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Mehr Straftaten in Dresden trotz Lockdown

Drogen, Schwarzfahren, Corona-Verstöße: Trotz Lockdown hatte die Dresdner Polizei 2020 alle Hände voll zu tun. Dafür sorgten auch etliche Zufallstreffer.

Weil die Dresdner Polizei in Bussen und Straßenbahnen häufig die Einhaltung der Corona-Regel kontrolliert hat, erwischten die Beamten auch mehr Schwarzfahrer.
Weil die Dresdner Polizei in Bussen und Straßenbahnen häufig die Einhaltung der Corona-Regel kontrolliert hat, erwischten die Beamten auch mehr Schwarzfahrer. © Archiv: Marion Doering

Dresden. So hat es Polizeipräsident Jörg Kubiessa schon Anfang Februar erwartet: Die Kriminalitätszahlen sind zwar rückläufig, doch die Covid-Pandemie und die damit verbundenen Einsätze der Polizei haben dafür gesorgt, dass die Dresdner Kriminalitätsstatistik für 2020 dennoch mehr Taten ausweist.

"Als der sogenannte harte Lockdown im Frühjahr und jetzt eingeführt worden ist, kam es zu einer gewissen Beruhigung im Leben und damit auch bei Straftaten wie Ladendiebstählen und bei der Straßenkriminalität", sagte Kubiessa damals in einem SZ-Interview. "Aber der Rückgang bei der Kriminalität wird aufgefangen durch den größeren Aufwand bei der Durchsetzung der Corona-Regeln." Dieser größere Aufwand führte dazu, dass die Beamten mehr Straftaten in Dresden erfasst haben.

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Erster Anstieg seit drei Jahren

In der Statistik der Dresdner Polizei stehen für 2020 insgesamt 48.929 Straftaten. Das sind 2.553 Fälle mehr als im Vorjahr - ein Plus von 5,5 Prozent. Dies ist im Vergleich der vergangenen drei Jahre erstmals wieder ein Anstieg der erfassten Fälle. Nicht ganz zwei Drittel aller Taten konnten die Beamten auch aufklären. Es waren 58 Prozent und damit 3,4 Prozent mehr als 2019.

Gerade, dass die sogenannte Aufklärungsquote so hoch ist, sieht Kubiessa als Beleg dafür, dass Corona die Ursache für den Anstieg der Gesamtkriminalität ist. Das deute darauf hin, dass die Zunahme vor allem auf Einsätze zurückzuführen ist, bei denen es um die Durchsetzung der Corona-Regeln gegangene sei, schlussfolgert der Polizeipräsident.

Dabei sorgen aber nicht Verstöße gegen die Schutzmaßnahmen für die höheren Zahlen, sondern der "Beifang". So bezeichnet Kubiessa Zufallstreffer, die seinen Kollegen bei solchen Einsätzen gelangen. Ihnen wurden weitere Straftaten bekannt und sie konnten sie sogleich aufklären, weil ihnen die Täter im Rahmen von Corona-Kontrollen schon gegenüberstanden.

Der stärkste Anstieg

Besonders deutlich ist die Zahl der Schwarzfahrer gestiegen, die die Polizei 2020 registriert hat. Sie stieg auf 4.393 Fälle. 2019 waren es etwas mehr als 2.700. Genau bei diesen Fällen handelt es sich um viele "Beifänge". Polizeipräsident Kubiessa sagt: "Die stärkeren Kontrollen im Zusammenhang mit der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Personen- und Nahverkehr schlagen sich hier nieder."

Auch die Rauschgiftkriminalität hat wieder zugenommen, nachdem sie in den vorangegangenen Jahren stets abgenommen hat. Dazu muss man aber wissen, dass Rauschgiftdelikte zumeist nur dann aufgedeckt werden, wenn die Polizei selbst aktiv wird, kontrolliert, durchsucht oder Hinweisen nachgeht. Anders als etwa Ladendiebe handeln diese Täter im Verborgenen.

Die Rauschgiftkriminalität hat 2020 im Vergleich zu 2019 um 3,2 Prozent auf 2.240 Fälle zugenommen. Sechs Drogentote registrierten die Beamten, im Jahr zuvor waren es vier. Alle waren Männer, der jüngste 19 und der älteste 42 Jahre alt.

Der stärkste Rückgang

Zu den Bereichen mit dem stärksten Rückgang gehört die Straßenkriminalität. Dazu gehört alles, was überwiegend auf Straßen und Plätzen passiert. Sie ist um 14,2 Prozent gesunken. 2019 waren es 10.523 Fälle, im vergangenen Jahr reichlich 9.000. Kubiessa führt diese Veränderung auch auf ein geändertes Einsatzkonzept der Polizei in der Neustadt zurück.

Während bis Ende 2019 vor allem im Mittelpunkt stand, bei Großeinsätzen in der Neustadt Straftäter aufzuspüren oder bei Taten einzugreifen und sie zu unterbinden, hatten die Beamten 2020 vor allem die "Schiefe Ecke" im Blick. Das ist die Kreuzung Rothenburger Straße/Louisenstraße/Görlitzer Straße, auf der sich in lauen Nächten gern Hunderte versammeln, bis tief in die Nacht Musik hören, sich unterhalten, trinken und feiern.

Die Polizei war 2020 unter anderem häufig dort, weil dabei auch der Straßenverkehr behindert wird. Die Beamten haben versucht, dafür zu sorgen, dass die Kreuzung frei bleibt. "Die Strafverfolgung spielte da nur eine untergeordnete Rolle", sagt Kubiessa.

Verstöße gegen Corona-Regeln

Das Infektionsschutzgesetz war in der Kriminalstatistik bislang fast nie ein Thema. Nur 2015 registrierte die Dresdner Polizei eine Straftat gegen dieses Gesetz. 2020 war das anders. 246 Fälle gingen in die Jahresbilanz der Beamten ein. Fast alle konnte die Polizei aufklären, also in fast allen Fällen auch die Täter ergreifen, die gegen die Corona-Schutzregeln verstoßen haben. 701 haben die Beamten ermittelt.

Dass diese Zahl deutlich höher ist als die Zahl der Taten liegt daran, dass etwa Treffen oder Feiern, bei denen gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen wurde, als eine Tat gewertet werden, die aber jeweils von mehreren Tätern begangen wurde. Zumeist waren das Männer, sie machten 70,8 Prozent aller Täter aus.

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