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"Die große Insolvenz-Welle ist ausgeblieben"

Die Pandemie hat der Dresdner Wirtschaft zu schaffen gemacht. Aber nicht so stark wie befürchtet. Trotz Corona gab es mehrere große Neuansiedlungen.

Das Dresdner Bosch-Werk ging sechs Monate früher als geplant in Betrieb - weitere Ansiedlungen sollen folgen.
Das Dresdner Bosch-Werk ging sechs Monate früher als geplant in Betrieb - weitere Ansiedlungen sollen folgen. © Matthias Rietschel

Dresden. Die Auswirkungen der Lockdowns hat auch Dresden zu spüren bekommen. Nach den Boom-Jahren gab es Einschnitte - weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, mehr Arbeitslose und weniger Gewerbesteuereinnahmen.

Doch die Dresdner Wirtschaft sei "robust", so Dresdens Chef der Wirtschaftsförderung Robert Franke. Viele Neuansiedlungen und Erweiterungen sorgen für Investitionen und neue Arbeitsplätze - Dresden hat zudem noch große Pläne.

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Wie haben sich Steuern und Arbeitsmarkt entwickelt?

Dresden hatte in der Vergangenheit kontinuierlich steigende Einnahmen bei den Gewerbesteuern. 2017 war der bisherige Höhepunkt mit 348 Millionen Euro erreicht. 2018 und 2019 hatten sich diese Einnahmen bei rund 300 Millionen Euro pro Jahr eingepegelt.

In der Corona-Pandemie sind die Einnahmen auf 260 Millionen Euro im Jahr 2020 abgesackt. Für dieses Jahr gibt es bisher nur die Zahlen für das erste Quartal. Diese liegen mit 94 Millionen Euro rund drei Millionen Euro über denen vom ersten Quartal 2020. "Ich bin sicher, wir werden in diesem Jahr über den 260 Millionen Euro liegen", so Franke zuversichtlich.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf dem Dresdner Arbeitsmarkt. 2019 wurde der Höchststand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 274.000 verzeichnet. 2020 und 2021 liegt diese Zahl mit rund 271.000 etwas niedriger. Die Arbeitslosenquote hatte 2019 mit 5,3 Prozent ihren niedrigsten Stand erreicht, ist im ersten Corona-Jahr auf 6,8 Prozent angestiegen und liegt derzeit bei 5,8 Prozent.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Franke spricht von einem "geteilten Bild". Einzelhandel, Gastgewerbe und Veranstaltungsbranche sind von der Pandemie besonders betroffen. Bis diese sich erholen, könne es noch eine Weile dauern. Und nicht alle haben es geschafft: Im Jahr 2020 gab es 56 Insolvenzen in Dresden und in diesem Jahr sind es bisher 44.

Demgegenüber steht die Hochtechnologie. Firmen, die sich mit Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit beschäftigen, seien von Corona sogar "beflügelt". Franke fasst es so zusammen: "Die große Insolvenz-Welle ist glücklicherweise ausgeblieben, stattdessen gibt es Investitionen trotz Corona."

Wie genau hilft die Wirtschaftsförderung?

Franke hat in der Pandemie eine Krisenberatung eingeführt, die Mitarbeiter der Hotline seien wochentags von 8 bis 18 Uhr im Dauereinsatz. Auch die Webseite wurde in den Lockdowns mit Unterstützungsangeboten von Stadt, Land und Bund täglich aktualisiert. Außerdem gab es im ersten Lockdown die Soforthilfe für Kleinstunternehmen, die Stadt hat für die Öffnungen danach die digitale Kontaktnachverfolgung, Testungen und Impfungen in Unternehmen und in den Stadtteilen ermöglicht.

Große Unternehmen wurden mit der Kultur- und Kreativwirtschaft zusammengebracht und diese Kooperation wird von der Stadt gefördert. Bis zu 5.000 Euro stehen dafür bereit. In zehn Tagen soll eine Jury entscheiden, welche Projekte gefördert werden. Zudem nutzt die Kreativwirtschaft leerstehende Ladengeschäfte in der Innenstadt, um diese zu beleben und ihre Produkte und Angebote zu vermarkten.

Die Stadt hat parallel die Kampagne "maximal lokal" gestartet, um Wochenmärkte und die Geschäfte in Dresden zu stärken. Dazu wurden Veranstaltungen wie der Schaubudensommer und der Herbstmarkt so angepasst, dass diese pandemiegerecht stattfinden konnten und von der Stadt unterstützt. Denn immerhin gab es eineinhalb Jahre keine Märkte außer der Wochenmärkte.

Wie viele Ansiedlungen gibt es trotz Corona?

Ob Jenoptik, das Entwicklungszentrum von Amazon, das Zeiss Innovation Hub, Vodafone und natürlich das riesige Bosch-Werk - auch in der Corona-Zeit gab es große Ansiedlungen, Erweiterungen von bestehenden Unternehmen, Start-ups und neue Kooperationen. Bosch hat sogar ein halbes Jahr früher mit der Produktion begonnen, als geplant. Daran habe auch die Wirtschaftsförderung Dresdens ihren Anteil, so Franke. "Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, gemeinsam mit der SachsenEnergie." Zudem hat Frankes Team die Firmen bei der Standortsuche, den Genehmigungen und vielem mehr geholfen, in einigen Fällen gab es auch Innovationsförderungen.

Insgesamt wurden für 114 Unternehmen Angebote erstellt. Davon sind 39 Unternehmen in der Ansiedlung betreut worden und 75 Bestandsunternehmen, bei denen es meist um Erweiterungen ging. Etwa bei Tracetronic, worauf Franke besonders stolz ist. "2004 haben sie mit zwei Leuten angefangen, jetzt sind es mehr als 300 Mitarbeiter." Und es gibt eine Kooperation mit VW. Laut Franke gibt es viele solcher Beispiele, die zeigen, wie attraktiv der Standort Dresden ist. So sind mehrere Tausend neue Jobs alleine in Zukunftsmärkten in Dresden entstanden oder entstehen noch.

Wie stehen Dresdens Zukunfts-Chancen?

Die Wirtschaft in der Stadt sei sehr gut aufgestellt, sagt Franke. Er wolle nicht nur große Ansiedlungen mit ermöglichen, sondern auch die "kleinen zarten Pflänzchen" wie die Firma Indie, ein kleiner Halbleiter-Spezialist. Deshalb gehe es darum, ein Komplettpaket für alle Bedürfnisse bieten zu können.

Dafür müssen weitere Gewerbeflächen, sehr spezielle Ansiedlungsmöglichkeiten geschaffen und die Versorgung mit Strom und Wasser gewährleistet werden. Die Stadt arbeite an Gründerzentren, will bis 2024 rund 25.000 Quadratmeter mehr Platz schaffen. "So viele Ansiedlungen habe ich in meiner bisherigen Zeit in Dresden noch nicht erlebt wie derzeit", sagt Franke.

Dresden wolle und könne sich als führender Hochtechnologie-Standort behaupten. "Die Wirtschaftskraft in Dresden ist auf einem neuen Niveau." Nun hoffe er auf eine zügige Regierungsbildung im Bund, diese sei wichtig für Kontinuität. Dann könne es auch mit einem ganz großen Wurf wie der Ansiedlung des Chip-Riesen Intel klappen. Das würde eine Investition von mindestens fünf Milliarden Euro bedeuten und etliche neue Arbeitsplätze. "Zu laufenden Investitionen kann ich natürlich nichts sagen", so Franke. "Aber die Sichtbarkeit und Attraktivität Dresdens ist gegeben und ich sehe die Möglichkeit für eine sehr große Investition im Raum Dresden." Das hänge aber nicht nur von der Stadt, sondern auch vom Freistaat, dem Bund und der EU ab.

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