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Dresden feiert Silvester ohne Raketen und Böller

Zum Jahreswechsel dürfen in Dresden keine Feuerwerke gezündet werden. Wie das in der Krise helfen soll und warum Prospekte trotzdem für Raketen werben.

Diese schönen bunten Bilder wird es zu diesem Jahreswechsel in Dresden nicht geben.
Diese schönen bunten Bilder wird es zu diesem Jahreswechsel in Dresden nicht geben. © Archiv: kairospress

Dresden. Dresden wird Feuerwerke zu Silvester verbieten. Das hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) an diesem Donnerstag angekündigt. "Ich habe das intern bereits verfügt", so Hilbert. "Es wird eine Allgemeinverfügung geben, die Feuerwerke zu Silvester untersagt." Diese werde er in den kommenden Tagen erlassen.

Mögliche Verletzte durch Böller sollten die Kliniken nicht weiter belasten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Notfälle in der Silvesternacht. Mit dem Verbot verschärft Dresden die Vorgaben des Bundes in den Corona-Regeln. Die Bundesregierung fordert lediglich dringend dazu auf, auf Feuerwerke und Böller zu verzichten. In der Silvesternacht sind zudem Menschenansammlungen und Versammlungen verboten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

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Gibt es Feuerwerk und Böller im Supermarkt?

Nein. Die Corona-Regeln, die seit Mittwoch in Kraft sind, geben bundesweit vor, dass vor Silvester keine Knaller und andere Feuerwerkskörper verkauft werden dürfen. Das ließe zumindest die Möglichkeit offen, die übriggebliebenen Knaller vom vergangenen Silvester zu zünden. Aber auch das wird in Dresden laut dem OB untersagt.

Für die Supermarktketten kommt das Verkaufsverbot sehr kurzfristig, viele Werbeprospekte mit den beliebten und umsatzträchtigen Silvester-Artikeln wurden bereits gedruckt. Dennoch: "Selbstverständlich halten wir uns an die Verordnung und werden keine Feuerwerkskörper in unseren Filialen verkaufen", teilt Kaufland-Sprecherin Alisa Götzinger auf SZ-Anfrage mit. "Aufgrund der Kurzfristigkeit der neuen Anordnung und aus Umweltschutzgründen werden wir keine neuen Prospekte erstellen." Derzeit prüfe Kaufland gemeinsam mit den Lieferanten, was mit den bereits bestellten Feuerwerkskörpern passieren soll.

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Auch die Aldi-Filialen werden mit der Aktualisierung der Corona-Schutzverordnungen in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper anbieten, so Sprecher Christian Salmen. "Die Logistikprozesse für unsere Feuerwerksartikel wurden umgehend gestoppt." Zum weiteren Umgang mit den bestellten Waren sowie zu Verkaufs- und Umsatzzahlen und den diesjährigen Verlusten machen beide Unternehmen keine Angaben.

Die Drogerie-Kette DM lehnt Feuerwerksverkauf ohnehin komplett ab. Sprecher Sebastian Bayer erklärt, dass aus Sicht des Unternehmens Feuerwerkskörper nicht zu einem drogistischen Sortiment gehören. "Daher bieten wir weder auf der Internetseite noch in unseren DM-Märkten in Dresden Feuerwerkskörper an."

Wie verliefen die letzten Jahreswechsel in Dresden?

Ob viel Alkohol oder viele Böller - Silvester ist immer ein Großeinsatz für die Dresdner Polizei. Mit Kontaktbeschränkung und Böllerverbot dürfte es in diesem Jahr ruhiger werden. Das ist auch der Hintergrund der Anordnung: Mögliche Verletzte durch Böller sollen die Kliniken, die derzeit durch die Versorgung der Corona-Patienten am Limit sind, nicht weiter belasten.

In den vergangenen Jahren war in der Tat immer viel los auf Dresdens Straßen. 2019 zu 2020 sei ein überwiegend friedliches Silvester in der Stadt gefeiert worden. Diese Bilanz zieht Polizeisprecher Marko Laske. Dennoch gab es einfache Körperverletzungsdelikten sowie mehrere kleinere Brände an Abfallbehältern, Papierkörben, Bäumen, Büschen und Hecken, welche vermutlich durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern entstanden sind. "Weiterhin wurden die Einsatzkräfte zu zwei aufgesprengten Zigarettenautomaten und fünf Bränden unterschiedlichen Ausmaßes gerufen."

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Beim Jahreswechsel 2018/19 war dagegen erheblich mehr Einsatz von Feuerwehr und Polizei gefordert. "Aufgrund des unsachgemäßen Umgangs mit Pyrotechnik und dem erheblichen Genuss von alkoholischen Getränken kam es zu einer Vielzahl von Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung", so Laske.

Die Polizei verzeichnete in der damaligen Silvesternacht 338 Einsätze. Die Kollegen der Polizeireviere wurden von 89 Beamten der Bereitschaftspolizei unterstützt. Die Dresdner Polizei zählte sieben Sachbeschädigungen an geparkten Autos, zwölf Sachbeschädigungen durch Pyrotechnik an Bäumen und Hecken, einen Landfriedensbruch mit drei verletzten Personen in Dresden-Gorbitz sowie 28 Körperverletzungsdelikte und einiges mehr.

Wer fordert außerdem ein Verbot von Feuerwerken?

In 98 deutschen Städten, darunter auch Dresden, soll das Silvester-Feuerwerk verboten werden. Das forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schon 2019. Dieser Verein wurde 1975 gegründet und hat aktuell rund 425 Mitglieder. Er versteht sich als nichtstaatliche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation. In Städten wie Dresden sei die Luft mit gesundheitsschädlichen Partikelkonzentrationen belastet, hieß es.

"Wir wünschen uns freudige Feste zum Jahreswechsel – aber ohne verpestete Luft, brennende Häuser, verletzte Menschen und verängstigte Tiere durch archaische Böllerei", so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Neben Dresden will die Umwelthilfe grundsätzlich gegen Feuerwerke in Chemnitz, Görlitz, Leipzig, Zittau und Zwickau vorgehen. Als Alternative zur Böllerei nannte die Umwelthilfe Laser- und Lichtshows für den Jahreswechsel.

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