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Polizei kontrolliert Maskenpflicht in Dresden

Zum ersten Mal prüfen Ordnungsamt und Polizei gemeinsam, ob die Dresdner in den Bahnen Masken tragen. Die SZ war beim Einsatz dabei.

Die gemeinsame Kontrolltour von Polizei und Ordnungsamt am Montag war eine Premiere.
Die gemeinsame Kontrolltour von Polizei und Ordnungsamt am Montag war eine Premiere. © Marion Doering

Dresden. Die „13“ ist noch nicht mal losgefahren, da geht das Gemurmel schon los. „Die sind doch bescheuert“, sagt ein Fahrgast zu seinem Nachbarn, „dafür zahlen wir Steuern.“ Laut sagt er das natürlich nicht. Beim Aussteigen am Lennéplatz meldet er sich wieder zu Wort und mosert weiter, während er an Martin Mantheuer vorbeiläuft. 

Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes kennt das, schließlich ist er nicht das erste Mal unterwegs auf Maskenkontrolle in Dresden. Doch an diesem Montag hat er besondere Begleiter: die Polizisten André Richter und Gabor Schulz.

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Das erste Mal prüfen Kollegen des Dresdner Ordnungsamtes und die Polizei gemeinsam, ob die Maskenpflicht in den Dresdner Straßenbahnen eingehalten wird. „Das ist ein Test“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Das Thema Maskenpflicht solle damit stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Außerdem soll das Trio zeigen: Es wird kontrolliert. Und für die Polizei gehe es außerdem darum, Erfahrungen zu sammeln. „Wir wollen uns einen Überblick darüber verschaffen, wie die Situation ist“, sagt Laske. Die erste gemeinsame Maskenstreife und - wenn der Test diese Notwendigkeit erkennen lässt - nicht das letzte Mal.

„Das sind dann echte Maskenverweigerer“

Das ist neu in Dresden. Noch nie zuvor war die Polizei in den Bussen und Bahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) auf Maskenstreifen. Gewünscht haben sich die DVB das schon im Sommer, als alle Läden geschlossen waren und die Dresdner sich nur im kleinen Kreis treffen durften. „Damals mussten wir vor allem die Einhaltung der Regeln kontrollieren, die im Freien galten“, begründet Laske, weshalb die Polizei erst jetzt bei den Kontrollen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hilft.

Mantheuer und die zwei Polizeibeamten beginnen ihre Streife am Postplatz. Mit der „4“ fahren sie bis zum Straßburger Platz, es gibt nicht viel zu tun für sie in der Bahn. Nur eine Frau muss darauf hingewiesen werden, dass die Maske auch über die Nase gezogen werden muss. Am Straßburger Platz wechseln sie in die „13“ zum Lennéplatz, dabei treffen sie auf die Meckerer.

„Manchmal fühlt man sich wie ein Schwerverbrecher“

Martin Mantheuer hört so etwas nicht zum ersten Mal. Er ist immer wieder als Maskenkontrolleur unterwegs, seit der Mund-Nasen-Schutz in Bussen und Bahnen vorgeschrieben ist. Im Schichtsystem sind er und seine Kollegen von der Stadtverwaltung täglich zwischen 9 und 22 Uhr auf Kontrollfahrt mit Bus und Bahn. 

Mehr als 1.200 Fahrgäste haben sie seitdem ohne Masken angetroffen, gegen 15 von ihnen wurden Bußgeldverfahren eingeleitet. „Das sind dann echte Maskenverweigerer“, sagt Mantheuer, „die setzen die Maske auch nicht auf, wenn wir sie darauf hinweisen.“ Das heißt, diese Fahrgäste nehmen das 60-Euro-Bußgeld in Kauf. Womöglich gehen sie später gerichtlich dagegen vor, vermutet Mantheuer.

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Normalerweise haben die Maskenkontrolleure keine Probleme. Auch an diesem Montagvormittag ist das so. Spätestens, wenn sie in Uniform in eine Straßenbahn einsteigen, werden die Masken aufgesetzt oder zurechtgerückt. Petra Geith hat das nicht nötig. Ihre Maske sitzt perfekt. „Ich habe in der Straßenbahn immer Maske getragen“, sagt die Dresdnerin. „Ich habe auch nie jemanden ohne Maske gesehen.“ Die Kontrollen findet sie unangenehm. „Manchmal fühlt man sich da wie ein Schwerverbrecher“, sagt sie, „es gibt doch bestimmt andere Fälle, wo die Beamten dringender gebraucht werden.“

Beschimpfungen aus dem „Partyvolk“

Die Polizei sieht das anders. „Wir haben steigende Corona-Fallzahlen und es ist möglich, dass wieder ein Lockdown droht“, sagt Laske. Das solle vermieden werden und deshalb kontrollieren jetzt auch die Beamten, ob die Fahrgäste Maske tragen. Tagsüber gibt es dabei fast nie Probleme. „Es ist ja auch gut, dass sich die Menschen an die Regeln halten“, sagt Mantheuer. Wer keine Maske trage, habe meistens nur vergessen, sie aufzusehen, hat er festgestellt. 

Abends mit dem „Partyvolk“ sei das anders. Vor allem dann, wenn junge Leute in einer Gruppe unterwegs sind. Da wird dann nicht mehr geflüstert, von solchen Gruppen müssen sich der Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt und seine Kollegen auch laute Beschimpfungen anhören. Dazu kommt noch, dass die Maskenkontrollen viel Zeit kosten, die vor Corona für andere Aufgaben genutzt wurde. 30 bis 40 Prozent der Arbeitszeit beim sogenannten Gemeindlichen Vollzugsdienst gehen für die Kontrollfahrten drauf, schätzt Mantheuer.

Auch da kann die Polizei helfen, denn die Kontrolleure sind stets in Dreierteams unterwegs. An diesem Montagvormittag stammen zwei von drei Maskenprüfern nicht aus dem Ordnungsamt. Das Ergebnis: Vier Menschen weigern sich trotz Aufforderung, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Sie bekommen nun eine „Rechnung“ über 60 Euro. In 59 Fällen reichten dagegen Verwarnungen des Kontrolltrios. Ob die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ordnungsamt bei den Maskenkontrollen fortgesetzt wird, ist noch nicht entschieden.

Unterdessen wartet schon eine neue Aufgabe auf Mantheuer und seine Kollegen. Sie sollen künftig auch kontrollieren, ob beim Gesundheitsamt eingereichte Hygienekonzepte berücksichtigt werden. Damit soll das Gesundheitsamt entlastet werden, das unter anderem für die Nachverfolgung von Kontakten Corona-infizierter Dresdner zuständig ist, teilte die Stadtverwaltung am Montag mit.

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