merken
PLUS Dresden

Von der Eröffnung direkt in den Lockdown

Im Oktober startete Manuela Beßer mit ihrem eigenen Laden und lud Kinder zum Freizeitspaß ein. Deren Lachen drang bis auf die Straße. Doch vorerst bleibt es still.

Manuela Beßer eröffnete erst im Oktober ihren Kinder-Service Jocus auf der Konkordienstraße. Bald darauf musste sie schließen. Dabei hat sie noch einiges vor.
Manuela Beßer eröffnete erst im Oktober ihren Kinder-Service Jocus auf der Konkordienstraße. Bald darauf musste sie schließen. Dabei hat sie noch einiges vor. © Sven Ellger

Dresden. Wenn sich mal wieder die Kinder ihre Nasen an der Scheibe plattdrücken, dann kann sie einfach nicht anders. Dann schnappt sie sich ihren Claus und lässt die Handpuppe mit den großen Kulleraugen winken. Mehr geht gerade nicht.

"Manchmal macht mich das sehr traurig", sagt Manuela Beßer. Die Kinder wollen gern rein, wollen Spaß haben. Und sie würde ihnen den Spaß so gern geben. Doch der Corona-Lockdown erlaubt das zurzeit nicht. Anfang November musste sie ihr kleines Kinder-Paradies in Pieschen vorerst schließen - nur wenige Tage nach der Eröffnung. Anders als Kindergärten und Tagesmütter ist ihr Freizeitangebot nicht systemrelevant.

Manuela Beßer ist eine der wenigen selbstständigen Erzieherinnen in Dresden - und gleichzeitig viel mehr als das. Sie ist außerdem staatlich anerkannte Heilpädagogin und studierte zuletzt noch Kindheitspädagogik in Leipzig, nachdem sie ein Stipendium ergattern konnte.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Damit der Laden so ganz allein nicht traurig ist, bereitet Manuela Beßer Basteleien für die Zeit nach der Corona-Zwangspause vor.
Damit der Laden so ganz allein nicht traurig ist, bereitet Manuela Beßer Basteleien für die Zeit nach der Corona-Zwangspause vor. © Sven Ellger

Früher arbeitete sie auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik und leitete einen Kindergarten. Heute können Kitas die 48-Jährige buchen, wenn sie Engpässe haben. Außerdem sorgt sie auf jeder Art von Veranstaltungen für Kinderlachen. Mit Spielen, Bastelideen und ihren geliebten Puppen Claus und Clara, die zu Hause wie richtige Familienmitglieder leben. Um die beiden so richtig zum Leben zu erwecken, brachte sich Manuela Beßer sogar das Bauchreden bei.

"Die Kinder sprechen wie selbstverständlich mit den Puppen und sehen mich dabei gar nicht", sagt sie und schaut für einen Moment gedankenverloren zum Schaufenster. Sie kommt fast jeden Tag hierher, auch wenn die Tür für Gäste geschlossen bleiben muss.

"Ich habe das Gefühl, dass der Laden ohne mich traurig wäre", sagt sie. Oft höre sie Hörbücher, putze, nehme Videos für Facebook und Youtube auf und bereite kreative Dinge für die Zeit danach vor, wenn es endlich wieder losgehen kann.

Um die Wartezeit zu verkürzen, bastelt sie gerade kleine Rätsel, die sie von außen an das Schaufenster hängt. "Da kann sich jeder eins mit nach Hause nehmen und mir danach schreiben."

Die gute Seite der Zwangspause

Schon lange hatte sie diesen Traum, diese Vision, mit sich herumgetragen, eines Tages eine Freizeit-Betreuung für Kinder zu eröffnen. "Ohne Corona würde es diesen Laden aber wohl nicht geben." Erst die Zwangspause im Frühjahr habe ihr die nötige Zeit und Ruhe gegeben, das Projekt anzugehen. Als Selbständige bekam sie Fördermittel für einen Unternehmensberater und schmiedete mit ihm gemeinsam den Plan.

Spätestens, als sie dann eines Tages vor diesem leeren Geschäft auf der Konkordienstraße stand, und sich alles zusammenfügte, war sie nicht mehr zu bremsen. "Ich habe nur noch nach vorn geschaut und keinen Gedanken daran verschwendet, dass nochmal ein Lockdown kommen könnte."

Aus Weinkisten und Paletten ließ sich Manuela Beßer passgenau Tische, Regale und Trennwände konstruieren und einbauen. Sie stellte zwei Mitarbeiterinnen an, ließ Flyer drucken und schrieb über ihre Tür in bunten Buchstuben: JOCUS. Das ist Lateinisch für Spaß und Freude.

Ab der Eröffnung am 10. Oktober kamen die ersten kleinen Besucher. Ursprünglich hatte sie vor allem ältere Kinder im Blick, zwischen acht und zwölf Jahren. Doch auch bei den Jüngeren kamen Clara, Claus und Manuela bestens an. Die Nachfrage war vielversprechend. "Die Flyer im Kasten an der Tür sind jeden Tag leer."

Anmeldungen für Kindernachmittage, Ferienvormittage und Schnupperstunden waren über den Ticket-Shop auf ihrer Website möglich. Geöffnet war zunächst immer montags, mittwochs und freitags.

Das Lachen drang bis nach draußen auf die Straße und steckte andere an. Nun jedoch ist es still. "Das hat mich schon ziemlich runtergerissen und mental erwischt", sagt Manuela Beßer, der sonst nur schwer das Strahlen geraubt werden kann. "Erst waren die Veranstaltungen weggebrochen, dann auch noch der Laden."

Digitale Angebote, wie bei Musikschulen, kommen für sie nicht infrage. Sie lebe doch gerade von dem persönlichen Kontakt mit den Kindern. Handys, Fernseher und Computer spielten anderswo schon die Hauptrolle.

Eine Rampe aus Lego

Kurzzeitig habe sie überlegt, eine Sondergenehmigung zu beantragen, sich dann aber doch freiwillig den Corona-Regeln gebeugt. Vielleicht wolle sie nun anfangen, kreative Dinge zu verkaufen, um den Laden zumindest wieder mit Leben zu füllen.

Sie hat noch so viele Ideen und kann es nicht erwarten, sie umzusetzen. Sie will ein Improtheater aufbauen und eine Schachgruppe gründen. Und vorn über die Türschwelle will sie gemeinsam mit den Kindern eine Rampe aus Legosteinen bauen, damit auch Rollstuhlfahrer hinein können.

In Zukunft möchte sie noch weitere Jocus-Läden in Sachsen eröffnen und träumt von einer eigenen Fernsehsendung, in der ihre Puppen Kinderfragen beantworten. Selbst ein bisschen Kind zu bleiben, das schade niemandem, sagt sie. Und fürs Träumen sei man sowieso nie zu alt.

Meistgelesen zum Coronavirus:

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden