimen hoch - von Corona-Müdigkeit merken Meckbach und ihre Kolleginnen bei den Menschen nichts. "Wir hatten turbulente Wochen", sagt sie.

Seit Anfang Dezember haben sich per Telefon etwa über 40 Menschen bei der Bürgerstiftung gemeldet, die eine Einkaufshilfe benötigen. 63 Dresdner haben ihre Hilfe über diesen Weg angeboten. Allerdings muss auch hier berücksichtigt werden, dass viele Menschen die Plattform nur zur Suche nutzen und sich dann direkt bei Vereinen wie dem DRK melden.

Das können Helfer in den Pflegeheimen tun

Das zeigen auch die Zugriffszahlen. Über 2.200-mal wurden die aktuellen Pflegeheiminserate auf der Internetseite bereits aufgerufen, am vergangenen Donnerstag hatten zwölf Heime um Hilfe gebeten.

"Ich bin sicher, dass alle Heime über ehrensache.jetzt ehrenamtliche Helfer und Helferinnen gefunden haben", sagt Meckbach. Aber welche Tätigkeiten können engagierte Dresdner hier eigentlich übernehmen - und wie werden sie selbst vor einer Ansteckung mit dem Virus geschützt?

"Die Heime sorgen für den Schutz, es wird niemand alleine gelassen bei der Tätigkeit", erklärt Meckbach, die in regelmäßigem Kontakt mit den Zuständigen in den Pflegeheimen steht. Wie die Mitarbeiter würden auch die Helfer regelmäßig getestet, sagt sie.

"Es gibt spezielle Schutzkleidung, die die Helfer tragen, und genaue Anleitungen zu den Aufgaben." Die Tätigkeiten seien natürlich nichts, was Medizin- oder Pflegekenntnisse erfordert, sondern sollen vor allem dazu dienen, das Personal zu entlasten.

Das Ziel: Insgesamt mehr Zeit für jeden einzelnen Bewohner - gerade in der aktuellen Lage findet Meckbach das wichtig.

Plattform wird auf weitere Landkreise erweitert

Essen bringen, abtragen, Reinigungsarbeiten, aber auch den Senioren etwas vorlesen, sich Zeit für Gespräche nehmen - all das können die Ehrenamtlichen leisten. "Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Besuchermanagement. Dafür gehen in den Heimen sehr viele Kapazitäten drauf - und das bedeutet dann natürlich wieder weniger Zeit für die Bewohner", erklärt Meckbach.

Die Vermittlung der Helfer - sie ist aus Sicht der Bürgerstiftung eine Erfolgsgeschichte in schweren Zeiten. Und Unterstützung wird nicht nur in Dresden gebraucht. Deshalb haben sich seit Dezember neue Teams gegründet, die jetzt auch über das Stadtgebiet hinausgehen.

In Bautzen, Leipzig und im Landkreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge ist die Plattform jetzt ebenfalls verfügbar, noch im Januar sollen Meißen, Nordsachsen und Görlitz dazukommen.

Wenn der Risikopatient selbst helfen möchte

Ute Meckbach ist zuversichtlich, dass das Angebot auch hier gut angenommen wird. "Meine Erfahrungen in Dresden zeigen, dass es über alle Stadtviertel hinweg flächendeckend Menschen gibt, die andere glücklich machen", sagt sie.

Meckbach ruft deshalb auch explizit Hilfesuchende dazu auf, sich bei der Bürgerstiftung zu melden. "Wer zum Beispiel in Quarantäne ist oder sich als Risikopatient beim Einkaufen unwohl fühlt, braucht überhaupt keine Hemmungen zu haben, sich zu melden."

Denn Helfer fänden sich glücklicherweise immer. Manchmal wollten sogar diejenigen Unterstützung leisten, die eigentlich selbst durch das Virus gefährdet sind. So einen Fall hatte Ute Meckbach erst vor wenigen Tagen. "Der Mann war Jahrgang 1950, hatte schweres Asthma und war deshalb zu 50 Prozent schwerbehindert. Aber er wollte unbedingt Unterstützung leisten."

Das habe sie sehr bewegt. Doch Ute Meckbach musste ihm einen Rat geben: "Bleiben Sie zu Hause." Manchmal helfen eben nur klare Worte.

Sie suchen selbst Hilfe oder möchten auch unterstützen? Hier finden Sie die Plattform von ehrensache.jetzt. Telefonisch erreichen Sie die Mitarbeiter unter 0351 315 8120 oder per Mail an [email protected]

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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