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Vom Studium zur Corona-"Supermaske"

Wie die Dresdner Modedesignerin Lara-Marie Lipp unverhofft ihren Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leistete.

Lara Marie Lipp hat eine Corona-Maske designt, die die Viren schon beim Auftreffen abtöten soll.
Lara Marie Lipp hat eine Corona-Maske designt, die die Viren schon beim Auftreffen abtöten soll. © Sven Ellger

Dresden. Es ist schon eine Weile her, aber am Anfang dieser Corona-Krise gab es eine Zeit, in der Schutzmasken äußerst rar waren. Wer hätte auch mit so etwas rechnen sollen? Für Lara-Marie Lipp war es daher selbstverständlich, dass sie für ihre Familie und Freunde Masken aus Baumwolle nähte. Und für die Nachbarn gleich mit.

Für die 24-Jährige war das eine kleine Fingerübung. Die vergangenen drei Jahre studierte sie Modedesign an der Fachhochschule Dresden und machte ihren Abschluss, wenige Tage bevor das böse C-Wort zum ersten Mal in aller Munde war.

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Genäht hat Lara-Marie Lipp schon als kleines Kind gern. Mit Nadel und Faden wurden aus Stoffresten schnell Kleidchen für Puppen und Kuscheltiere. Heute ist sie daheim in Pesterwitz ein wenig professioneller ausgestattet. Neben einer handelsüblichen Haushaltsnähmaschine schätzt sie vor allem ihre Industrienähmaschine, "die Liebe meines Lebens". Außerdem bereitet sie gerade eine alte Singer-Nähmaschine von der Uroma auf, so dass die schon bald wieder gute Dienste für Lederarbeiten leisten könnte.

Auch wenn sie stolz auf ihre eigene Maske ist - ohne ist es Lara-Marie Lipp dann im Zweifel doch lieber.
Auch wenn sie stolz auf ihre eigene Maske ist - ohne ist es Lara-Marie Lipp dann im Zweifel doch lieber. © Sven Ellger

Für das Projekt, mit dem Lara-Marie Lipp in diesem Jahr ihre berufliche Karriere gestartet hat, wären die drei Geräte allerdings allesamt ungeeignet. "In der Corona-Pandemie war es für alle Berufseinsteiger schwer", sagt sie. Was lag da näher, als das Nervige mit dem Produktiven zu verbinden?

Eines Tages kam der Freund ihrer Mutter auf sie zu und fragte, ob sie nicht für ihn einen innovativen Mund-Nasen-Schutz designen könnte. Rico Genau ist ein Tüftler, der mit seiner Firma RGenau in seinem Heimatort Meerane zunächst vor allem Möbel herstellte und sich auf Oberflächenbeschichtungen spezialisierte. 

Mit dem Aufkommen von Corona begann Genau, mit verschiedenen Materialien für Schutzmasken zu experimentieren. Am Ende stand "Covi-Safe", eine Maske aus Fleece, in deren äußeren und inneren Lagen die Fasern mit Kupfer ummantelt sind. Das Kupfer, so die Idee, soll die Viren direkt auf der Maske abtöten. 

"Supermaske" gegen Coronaviren

Ganz unbescheiden spricht Genau von einer "Supermaske" und meldete schon im Frühjahr das europäische Patent an. Das Design der Maske vertraute er dann allerdings lieber Lara-Marie Lipp an.

"Er ließ mir völlig freie Hand", erinnert sich die 24-Jährige. Vor allem sollte die Maske ergonomisch sein und die Brille nicht beschlagen lassen.

Und so setzte sich die Modedesignerin hin und designte drauf los. Die größte Herausforderung sei es dabei gewesen, eine Form zu finden, die sich an jede Gesichtsform anpasst. "Da habe ich schon ein Weile herumprobiert", sagt sie. Außerdem hatten ihre ersten Entwürfe noch Kinderkrankheiten, zum Beispiel schnitten sie an den Rändern ein.

Inzwischen aber sei ihre Maske zur Markt-Reife gelangt. Bis zu zwei Wochen lang trage sie selbst ein einziges Exemplar, das sogar waschbar sei - wobei sie das noch nie selbst ausprobiert habe. In der Werbung heißt es, der Schutz sei "bis zu 200 Mal wiederverwendbar".

"Macht mich ein bisschen stolz"

Nun wird die Maske schon online vertrieben - für stolze 40 Euro pro Fünferpackung. "Das macht mich schon ein bisschen stolz", sagt Lara-Marie Lipp, "und ist sicher auch eine gute Referenz für meine weitere Entwicklung".

Vor allem das Theater hat es ihr angetan, wofür nicht zuletzt ein Praktikum beim Staatsschauspiel sorgte. "Kostümbildnerin wäre etwas für mich. Mir ist es wichtig, dass ich nicht nur Dinge entwerfe, sondern ich möchte auch wissen, wie sich die Stoffe anfühlen." Wie auf ihrer Homepage zu sehen ist, fühlt sich Lara-Marie Lipp besonders in der Welt von Korsetten und Cosplay zu Hause. 

Vielleicht werde sie sich irgendwann selbstständig machen und für Künstler und Agenturen arbeiten. Oder sie entwirft mal Brautmode und Anzüge. "Möglichkeiten gibt es viele."

Kurzfristig allerdings kann die Modedesignerin womöglich noch gute Dienste bei der Eindämmung der Corona-Pandemie leisten. Gerade wurde ihre Maske noch einmal optimiert. Statt acht Lagen Fleece besteht sie jetzt nur noch aus vier. Bald will der Freund ihrer Mutter eine FFP3-Maske als Version mit Ausatmungsventil auf den Markt bringen. Außerdem werde schon an ganzen Schutzanzügen gearbeitet, verrät sie.

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