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Corona: Die Testergebnisse an Dresdens Schulen

Schüler und Lehrer müssen sich seit dieser Woche auf Corona testen, wenn sie in die Schule wollen. Nun stehen die Ergebnisse fest.

Erste Stunde: Schnelltest. In Dresden haben sich diese Woche Tausende Schüler selbst auf das Coronavirus getestet. Tatsächlich fielen mehrere positiv aus.
Erste Stunde: Schnelltest. In Dresden haben sich diese Woche Tausende Schüler selbst auf das Coronavirus getestet. Tatsächlich fielen mehrere positiv aus. © Zacharie Scheurer/dpa

Dresden. Seit diesem Montag besuchen Tausende Dresdner Oberschüler und Gymnasiasten wieder ihre Schulen. Sie treffen Freunde, lernen gemeinsam im Klassenzimmer, bekommen bei den Aufgaben Hilfe von den Lehrern. Und mittlerweile ist der Nachweis eines negativen Tests für alle Schüler ab der fünften Klasse verpflichtend, wenn sie am Unterricht vor Ort teilnehmen wollen.

Aber haben sich tatsächlich alle Schüler getestet? Wie sind die Ergebnisse ausgefallen? Und was passiert mit denen, die sich weigern?

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Wie viele Schüler und Lehrer sind positiv getestet worden?

Insgesamt 22.640 Schüler hätten in dieser Woche an den Tests in den Schulen teilgenommen, teilt das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) am Freitag auf SZ-Anfrage mit. Lediglich 18 Tests zeigten eine Infektion an. Das entspricht 0,08 Prozent der Schüler. Bei den Lehrern haben sich 3.496 Pädagogen selbst getestet. Bei zwei von ihnen fiel der Test positiv aus. Das entspricht 0,06 Prozent.

Was passiert bei einem positiven Ergebnis?

Im Falle eines positiven Tests wird der Schüler isoliert und muss sofort von den Eltern abgeholt werden. "Die Kinder können nicht allein nach Hause gehen und müssen direkt einen Arzt aufsuchen, bei dem ein PCR-Test gemacht wird. Wir haben leider nicht die Kapazität, die isolierten Kinder für mehrere Stunden einzeln zu beaufsichtigen, so dass wir Sie bitten, innerhalb von 30 Minuten nach Anruf Ihr Kind abzuholen", informiert etwa Sonja Hannemann, Schulleiterin am Gymnasium Johannstadt, die Eltern ihrer Schule.

Wie viele Schüler haben sich nicht in der Schule getestet?

Insgesamt 3.780 Schüler sind nicht auf das Coronavirus getestet worden, obwohl sie zur Gruppe gehören, die nur mit einem negativen Ergebnis am Unterricht teilnehmen darf. 1.515 Schüler seien unverschuldet wegen einer Erkrankung verhindert gewesen, so das Lasub. Weitere 1.897 hätten bereits ein aktuelles negatives Ergebnis vorweisen können. Lediglich 368 Schüler beziehungsweise deren Familien hätten den Test verweigert.

Bei den Lehrern gab es laut Lasub keine Testverweigerer. 305 Pädagogen seien krank gewesen und konnten sich deshalb nicht testen. Bei 148 Lehrern habe bereits ein negatives Testergebnis vorgelegen. So hat jeder Bundesbürger das Anrecht auf einen wöchentlichen, kostenfreien Coronatest in einem Testzentrum. Das Ergebnis gilt 24 Stunden.

Was passiert mit Verweigerern?

Das Kultusministerium hat klare Regeln dafür aufgestellt, sollten Schüler den Selbsttest in der Schule ablehnen. Wenn Schüler oder Eltern weder der Testung an der Schule zustimmen noch eine ärztliche Bescheinigung über das Nichtbestehen einer Infektion oder ein anderweitiges aktuelles negatives Testergebnis vorlegen, ist eine Teilnahme am Präsenzunterricht nicht möglich.

Das Lasub ließ am Dienstag ein Informationsschreiben in 17 verschiedenen Sprachen an die Eltern verteilen, in dem der Umgang mit den Schnelltests erklärt wird. Mit ihrer Unterschrift mussten die Eltern bestätigen, ob ihr Kind sich einmal wöchentlich testen lässt oder nicht. Ist das nicht der Fall, darf das Kind das Schulhaus nicht mehr betreten und muss seine Aufgaben daheim erledigen.

Kinder, die aufgrund von Quarantäne oder der Ablehnung des Tests zu Hause bleiben müssen, werden weiterhin im Distanzunterricht beschult. Aufgrund des Einsatzes aller Lehrkräfte im Präsenzunterricht könnten Videokonferenzen und eine umfassende Aufbereitung der Aufgaben nicht mehr gewährleistet werden, betont Lasub-Sprecherin Petra Nikolov. "Das Schulmaterial wird lediglich in geeigneter Form zur Verfügung gestellt."

Einzelunterricht über einen Videochat komme nicht infrage, sagt Schulleiterin Kerstin Ines Müller. "Die zusätzliche Arbeit kann ich meinen Lehrern nicht aufbürden."

Wie oft müssen sich Schüler und Lehrer testen?

Schüler ab der fünften Klasse müssen sich einmal pro Woche testen, wenn sie am Unterricht teilnehmen wollen. Lehrer sind verpflichtet, zwei Tests wöchentlich durchzuführen, wenn sie das Schulhaus betreten möchten. Eine echte Testpflicht ist das nicht. Denn sowohl Eltern beziehungsweise Schüler als auch Lehrer können sich gegen den Test entscheiden, müssen dann aber zu Hause bleiben.

Wie bewertet der Elternrat die Testpflicht?

Martin Raschke, Chef des Dresdner Elternrates, kritisiert das Wirrwarr um die Tests. "Die Schulen sollten die Kinder nicht dafür bestrafen, wenn ihre Eltern aus Verschwörungstheorie-Denken sich gegen die Tests entscheiden", sagt er. Diese Kinder müssten nun wieder zu Hause bleiben und würden wieder keinen Unterricht bekommen. Seiner Meinung nach brauche es ein anderes Testkonzept. "Einmal in der Woche testen ist zu wenig und somit für das Infektionsrisiko wenig aussagekräftig."

Wie hat der erste Test-Tag in den Schulen geklappt?

"Völlig unaufgeregt", sagt Kerstin Ines Müller, die das Pieschener Gymnasium leitet. Die Lehrkräfte, Sekretariatsmitarbeiter und Küchenkräfte hätten sich vor Schulstart am Morgen in einem separaten Raum getestet. Anschließend seien die Lehrer in ihre Klassen gegangen und hätten dort die Schüler-Tests beaufsichtigt. "Wir haben noch einmal den Lehrfilm zur Testdurchführung gezeigt", sagt Jens Reichel vom Gymnasium Bürgerwiese. "Dann haben wir den Test gemeinsam gemacht. Das ist völlig entspannt gelaufen. Die Kinder gehen damit sehr locker um. Die Tests sind ja auch einfach zu machen." Von einem völlig reibungslosen Ablauf bei den Selbsttests berichtet auch Beatrice Wünsche, Leiterin der 36. Oberschule.

Kritik gibt es daran, dass die Testpflicht so kurzfristig eingeführt wurde. Längst nicht alle Eltern haben das Informationsschreiben und die Einwilligungserklärung, die sie unterschreiben mussten, noch rechtzeitig erreicht. So standen am Mittwochmorgen einige Schüler ohne die erforderliche Zustimmung der Eltern für den Selbsttest in den Klassenzimmern, sagt Elke Fiedler, Leiterin der Semper-Oberschule. Ihre Mitarbeiter hätten daraufhin versucht, die Eltern telefonisch zu erreichen - aufgrund der Kurzfristigkeit war die Einwilligung an diesem Mittwoch auch auf diesem Weg möglich.

Auch den enormen Aufwand kritisieren Schulleiter. "Wir sind gerade nur noch mit Testen beschäftigt", sagt Thomas Lorenz von der 128. Oberschule in Strehlen. "Ob Schule dafür da ist, halte ich für zweifelhaft. Von pädagogischer Arbeit sind wir momentan jedenfalls weit entfernt."

Noch gar nicht getestet wurde am Mittwoch in der Freien Waldorfschule. "So schnell konnten wir gar nicht sein", sagt Geschäftsführer Holger Kehler. Erst am Donnerstag würden hier die ersten Kinder die Tests mit nach Hause bekommen - und sollen die (negativen) Ergebnisse am Montag mitbringen.

Man habe "ziemlich mit sich gerungen", sagt Kehler, aber die aktuelle Allgemeinverfügung lasse auch diese Variante zu. Tests in der Schule hält er für problematisch, da der Lehrer so "von der Vertrauensperson zur Kontrollperson" werde. "Und was passiert mit positiv getesteten Schülern? Werden die dann zu Aussätzigen?"

Warum haben sich Familien geweigert?

Am Gymnasium Pieschen entschied sich eine Familie dafür, ihr Kind lieber zu Hause zu lassen, so Schulleiterin Kerstin Ines Müller. Im Vorfeld hätten noch mehr Eltern Sorgen geäußert, die in gemeinsamen Gesprächen aber größtenteils ausgeräumt werden konnten. Dabei ging es weniger darum, dass die Tests für die Kinder unangenehm sein könnten, so Müller. Vielmehr sei die Frage aufgeworfen worden, ob man die Testpflicht mit der Schulpflicht einfach so verknüpfen sollte und ob eine Testpflicht in einer Demokratie denn überhaupt in Ordnung sei.

An der privaten Semper-Oberschule wurden 168 Schüler getestet, eine Familie lehnte das für ihr Kind ab. "Wir sprechen heute noch einmal mit den Eltern, die schon signalisiert haben, dass ihr Kind morgen doch wieder am Unterricht teilnehmen soll", berichtet Leiterin Elke Fiedler.

An der 32. Oberschule in Tolkewitz gab es unter den rund 300 Schülern am Mittwoch zwei Schüler, die nicht getestet werden wollten. Da die Kinder im Wechselunterricht vor Ort sind, kommt am Donnerstag der andere Teil der Schüler in den Präsenzunterricht. Auch dort hätten Eltern bereits angekündigt, dass sie dem Test nicht zustimmen werden, so Leiterin Jana Lüders.

An der 36. Oberschule in Löbtau hätten etwa drei Prozent der 250 Schüler, die am Mittwoch für den Präsenzunterricht eingeteilt waren, den Test verweigert, erzählt Leiterin Beatrice Wünsche.

Von "ganz wenigen" Test-Verweigerern spricht Reichel, der das Gymnasium Bürgerwiese leitet. Am Mittwoch habe es sich um eine einstellige Zahl gehandelt, sagt er.

Mehr Verweigerer gibt es derzeit an der 128. Oberschule. Hier ist von zwei bis drei Schülern pro Klasse die Rede.

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