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Dresden: Warum sind die Corona-Zahlen nun so hoch?

Das Dresdner Gesundheitsamt hat die Corona-Statistik der vergangenen Wochen korrigiert. Was das bedeutet und welche Gründe genannt werden.

Dresdner, die die Corona-Statistik der Stadt aufmerksam verfolgt haben, dürften sich am Freitag gewundert haben: Die Stadt hatte die Zahlen der vergangenen Wochen geändert.
Dresdner, die die Corona-Statistik der Stadt aufmerksam verfolgt haben, dürften sich am Freitag gewundert haben: Die Stadt hatte die Zahlen der vergangenen Wochen geändert. © Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Dresden. Das Gesundheitsamt hat am Freitag eine größere Korrektur an der Dresdner Corona-Statistik vorgenommen. Die Zahl der Infizierten stieg vermeintlich von 1.113 am Donnerstag auf 1.174 am Freitag. Eine Differenz von 61 Fällen. Gleichzeitig sprang die Corona-Ampel von Gelb auf Hellgrün zurück. Wie kann das sein? 

Wie genau haben sich die Corona-Zahlen verändert?

Ein Vergleich zeigt, dass die alte und die neue Statistik zum Teil erheblich voneinander abweichen. Das betrifft den Zeitraum zwischen Ende Juli und jetzt. Die neue Statistik gibt für viele Tage mehr Fälle an. Ein Beispiel: Meldete das Gesundheitsamt an diesem Donnerstag zunächst 1.113 positive Tests seit Pandemie-Beginn, so steht für diesen Tag nun eine Zahl von insgesamt 1.169 Infektionen auf der Seite der Stadt.

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Was genau hat das Gesundheitsamt verändert?

Bislang hat das Gesundheitsamt das Datum angegeben, an dem ein Fall abschließend bearbeitet war und der Öffentlichkeit, aber auch dem Robert-Koch-Institut mitgeteilt wurde (Übermittlungsdatum). In der Regel war das derselbe Tag, an dem das Amt selbst  über das Labor Kenntnis von dem Fall erlangte (Meldedatum). 

Bis Mitte vergangener Woche sei es dem Gesundheitsamt möglich gewesen, Fälle an dem Tag zu übermitteln, an dem sie bekannt wurden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Es gab also keinen Zeitverzug. Da sich in Dresden aber immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizierten, seien die Mitarbeiter in den vergangenen Tagen fast nur noch damit beschäftigt gewesen, Kontaktpersonen zu ermitteln und Quarantänen anzuordnen. 

Aus diesem Grund habe man aktuelle Fälle nicht mehr am selben Tag übermitteln können. Sie seien nun rückwirkend den Tagen zugeordnet worden, an denen die Infektion dem Gesundheitsamt bekannt geworden waren. „So wird die Berechnungsgrundlage korrigiert“, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Vereinzelt würden auch weiter zurückliegende Daten aktualisiert.

Nicht erklärt wird allerdings, wie es zur Steigerung der Gesamtfallzahl gekommen ist.

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Warum ist es wichtig, die Fälle tageweise nachzutragen?

Wenn Fälle erst Tage später in die Corona-Statistik einfließen, verzerrt dies die Darstellung des tatsächlichen Infektionsgeschehens. Das wiederum verfälscht die Ampelfarbe. Damit stimmt auch die Grundlage nicht mehr, nach der entschieden wird, ob weitere Einschränkungen angeordnet werden, zum Beispiel bei Fußballspielen.

„Hätten wir hier weiter das Übermittlungsdatum und nicht das Meldedatum genutzt, wäre die Berechnung nicht korrekt, was natürlich zu einer falschen Ableitung von Maßnahmen geführt hätte“, erklärt die Stadt. Generell will sie ab jetzt nur noch die Meldedaten in ihr Dashboard - die Internetdarstellung des Infektionsverlaufes -  einpflegen. Die Fallzahlen der vorangegangenen Tage können sich also im Laufe der Woche durchaus mehrfach ändern.

Außerdem soll mit der Umstellung erreicht werden, dass Gesundheitsamt, Landesregierung und Robert-Koch-Institut möglichst dieselben Zahlen für denselben Tag melden. Bisher gibt es durch Meldeverzögerungen große Unterschiede. "Wir haben das auch beim Ministerpräsidenten diskutiert", sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Freitag. "Es wird schwierig, wenn unterschiedliche Zahlen unterwegs sind."

Gab es bereits Auswirkungen durch verschärfte Corona-Maßnahmen?

Ja, vergangenen Freitag zeigte die Corona-Ampel erstmals die Farbe Gelb. Die Zahl der Neuinfektionen kletterte in den sieben Tagen davor auf mehr als 25 Fälle pro 100.000 Einwohner. Dynamo Dresden war dadurch gezwungen, die Gästezahlen im Rudolf-Harbig-Stadion zu beschränken. Es durften nur noch 999 Besucher hinein. Der Kartenverkauf wurde sofort gestoppt. Bis dahin waren schon über 10.000 Tickets verkauft worden. Zudem wurde ein Pop-Konzert in der Freilichtbühne Junge Garde abgesagt.

War die gelbe Anzeige der Corona-Ampel nicht korrekt?

Doch, auch nach den korrigierten Zahlen wäre die Ampel am Freitag vergangener Woche auf Gelb gesprungen. Das heißt, die Besucherzahl beim Dynamo-Spiel ist nicht ungerechtfertigt beschnitten worden. Man sei trotz der Korrekturen in den relevanten Bereich gekommen, in dem die Sächsische Coronaschutzverordnung ein Verbot für Groß- und Sportveranstaltungen mit einem Publikum von mehr als 1.000 Personen vorsieht, so die Stadt.

Im Gegensatz zu den Fallzahlen will die Stadt die Ampelfarben nicht rückwirkend korrigieren, sollten nachträglich deutlich mehr Fälle für vorangegangene Tage einsortiert werden. Für die Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz gelte der Datenstand des jeweiligen Tages, heißt es.

Wie sehen die aktuellen Corona-Zahlen für Dresden denn nun aus?

Nach der neuen Statistik sind am Freitag selbst nur fünf neue Fälle dazugekommen. Damit haben sich bisher 1.174 Dresdner nachweislich infiziert. 853 von ihnen gelten inzwischen als genesen. Die Ampel steht auf Hellgrün. Eine weitere Krankenhauseinweisung ist nicht gemeldet worden. Derzeit befinden sich Schätzungen der Stadt zufolge 15 Menschen wegen einer Coronainfektion in stationärer Behandlung.

Am Städtischen Klinikum gab es am Freitag zwölf Covid-19-Patienten, so Sprecherin Viviane Piffczyk. Fünf davon müssten intensivmedizinisch behandelt werden. Zwei von ihnen würden beatmet. In ganz Dresden liegen mit Stand vom Freitag sechs Menschen auf der Intensivstation, von denen drei beatmet werden müssen. An der Zahl der Todesopfer hat sich nichts geändert. Bisher werden 13 Todesfälle auf das Coronavirus zurückgeführt.

Anmerkung der Redaktion: Am Freitagabend hat die Stadt weitere Details zu den von ihr vorgenommenen Veränderungen bekanntgegeben. Sie sind in der aktuellen Fassung dieses Textes enthalten. 

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