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Einkaufen ohne Maske: "Völlig bekloppt"?

Seit Freitag muss in den Geschäften in Dresden keine Maske mehr getragen werden. Die Frage, ob das gut oder schlecht ist, entzweit viele Menschen.

Auch in den Geschäften an der Prager Straße müssen die Kunden keine Masken mehr tragen. Die Lockerung wird sehr unterschiedlich genutzt.
Auch in den Geschäften an der Prager Straße müssen die Kunden keine Masken mehr tragen. Die Lockerung wird sehr unterschiedlich genutzt. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Was wurde nicht über sie gestritten und diskutiert, seit diesem Freitag fällt sie beim Einkaufen in Dresden weg: die Maske.

Bei einer Inzidenz unter 10 muss der Mund-Nasen-Schutz in Supermärkten und im ganzen Einzelhandel nicht mehr getragen werden. Geht man an diesem Freitag über die Prager Straße und durch die Altmarktgalerie, fällt auf: Viele nutzen die Lockerung tatsächlich und tragen keine Maske mehr. "Ich finde es gut, und es wurde Zeit, denn die Zahlen sind ja aktuell niedrig", sagt eine Frau.

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Ein völlig anderes Bild bietet sich in der Dresdner Neustadt. Im Netto auf der Kamenzer Straße trägt am Freitagmorgen jeder Kunde eine Maske. Sicher, einige dürften es noch gar nicht mitbekommen haben, dass sie das nicht mehr müssen. Bei den meisten aber dürfte die Entscheidung bewusst dafür sein. "Mich stört das Maske-Tragen für die paar Minuten nicht, mir ist es wichtiger, dass die Zahlen niedrig bleiben, dass ich in den Urlaub fahren kann oder mich im Biergarten mit Freunden treffen kann", so ein Kunde.

Was sagen die Händler?

Hendrik Dietrich aus dem Neustädter Laden Catapult sieht die Lage differenziert. "Einerseits ist es für uns als Händler natürlich anstrengend, acht Stunden am Tag Masken zu tragen", sagt er. Andererseits könne er sich gerade bei seinen Neustädter Kunden vorstellen, dass viele weiter Maske tragen, weil sie der Meinung sind, dass der Wegfall angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante zu schnell ging.

Das schwedische Modelabel H&M, das in Dresden mehrere Filialen hat, schreibt auf SZ-Anfrage, dass die bisher geltenden Hygiene- und Abstandsregeln weiter Bestand haben. Auch ohne Maskenschutz. Zudem stünden weiterhin Desinfektionsmittel und weitere Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Spuckschutzvorrichtungen aus Plexiglas zur Verfügung. Beim Discounter Aldi äußert man sich schwammig auf die Frage nach der Bewertung der neuen Regel: "In den Märkten von Aldi Nord wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um die Kunden sowie Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Wir arbeiten hierfür seit Beginn der Pandemie grundsätzlich eng mit den Behörden zusammen und setzen die Verordnungen der Länder konsequent um."

Gordon Knabe, Centermanager im Elbepark, bezeichnet seine Beobachtung im Center an diesem Freitag als "fantastisch surreal". Er sei am Morgen bei der Wiedereröffnung der Optikerfiliale Apollo gewesen und der Großteil der Kunden sei tatsächlich ohne Maske unterwegs. "Ein völlig ungewohntes Bild." Das ist auch im gesamten Center so, sagt Knabe. Nur vereinzelt ist ihm aufgefallen, dass Kunden weiterhin den Mund-Nasen-Schutz tragen. Die entsprechenden Aufkleber an den Eingängen, die auf die Maskenpflicht hinwiesen, habe er entfernt.

Allerdings würden vor allem Verkäufer in den Kassenbereichen oder im direkten Kundengespräch nach wie vor eine Maske tragen, auch wenn sie das nicht müssten. "Das ist verständlich, jeder ist da jetzt selbst verantwortlich." Zudem würden ja weiterhin Corona-Regeln gelten, wie etwa 1,50 Meter Abstand halten. "Wo das nicht geht, ist die Maske durchaus ratsam."

Wie sehen das die Politiker?

Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) betont, sie habe Verständnis dafür, dass sich viele Menschen das Ende der Maskenpflicht herbeisehnen. Aber sie mahnt auch zur Vorsicht. "Mit der Freiheit kann es ganz schnell vorbei sein, wenn die Inzidenzen wieder steigen und die Krankenhauseinweisungen zunehmen. Dass es dazu nicht kommt, liegt in unser aller Hand." Wo Abstandhalten nicht möglich sei, müsste man weiter Maske tragen. "Beim Einkaufen haben wir uns inzwischen an die Maske gewöhnt. Sie auch in den nächsten Wochen weiter präventiv zu tragen, finde ich persönlich völlig okay." Kaufmann appelliert auch noch einmal, sich impfen zu lassen.

Ihr Parteikollege und Stadtrat Christopher Colditz findet das Ende der Maskenpflicht beim Einkaufen gar "völlig bekloppt". Die Regierung wäre gut beraten, sich an der Meinung von Wissenschaftlern und nicht an Wahlkampfinteressen zu orientieren. "Die Fallzahlen steigen derzeit leider wieder und Masken sind nachweislich ein effektives Mittel."

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FDP-Stadtrat Christoph Blödner sieht das anders. "Aufgrund der niedrigen Inzidenz und den Impfmöglichkeiten, ist es aus meiner Sicht der richtige Weg, die Regeln zu lockern und auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen. Beim Einkaufen sind die Abstände gegeben und die Risiken gering."

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