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Dresdens Kulturszene sieht düstere Zukunft

Weniger Stellen, reduzierte Angebote, alternde Technik - Vertreter des Netzwerks Kultur bangen wegen Corona um ihre Fördermittel.

Simon Wolf vom Verein Kultur Aktiv engagiert sich mit mehreren tausend Akteuren der Freien Szene im Netzwerk Kultur Dresden für deren Fortbestand.
Simon Wolf vom Verein Kultur Aktiv engagiert sich mit mehreren tausend Akteuren der Freien Szene im Netzwerk Kultur Dresden für deren Fortbestand. © Marion Doering

Dresden. Minus zwölf Prozent. Fast kein Bereich, der städtische Mittel bezieht, soll davon verschont bleiben. Zwölf Prozent weniger Geld sieht Oberbürgermeister Dirk Hilbert im Haushalt vermutlich auch für Kultur vor. "Alle müssen ihren Beitrag leisten", kündigte er im Juni an. Spätestens da war klar, dass coronabedingt weniger Einnahmen und mehr Ausgaben zu erwarten sind. Schulden will die Stadtspitze nicht machen und stattdessen den städtischen Haushalt 2021/2022 entsprechend anpassen. Also droht Verzicht. Am 24. September wird die Verwaltung ihren Haushaltsplan in den Stadtrat einbringen.

Für Dresdens Kulturschaffende befürchtet das Netzwerk Kultur Dresden heftige finanzielle Einschnitte. Seit seiner Gründung im Jahr 2014 haben sich darin rund 80 Vertreter der Freien Szene zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, mehr städtische Mittel für ihre Arbeit zu erhalten und in den Beratungsgremien, die darüber befinden, mehr Mitsprache zu erlangen. 

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Mehr als eine halbe Million weniger Mittel

"Zwölf Prozent weniger Geld bedeutet für die freie Kulturszene ein finanzielles Loch von mehr als einer halben Million Euro", sagt Simon Wolf vom Verein Kultur Aktiv, der auch Mitglied im Netzwerk Kultur ist. Fünf Millionen Euro pro Jahr erhalten Vereine, Clubs, Ateliers, Theatergruppen, Festveranstalter, Kursanbieter bisher, damit sie ihre Angebote aufrechterhalten und ausbauen können. Davon sind viereinhalb Millionen institutionelle Förderungen. Sie gehen an Kultureinrichtungen, die für ihren laufenden Betrieb finanzielle Unterstützung brauchen. Eine halbe Million jährlich fließt einmalig in konkrete Projekte.

Im Netzwerk Kultur Dresden suchen inzwischen rund 80 Vereine, Theater, Clubs, Kursanbieter, Ateliers und Veranstalter den Schulterschluss für eine bessere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und Politik.
Im Netzwerk Kultur Dresden suchen inzwischen rund 80 Vereine, Theater, Clubs, Kursanbieter, Ateliers und Veranstalter den Schulterschluss für eine bessere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und Politik. © Marion Doering

Am Mittwoch trafen sich Vertreter des Netzwerkes Kultur in der Villa Augustin, um sich über mögliche Folgen der zu erwartenden Kürzungspläne der Stadt auszutauschen und in der Diskussion um die Mittelverteilung von Anfang an Gehör zu verschaffen. "Hauptsorge derer, die auf institutionelle Förderungen angewiesen sind, ist, dass weniger Geld von der Stadt zu Stellenkürzungen führen wird", sagt Netzwerksprecher Simon Wolf. Das wirke sich umfassend auf die Arbeit der betroffenen Kultureinrichtungen aus, zumal die meisten Stellen ohnehin schlecht bezahlt und auch selten Vollzeitstellen sind. Mitarbeiter fielen also weg.

Auch knappere Angebote sind Simon Wolf zufolge zu befürchten, was Kultureinrichtungen weniger attraktiv machen würde. Außerdem bangen sie um Mittel für Öffentlichkeitsarbeit und Digitalisierung. Insgesamt weniger Budget führe zudem dazu, dass Eigenmittel schrumpfen. Das wiederum wirke sich negativ auf künftige Fördermittelanträge aus. Denn dafür müssen Antragsteller Eigenanteile vorweisen.

"Realistischerweise fordern wir nicht mehr Geld"

"Nachweislich fließen Gelder, die die Stadt der freien Kulturszene zur Verfügung stellt, vervielfacht in Form von Steuern zurück", so Wolf. "Wir erwirtschaften mit Fördergeldern mehr Geld, als wir bekommen." Die Stadt schade sich also selbst, wenn sie Mittel kürze und später geringere Steuereinnahmen habe. Den positiven Effekt der Förderung freier Kulturschaffender hat die Verwaltung längst erkannt. Schließlich sollte - bevor Corona das Geldausgeben auf einen neuen Prüfstein stellte - die Fördersumme insgesamt pro Jahr um fünf Prozent steigen.

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Das rückt in weite Ferne. "Realistischerweise fordern wir nicht mehr Geld, als wir bisher bekommen haben", sagt Simon Wolf. Die fünf Millionen Euro aber seien entscheidend für die Dresdner Kulturlandschaft und gut angelegtes Geld. 

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