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Die Trödler sind zurück an der Elbe

Nicht so voll wie gewohnt war der erste Johannstädter Flohmarkt nach einem Jahr Coronapause. Doch manch Händler sah im gemächlichen Start durchaus Vorteile.

Bummeln, stöbern, handeln, kaufen - das ist endlich wieder an der Elbe in Dresden möglich. Diesen Sonnabend hat der Flohmarkt am Johannstädter Ufer wieder begonnen.
Bummeln, stöbern, handeln, kaufen - das ist endlich wieder an der Elbe in Dresden möglich. Diesen Sonnabend hat der Flohmarkt am Johannstädter Ufer wieder begonnen. © René Meinig

Dresden. Den kleinen zerknitterten Zettel hat Ursula Haupt schnell zur Hand. Sie kramt ihn aus ihrer Gürteltasche, die sie vorm Bauch trägt, wie fast alle Trödelmarkthändler. "Das kann ich ganz genau sagen, wann hier der letzte Markt war", sagt die Rentnerin und zeigt auf ihre Standabrechnung vom 18. Juli 2020. "Dann war Schluss!"

Nun ist sie zurück. Am Sonnabend hat der erste Elbeflohmarkt nach gut einem Jahr Corona-Pause wieder Händler und Besucher angelockt. Allerdings nicht so viele, wie gewohnt. Das Wetter kann nicht Schuld gewesen sein. Es gab von morgens bis zum Nachmittag direkt mal keinen Regenguss. Im Gegenteil: Sonnenschirme, Sonnenhüte und Schirmmützen machten vor allem den Verkäufern hinter ihren Ständen beim langen Stehen das Leben leichter.

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"Dass es heute hier nicht besonders voll ist, wird daran liegen, dass die Leute es gar nicht gewusst haben", vermutet Ursula Haupt und rückt ihre hölzernen Räuchermännchen zurecht. Man habe sich unter den bekannten Marktleuten zwar gegenseitig angerufen, um Bescheid zu sagen, aber vor allem die Händler von auswärts fehlen, bemerkt sie.

An der Albertbrücke hat am Samstag der Elbeflohmarkt wieder begonnen.
An der Albertbrücke hat am Samstag der Elbeflohmarkt wieder begonnen. © René Meinig

Auch Uwe, alteingesessener Trödler, geht davon aus, dass die Informationskette noch nicht optimal funktioniert hat. "Es stand zwar im Internet, dass der Elbemarkt wieder stattfindet, aber das ist wohl an zu vielen vorbeigegangen." Schlimm findet er das nicht unbedingt. Im Gegenteil: "Gut fürs Geschäft", meint er. "Weniger Händler bedeutet für uns mehr Umsatz."

Wirklich an der Kasse interessiert scheint Arif nicht zu sein. So nennt sich ein junger Mann, der ganz in der Nähe der Albertbrücke sein Angebot auf einer Decke ausgebreitet hat und seinen Platz in der Sonne eher als Bühne nutzt. Arif verkauft Bücher, die er nicht leiden kann. "Gelesen habe ich sie trotzdem. Man muss ja auch kennen, was einem nicht gefällt", meint er. In seinem Bücherschrank soll die ungeliebte Lektüre aber keinen Platz beanspruchen. Die Bewegungsfreiheit in seiner Einraumwohnung schränken schon die vielen Pflanzen ein, die er selbst zieht und nun einen Teil auf dem Trödelmarkt verkauft, während er wortgewandt die Vorbeikommenden unterhält.

Platz bei sich zu Hause haben auch Sabrina Kloß und Barbara Papok gemacht. Die Freundinnen bieten an ihrem Stand Kleider, Hosen, Shirts und Schuhe, Tücher und Taschen an. "Schauen sie, die ist ungetragen", sagt Sabrina und hält einer Kundin eine rostrote Stoffhose hin. Einmal im Jahr kommen die jungen Frauen zum Elbetrödelmarkt, um sich von Dingen zu trennen, die sie nicht mehr tragen. Dabei haben sie zusammen Spaß und auch kein Problem damit, sich schon sieben Uhr Morgens ihren Verkaufsplatz zu sichern.

Ursula Haupt verkauft unter anderem Räuchermännchen aus DDR-Zeiten, aber auch Geschirr, Gläser und Spielzeug. Sie freut sich, dass das Markttreiben endlich wieder begonnen hat.
Ursula Haupt verkauft unter anderem Räuchermännchen aus DDR-Zeiten, aber auch Geschirr, Gläser und Spielzeug. Sie freut sich, dass das Markttreiben endlich wieder begonnen hat. © René Meinig
Sabrina Kloß und Barbara Papok haben Platz in ihren Kleiderschränken gemacht und verkaufen jedes Jahr einmal auf dem Trödelmarkt alles, was sie nicht mehr tragen. Früh aufzustehen lohnt sich.
Sabrina Kloß und Barbara Papok haben Platz in ihren Kleiderschränken gemacht und verkaufen jedes Jahr einmal auf dem Trödelmarkt alles, was sie nicht mehr tragen. Früh aufzustehen lohnt sich. © René Meinig
Elbeflohmarkt-Urgestein Uwe findet es ganz okay, dass beim Neustart am Sonnabend nicht so viele Händler wie sonst nach Dresden gekommen sind. Das spürt er am Ende des Tages in seiner Kasse.
Elbeflohmarkt-Urgestein Uwe findet es ganz okay, dass beim Neustart am Sonnabend nicht so viele Händler wie sonst nach Dresden gekommen sind. Das spürt er am Ende des Tages in seiner Kasse. © René Meinig

Dass das überhaupt möglich wurde, war nicht ganz einfach. Hygieneregeln und buntes Markttreiben vertragen sich nicht so leicht. Zunächst sollte der Marktbetreiber "Melan macht Märkte" das Gelände einzäunen, um überwachen zu können, wie viele Menschen den Markt besuchen und die Kontaktnachverfolgung zu sichern. Das kostet viel Aufwand und Geld.

Recht kurzfristig ist der Veranstalter dann doch noch mit dem Gesundheitsamt Dresden übereingekommen. Die Stände stehen nun sehr luftig. Ordner mahnen an den Zugängen zum Johannstädter Elbufer die Besucher an, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und auf Abstand zu achten. Außerdem erinnern viele Schilder an die Hygieneregeln. Zusätzlich machen die Verantwortlichen regelmäßig per Megafon auf die Pflicht zu Maske und Sicherheitsabstand aufmerksam. Der überwiegende Teil der Händler und Kunden hält sich an diesem Sonnabend auch daran.

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Auf das übliche Imbiss-Angebot jedoch mussten die Besucher noch verzichten. Lediglich ein Eisstand hatte geöffnet und findet dankbare Abnehmer der Erfrischung. Ab dem 14. August soll dann das volle Speisen- und Getränkeangebot erlaubt sein - allerdings mit Sitzzwang an Tischen in einem extra dafür vorgesehenen Bereich. Bummel mit Bratwurst geht also nicht.

Wenn die Infektionszahlen keinen Strich durch die Rechnung machen, wird der Elbeflohmarkt künftig wieder jeden Sonnabend stattfinden, bis zum Ende der Saison im November.

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