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Dresden: Werden Masken-Befreite geächtet?

Nicht alle müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Eine Dresdnerin berichtet deswegen von Anfeindungen. Ist das ein verbreitetes Problem in der Stadt?

Mit Attest werden einige vom Maske-Tragen befreit - und teilweise dafür angefeindet.
Mit Attest werden einige vom Maske-Tragen befreit - und teilweise dafür angefeindet. © dpa/Friso Gentsch

Dresden. In Bussen und Bahnen, beim Einkaufen und überall dort, wo sich Menschen begegnen, sollen auch die Dresdner eine Maske tragen, um sich und vor allem andere vor dem Coronavirus zu schützen.

Aus gesundheitlichen Gründen kann man sich von der Maskenpflicht befreien lassen. Da die Atteste dafür von Ärzten ausgestellt werden, gibt es keine Zahl, wie viele Dresdner keine Maske tragen müssen. Es ist aber sachsenweit geregelt, welche Atteste gelten.

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Da einige aber auch ohne Attest das Tragen einer Maske verweigern, gibt es immer wieder Verwirrungen und sogar Anfeindungen gegen Masken-Befreite. Dresdens AfD-Chef und Landtagsabgeordneter André Wendt hat deshalb eine Landtags-Anfrage dazu gestellt. Wendt wollte wissen, wie viele Sachsen "angepöbelt oder körperlich angegriffen" wurden, weil sie keine Maske trugen, aber ein Attest zur Befreiung haben.

Was sagt der Innenminister zu Anfeindungen gegen Masken-Befreite?

Die Antwort von Innenminister Roland Wöller (CDU) ist überschaubar. Vom 15. März bis 23. November 2020 konnten 292 Straftaten festgestellt werden. Allerdings betrifft diese Zahl Einträge im Polizeilichen Auskunftssystem Sachsen und dort alle Straftaten, die mit dem Stichwort "Coronavirus" erfasst wurden. Dabei handle es sich um Widerstand und tätliche Angriffe gegen Vollstreckungsbeamt, Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Die Straftaten müssen demnach nicht mit dem Tragen von Masken in Zusammenhang stehen.

"Weitere Differenzierungsmöglichkeiten stehen nicht zur Verfügung", so Minister Wöller. Die Recherche dazu würde mindestens 146 Arbeitsstunden dauern, weil pro Fall eine halbe Stunde benötigt werde. Das Fragerecht von Abgeordneten bestehe zwar, aber auch die "Pflicht zur Rücksichtnahme auf die Arbeitsfähigkeit der Staatsregierung".

Was berichtet eine Betroffene?

Die Dresdner AfD-Stadträtin Monika Marschner ist nach eigener Aussage aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht durch ein Attest befreit. "Polizeibeamten zeige ich mein Attest und auch die Diagnose dazu, da werde ich freundlich behandelt", so die Stadträtin. Wenn sie in die Apotheke gehe, setze sie eine Maske für kurze Zeit auf. Ebenso im Fahrstuhl, wenn sie zu ihrer Mutter ins Betreute Wohnen gehe. Das sei gesundheitlich vertretbar.

"Aber im Supermarkt ist das schon sehr unangenehm", berichtet Marschner. "Ich werde mindestens einmal pro Woche angepöbelt." Einige andere Kunden würden ihr vorwerfen, sie sei "unverschämt" und "rücksichtslos". "Die Leute brüllen und rempeln mich zum Teil an." Wer sie freundlich frage, erhalte eine Antwort, weshalb die Frau ohne Maske einkauft. "Aber ich muss mich gegenüber Privatpersonen auch nicht rechtfertigen."

Was will AfD-Mann Wendt?

Wendt ärgert sich einerseits wegen Wöllers Antwort. "In letzter Zeit musste ich vermehrt feststellen, dass Kleine Anfragen nicht hinreichend oder aus unverständlichen Gründen überhaupt nicht beantwortet werden." Schließlich gebe es seit mehreren Monaten in Sachsen für bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens eine Maskenpflicht.

"Immer wieder hört man von Übergriffen auf Menschen, die wegen gesundheitlicher Einschränkungen von der Maskenpflicht befreit sind", so Wendt. "Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass die Staatsregierung kein Interesse daran hat, wie viele und um welche Arten von Übergriffen es sich handelt, obwohl sich dies doch auf das Zusammenleben, welches in diesen Zeiten besonderen Belastungen ausgesetzt ist, auswirkt." Dass durch die Recherche die Polizei nicht mehr richtig arbeiten könne, liege laut Wendt daran, dass diese in den vergangenen Jahren "kaputtgespart" worden sei.

Wendt fordert zudem, dass die Staatsregierung verstärkt darauf hinweist, dass Menschen von der Maskenpflicht befreit seien. "Und dass diese Personen nicht angefeindet werden sollen. Das ist eine Frage des sozialen Friedens. Sonst kommt es noch zu körperlichen Angriffen."

Sind Anfeindungen tatsächlich ein Problem in Dresden?

Was eine Recherche durch die Polizei ergeben würde, ist unklar. Doch sind Übergriffe auf Masken-Befreite überhaupt ein häufiges Phänomen? In Dresden scheint es zumindest bei der Polizeiarbeit keine Rolle zu spielen.

"Derartige Fälle sind der Polizeidirektion Dresden nicht bekannt", sagt Dresdens Polizeisprecher Marko Laske auf SZ-Anfrage. "Insofern bildet das Thema aktuell keinen Schwerpunkt."

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