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Schon 10.000 Menschen in Dresden geimpft

Nach drei Wochen Corona-Massenimpfungen wird nun allerdings der Impfstoff knapp. Wie es jetzt weitergeht.

Dresden wartet auf weiteren Corona-Impfstoff.
Dresden wartet auf weiteren Corona-Impfstoff. © René Meinig

Dresden. Fast einen Monat nachdem er begonnen hat, ist der Impfmarathon in Dresden ins Stocken geraten. Der Impfstoff fehlt. Deshalb werden derzeit auch keine neuen Termine im Impfzentrum vergeben. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie viele Dresdner haben den knappen Impfstoff bereits erhalten? Wie sieht die Verteilung zwischen Jüngeren und Älteren aus? Und warum werden Polizisten jetzt schon geimpft? Ein Überblick über den aktuellen Stand.

Wie viele Menschen wurden im Impfzentrum und in den Heimen schon geimpft?

In Dresden haben bis einschließlich Donnerstag 6.311 Menschen ihre Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum beziehungsweise in den Alten- und Pflegeheimen erhalten. Davon entfallen 2.755 auf das Impfzentrum in der Messe sowie 3.556 auf die Pflegeeinrichtungen, teilt das zuständige Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf SZ-Anfrage mit. Zusätzlich wurden bereits 201 Zweit-Impfungen verabreicht.

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Bis Mitte Februar sollen alle impfwilligen und impffähigen Pflegeheimbewohner ihre Erstimpfung erhalten haben, sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Freitag.

Haben auch jüngere Menschen bereits Impfungen bekommen?

Ja, in Dresden haben bisher sogar sehr viele jüngere Menschen eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Allein in den Krankenhäusern der Stadt sind es SZ-Recherchen zufolge mehr als 3.500. Doch auch unter den etwa 2.700 Geimpften im Dresdner Impfzentrum sind in den vergangenen beiden Wochen nicht nur über 80-Jährige immunisiert worden.

Ist das rechtens, jetzt wo der Impfstoff knapp ist?

Ja, es ist gewollt, dass auch Jüngere jetzt schon geimpft werden. Ärzte, Pflegekräfte und Rettungskräfte, die aufgrund ihrer Arbeit ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben, gehören ebenfalls der Gruppe mit der höchsten Impfpriorität an. Sie erhalten derzeit ebenfalls ihre Impfungen, wenn sie diese wünschen. Sie sind aus Sicht der Ständigen Impfkommission, welche die Impf-Empfehlungen erarbeitet hat, überaus wichtig für unsere Gesellschaft, da sie die Krankenversorgung und den Katastrophenschutz aufrechterhalten.

Wie weit sind die Impfungen bei den Jüngeren vorangeschritten?

Bei den Dresdner Feuerwehren seien die ersten Rettungskräfte geimpft worden, teilt die Stadtverwaltung mit und betont: Alle anderen Mitarbeiter des Rathauses würden sich ganz normal in das Impfkonzept einreihen. "Das heißt, sie können sich freiwillig impfen lassen, wenn die Impfungen in ihrer Altersgruppe beginnen", heißt es.

Mehr als 3.500 Ärzte und Pfleger in Dresdens Krankenhäusern haben die Impfung ebenfalls erhalten. Am Uniklinikum sind es bislang knapp 2.400 Mitarbeiter aus den Covid- und Hochrisikobereichen, am Städtischen Klinikum 1.152 Mitarbeiter, teilen die Kliniken auf SZ-Anfrage mit. Am Städtischen Klinikum entspreche das rund 28 Prozent aller Mitarbeiter, so Sprecherin Viviane Piffczyk.

Sind auch die Kliniken vom Impfstoff-Mangel betroffen?

Ja, die Immunisierung des besonders gefährdeten Personals stockt. "Aktuell verfügt das Dresdner Uniklinikum über keinen Impfstoff mehr, um weitere Erst-Impfungen vorzunehmen", so das Klinikum. Die letzte Lieferung, die bereits kleiner ausfiel als angekündigt, erreichte das Uniklinikum am vergangenen Montag. Die Dosen, die für die Mitarbeiter dort bestimmt waren, seien noch am selben Abend aufgebraucht worden. "Seither können keine weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr eine Erst-Impfung erhalten."

Die Mangelsituation betreffe alle ostsächsischen Kliniken, an die der Impfstoff vom Uniklinikum weiterverteilt wird. "Auch diese Krankenhäuser benötigen zum Schutz ihrer Belegschaften wesentlich mehr Impfstoff als zur Verfügung steht."

Einige Impftermine mussten bereits verschoben werden, erklärt Viviane Piffczyk. Nicht betroffen seien die Zweit-Impfungen, die am Montag beginnen werden. Rund 300 Klinik-Mitarbeiter sollen kommende Woche den zweiten Piks erhalten. Am Uniklinikum ist bereits diese Woche mit den Zweit-Impfungen gestartet worden. Sie würden nächste Woche fortgesetzt - bis zu 400 am Tag.

Auch am Diakonissenkrankenhaus gerät die Impf-Aktion ins Stocken. "Aufgrund des Lieferengpasses beim Impfstoffhersteller Pfizer/Biontech ist der Impffortschritt übersichtlich", sagt Victor Franke, Sprecher des Dresdner Diakonissenkrankenhauses. Von den Mitarbeitern in der Prioritätsstufe eins, also Personal mit direktem Kontakt zu Covid-19-Patienten, sei der überwiegende Teil aber geimpft worden.

Sind Abweichungen von der Prioritätenliste bekannt?

Polizisten gehören dem Impfkonzept zufolge nicht in die erste Gruppe. Sie sollen mit den über 70-Jährigen im Anschluss geimpft werden, sofern sie durch ihre Arbeit einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, etwa bei Demonstrationen. Dennoch haben einige Beamte den knappen Impfstoff bereits erhalten.

Die Polizei werde derzeit als "Auffangorganisation" genutzt, sagt Almut Sichler, Referentin im Sächsischen Innenministerium. Aufgefangen wird der Impfstoff, der am Ende des Tages nicht an die bevorzugten Gruppen verimpft werden kann und ansonsten verfallen würde. Es handele sich um Impfdosen, die aufgetaut waren und damit nicht weiter gelagert werden konnten.

Das DRK bestätigt dies. "Damit Impfstoff nicht vernichtet werden musste, wurden auch Polizisten im Impfzentrum Dresden geimpft", sagt Sprecher Kai Kranich. Sowohl Innenministerium als auch DRK nennen aber keine konkrete Zahl.

Kommen weitere jüngere Menschen dran, bevor die über 70-Jährigen an der Reihe sind?

Das ist tatsächlich so. Höchste Priorität haben auch Menschen, die durch ihre Arbeit besonders hohen Aerosol-Konzentrationen ausgesetzt sind. Dazu zählen zum Beispiel Mitarbeiter in Hausarzt-, Kinderarzt- und Zahnarztpraxen. Auch Berufstätige in Bereichen, in denen besonders geschwächte Menschen behandelt werden, gehören der ersten Impfgruppe an. Das sind etwa Mitarbeiter von Praxen und Kliniken, in denen Krebs- und Transplantationspatienten behandelt werden.

Und sind die über 70-Jährigen an der Reihe, werden sie sich den Impfstoff ebenfalls teilen müssen. Unter anderem mit Polizisten, Mitarbeitern des Ordnungsamtes, Angestellten in Behindertenwohnheimen sowie in Heimen untergebrachten Obdachlosen.

Wie sieht es mit Apothekern, Bestattern, Busfahrern und Energieversorgern aus?

Sie alle haben auch Priorität, stehen allerdings noch eine Stufe tiefer. Sie kommen mit den über 60-Jährigen an die Reihe. Mit dabei zum Beispiel die Außendienst-Mitarbeiter bei SachsenEnergie, der als Kommunalversorger zu den Unternehmen der kritischen Infrastruktur gehört. "Wir sind derzeit dabei, eine Aufstellung von den Mitarbeitern zu erstellen, die besonders relevant zur Aufrechterhaltung der Versorgung sind", sagt Sprecherin Nora Weinhold. "Dazu gehören beispielsweise Mitarbeiter in den Leitwarten oder im Netzbetrieb."

Da die Aufstellung noch laufe, könne sie noch keine Details nennen, wie viele Mitarbeiter die Schutzimpfung bevorzugt erhalten werden. Sie würden dann aber eine Bescheinigung bekommen, die ihnen eine Impfung in dieser Prioritäten-Gruppe ermöglicht. Wann das so weit sein wird, weiß aufgrund der begrenzten Impfstoff-Verfügbarkeit derzeit niemand.

Was ist mit den über 80-Jährigen? Wann können sie wieder Termine im Impfzentrum vereinbaren?

Das ist derzeit nicht absehbar. Aktuell können sich impfberechtigte Senioren zwar im Impfportal registrieren, aber keinen Termin in der Dresdner Messe vereinbaren. Dort befindet sich das Impfzentrum der Landeshauptstadt. "Der Grund dafür ist eine reduzierte Liefermenge des Impfstoffs von Biontech/Pfizer", erklärt das zuständige Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Lage. Die Pflegeheime hätten außerdem Priorität gegenüber den Impfzentren, so DRK-Sprecher Kai Kranich. Das Rote Kreuz informiere sofort, sobald neue Impftermine zur Verfügung gestellt werden könnten.

Nicht betroffen seien dem DRK zufolge alle bereits vereinbarten Termine sowie die Zweit-Impfungen. Diese Impfungen seien sichergestellt, auch weil die Dosen für die Zweit-Impfungen von Anfang an zurückgestellt und nicht für Erst-Impfungen verbraucht wurden.

Mit der Liefersituation sei man derzeit nicht so sehr zufrieden, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Freitag. Auch im Dresdner Impfzentrum seien am Tag bis zu 1.000 Impfungen möglich. Sie hoffe, dass in den kommenden Wochen Nachlieferungen geben werde.

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