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Wie klappt das Homeschooling in Dresden?

Im zweiten Lockdown sind nun auch die Schulen wieder geschlossen. Wie Familien mit der häuslichen Lernzeit umgehen und welche Probleme gelöst werden sollen.

Die Dresdner Schüler müssen derzeit daheim ihren Schulstoff erarbeiten. Und auch im Januar bleiben die Schulen zunächst geschlossen.
Die Dresdner Schüler müssen derzeit daheim ihren Schulstoff erarbeiten. Und auch im Januar bleiben die Schulen zunächst geschlossen. © dpa

Dresden. Die erste Woche in der häuslichen Lernzeit liegt fast hinter den Dresdner Schülern und die Weihnachtsferien stehen vor der Tür. Was den einen Schüler motiviert, seine Hausaufgaben schnell zu erledigen, um unbeschwert in die Ferien zu starten, lässt den anderen Schüler lässiger mit dem Schulstoff umgehen. So nach dem Motto: Ist ja noch so viel Zeit, bis die Schulen wieder öffnen. Das ist derzeit für den 11. Januar geplant. Fest steht: Für die Familien ist das Homeschooling eine Herausforderung.

Wie kommen Familien mit der häuslichen Lernzeit klar?

Wie die häusliche Lernzeit in den einzelnen Familien klappt, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Wie viele Aufgaben haben die Kinder bekommen und haben die Eltern vielleicht selbst frei, um ihnen dabei zu helfen? In welchem Alter ist das Schulkind, welche Rolle spielt Technik und vor allem: Funktioniert sie? Die Dresdner Schulen entscheiden selbstständig, wie viele Aufgaben sie verteilen, auf welche Weise das geschieht und wie die Lehrer mit den Schülern kommunizieren.

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Während an manchen Grundschulen die Kinder in der Woche vor Weihnachten nur noch wenige Arbeitsblätter mit Aufgaben bekommen haben und die Kinder diese in einer Stunde erledigt haben, müssen andere Zweitklässler täglich mehrere Stunden über den Rechenblättern und Rechtschreibheften sitzen. Viele Grundschulen setzen dabei auf kopierte Arbeitsblätter und verzichten auf den Einsatz digitaler Plattformen wie Lernsax.

An den weiterführenden Schulen haben sich inzwischen Videokonferenzen etabliert, sodass die Schüler zu bestimmten Zeiten vor dem Rechner sitzen und ihre Aufgaben erledigen müssen. "Das ist eine gute Sache, denn so wird der Tag automatisch strukturiert, die Kinder müssen 8 Uhr morgens fertig für den digitalen Unterricht sein und es gibt keine Diskussionen, wann und ob gelernt werden muss", erzählt die Mutter eines Gymnasiasten in der sechsten Klasse. Der Lehrer überprüfe vor dem digitalen Unterricht, wer anwesend ist, und die Schüler könnten fast wie gewohnt ihren Schulstoff erarbeiten, so die Mutter. Genutzt werden für die Videokonferenzen entsprechende Plattformen wie Microsoft Teams.

Stephanie Pönitz hat drei Kinder. "Ich bin voll berufstätig und es ist eine große Herausforderung. Vor allem, da Lernsax immer wieder ausfällt." Offenbar sei das System komplett überlastet. Sie findet es schwierig, wenn die Schulen davon ausgehen, dass alle Familien einen Laptop und Internetzugang haben.

Die Schulen seien ihrer Wahrnehmung nach sehr engagiert, aber einige würden die Kinder auch nur mit Aufgaben bombardieren ohne einen direkten Kontakt. "Dringend brauchen wir auch Lösungen für die Betreuung von Kindern mit Förderbedarf wie ADHS oder Legasthenie, auch über die 4. Klasse hinaus", so Pönitz, die in Dresden auch im Elternrat engagiert ist.

Wie funktioniert die digitale Plattform Lernsax?

Tatsächlich kommt es immer wieder kommt es zu Ausfällen der Lernplattform Lernsax, die viele sächsische Schulen nutzen. Erst in dieser Woche gab es enorme Probleme damit, Schüler konnten sich nicht einloggen und kamen somit auch nicht an ihre Aufgaben heran.

Das Kultusministerium sprach von einem Hackerangriff, das IT-Unternehmen, das die Lernsax-Seite betreibt, von zu vielen Zugriffen, die die Verbindung zum Speicher erschweren. Nun sollen weitere Serverkapazitäten aufgebaut werden, allerdings dauert es wohl bis Mitte Januar, bis die entsprechende Leistungsfähigkeit zur Verfügung steht und der Zugriff auf die Plattform problemlos möglich ist.

Das Verständnis der Eltern und auch von Elternratsvorsitzenden Martin Raschke für die technischen Schwierigkeiten hält sich indes in Grenzen. "Das müssen wir dringend in den Griff bekommen, zumal niemand wirklich davon ausgeht, dass die Schulen am 11. Januar wieder öffnen", sagt er. Zumal im Januar das Vor-Abitur in den 12. Klassen anstehe und es entscheidend für die Schüler sei, auf ihre Lernmaterialien zugreifen zu können. Auch Eltern berichten, wie frustrierend und wenig motivierend es für ihre Kinder sei, wenn die Technik streikt und das häusliche Lernen dadurch nicht funktioniert.

Wie bewerten Dresdner Bildungspolitiker die Situation?

Anne Holowenko ist bildungspolitische Sprecherin der Linken im Dresdner Stadtrat und findet, dass die Schließung der Schulen vermeidbar gewesen wäre. Und zwar durch die flächendeckende Anschaffung von Luftfiltern und die Entzerrung des Schülerverkehrs, erklärt Holowenko. "Der Start in den Distanzunterricht lief holprig, da nicht ausreichend in die Digitalisierung investiert wurde und es noch Unsicherheiten in der Anwendung der neu angeschafften Hard- und Software gab."

Auch Holowenko bestätigt: Die häusliche Lernzeit werde in den Familien und auch in den Schulen sehr unterschiedlich praktiziert. An einigen Schulen bekommen die Kinder ohne direkten Kontakt ihre Hausaufgaben, viele Einrichtungen bieten täglich mehrere Onlineangebote an. "Das ist sehr wichtig, damit die Kinder die Aufgaben technisch und inhaltlich selbstständig lösen können und den Kontakt zu ihren Lehrern und Mitschülern nicht verlieren."

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Matthias Dietze ist CDU-Bildungsexperte, arbeitet selbst als Lehrer und begrüßt die häusliche Lernzeit. "Nach den Belastungen der letzten zwei Wochen durch die doppelte Beschulung - digital die eine Hälfte und mit Präsenz die andere - ist der Lockdown eine erhebliche Erleichterung." Es sei daher die richtige Entscheidung gewesen, vor den Weihnachtsferien Ruhe in den Schulbetrieb zu bringen und Zeit für die Umstellung auf die digitale Beschulung zu schaffen.

Dennoch sieht er die Situation auch kritisch. "Sorge bereitet mir erneut die hohe Arbeitsbelastung der Schüler. Mein Appell ist, einheitliche Normen für die Erteilung der Lernaufgaben zu schaffen". Seine Vorschläge: Es müsse für jeden Schüler einen Wochenplan geben, nach dem er sich bei der Aufgabenerledigung richten kann, bis zur 10. Klasse sollten nicht mehr als drei Doppelstunden geplant werden und Lehrer die Arbeitszeit für eine Doppelstunde mit maximal 60 Minuten berechnen.

Die restliche Zeit benötige der Schüler, um seine Aufgaben zu sichten, auszudrucken und einzuordnen. "Schütten wir weiter unsere Schüler ungebremst zu, wird das Resultat nicht bessere Lernleistung, sondern Resignation, Frustration und Demotivation sein", betont Dietze.

Wie läuft die Notbetreuung und müssen Eltern weiter die Gebühren bezahlen?

Die Notbetreuung wird lediglich an den Grund- und Förderschulen angeboten und dort auch nur für Kinder, deren Eltern etwa im Krankenhaus, Supermarkt oder bei der Feuerwehr arbeiten. Dennoch gibt es in dieser Sache offenbar Unsicherheiten unter den Dresdner Eltern. "Obwohl es eine klare Regelung zu den systemrelevanten Berufen gibt, gab es gestern und heute bei uns im Landesamt für Schule und Bildung mehrere Anrufe von Eltern, die sich dazu persönlich informieren wollten", so Sprecherin Petra Nikolov. Auch gab es von Eltern Anrufe, deren Kinder in der 5. oder 6. Klassenstufe lernen, für die aber keine Notbetreuung vorgesehen ist.

Aktuell werden in Dresden 1.159 Kinder an den Schulen betreut, so Nikolov. Weiterhin unklar ist, ob die Eltern, die ihre Kinder nicht in die Notbetreuung schicken dürfen, Gebühren zahlen müssen oder ob die Beiträge, wie im Frühjahr, ausgesetzt werden. Laut Susanne Meerheim, Sprecherin im Sächsischen Kultusministerium, laufen dazu gerade Gespräche mit den Kommunen und dem Freistaat.

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