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Dresdner Gastro: "Wo bleibt schnelle Corona-Hilfe?

Die angekündigte Finanzspritze fehlt noch immer - nun droht eine verlängerte Schließung. Wie Dresdner Wirte trotzdem am Ball bleiben.

Setzen auf Außer-Haus-Verkauf: Petit-frank-Chef Frank Ollhoff (l.) und sein Küchenchef André Fröbel.
Setzen auf Außer-Haus-Verkauf: Petit-frank-Chef Frank Ollhoff (l.) und sein Küchenchef André Fröbel. © René Meinig

Dresden. Frank Ollhoff will nicht mehr warten. "Das Schlimmste am Lockdown ist das Gefühl, nichts machen zu können und der fehlende Austausch mit den Gästen und den Mitarbeitern", sagt der Inhaber des Petit Frank.

Das Lokal auf der Bürgerstraße in Pieschen gehört seit mehr als 15 Jahren fest zur Dresdner Gastroszene und ist Ziel von vielen Feinschmeckern. Um eine Aufgabe zu haben und um den Stammkunden ein klein wenig das Gefühl von Restaurant zu geben, bietet er immer freitags Essen zum Abholen an. "Aber nicht in der Assiette, sondern auf Porzellantellern schön angerichtet."

Er hofft jetzt, dass schnell die versprochenen Novemberhilfen für die Gastronomen kommen. Wie viele andere versteht er nicht, warum das Geld erst ab 25. November beantragt werden kann. "Alle Kosten laufen ja weiter", so Ollhoff. Auch etliche andere Dresdner Gastronomen hatten das bereits kritisiert.

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Wirte fürchten längere Schließung bis Ende Dezember

Thomas Böhme betreibt seit fast 30 Jahren das "Gerücht" in Laubegast und kann derzeit seinen zahlreichen Stammkunden hausgemachtes Bier, Glühwein und Schnitzelburger nur nach Hause mitgeben. Er räumt ein, dass sich der Außer-Haus-Verkauf eigentlich nicht lohnt. "Aus rein wirtschaftlicher Sicht müsste man eigentlich zu lassen." Doch da sei auch die Verbundenheit mit dem Stadtteil und das Gefühl, den Anwohnern auch in dieser Zeit etwas Schönes bieten zu wollen.

Gerücht-Wirt Thomas Böhme ist auch jetzt von mittwochs bis sonntags für seine Gäste da und verkauft Bier aus der Hausbrauerei und Essen zum Mitnehmen.
Gerücht-Wirt Thomas Böhme ist auch jetzt von mittwochs bis sonntags für seine Gäste da und verkauft Bier aus der Hausbrauerei und Essen zum Mitnehmen. © Maron Doering

Die anfallenden Kosten könne das nicht decken, ein Teil muss von den Rücklagen aus dem Sommer bestritten werden. Neben den noch fehlenden Novemberhilfen fürchten die Wirte aber vor allem den geschlossenen Dezember. Die Ministerpräsidenten schlagen der Regierung eine Verlängerung des Lockdowns bis 20. Dezember vor. Am Mittwoch wird eine Entscheidung dazu erwartet.

Für die Gastronomen sei vor allem eine verlässliche Aussage zum konkreten Termin wichtig, so Böhme. Um eine Öffnung im Dezember entsprechend vorbereiten zu können, Waren einzukaufen und Personal zu planen, brauche es einen Vorlauf von sieben bis zehn Werktagen.

"Hat nichts mit angekündigter schneller Hilfe zu tun"

Dass Restaurants nun offenbar erst Ende Dezember wieder öffnen können, sorgt auch bei Nicole Blonkowski vom Genuss-Atelier für Kritik. Vor allem am geplanten Zeitpunkt. "Wenn Ihr es wahr macht und uns über Weihnachten öffnen lasst, gebt Ihr uns genau drei Tage, um alles zu planen, Reservierungen entgegenzunehmen, für Personalplanung und Einkauf", schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite. Auch sie ärgert sich, dass sie bisher kein Geld gesehen hat, obwohl sie seit 2. November wie alle anderen geschlossen hat. "Jeder einzelne greift wieder sein hart verdientes Erspartes an, dass, was wir uns alle mühsam im Sommer erarbeitet haben."

Gar nichts bekommt Viktoria Franke mit ihrem Eis-Saloon Terence Hill auf der Hauptstraße. "Leider greifen diese Hilfen nicht für uns, wir mussten mittlerweile aufgrund der schwachen Nachfrage den Eis-Saloon vorübergehend schließen – obwohl die Nachbarn vom 'Am Thor' weiter ihr Eis verkaufen", so Franke. Ohne den Weihnachtsmarkt auf der Hauptstraße werde auch der Dezember für sie schwierig.

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Die schleppende finanzielle Unterstützung, sie ist eines der Hauptprobleme in der Gastronomie. "Nach allem, was wir wissen, können wir ab dem 25. November einen Abschlag auf die Novemberhilfe in Höhe von 10.000 Euro beantragen. Das sind im Falle des Luisenhofs weniger als ein Sechstel der monatlichen Personalkosten", so Luisenhof-Wirt Carsten Rühle. Dass das Beantragen erst Ende des Monats möglich sein wird, habe mit der "vollmundig angekündigten schnellen Hilfe" nicht viel zu tun. Außerdem sei der Antrag recht aufwändig, also nicht so unbürokratisch wie versprochen, ärgert er sich.

Rühle, der das Traditionshaus mit seiner Frau Carolin betreibt, geht indes nicht davon aus, dass er dieses Jahr wieder öffnen kann. "Das ist ein weiterer herber Verlust für den Luisenhof, ist doch der Dezember normalerweise unser mit Abstand umsatzstärkster Monat". Doch sie wollen nicht so schnell aufgeben und arbeiten gerade an der Erweiterung des Lieferservice-Angebots.

Laut Bundesfinanzministerium sollen die Abschlagszahlungen ab Ende November erfolgen. Zudem sollen Soloselbständige eine Zahlung von bis zu 5.000 Euro erhalten, andere Unternehmen bis zu 10.000 Euro. Insgesamt sollen mehr als zehn Milliarden Euro für Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen, die von den aktuellen Corona-Einschränkungen besonders betroffen sind, zur Verfügung stehen.

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