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Dresden plant Corona-Modellprojekt

Es geht um Lockerungen und offene Restaurants im Zentrum der Stadt. Wie es ablaufen soll, wer dahinter steckt und welche Einrichtungen dabei sind.

Ein Modellversuch soll Öffnungen in Dresdens Zentrum ermöglichen - die konkreten Pläne.
Ein Modellversuch soll Öffnungen in Dresdens Zentrum ermöglichen - die konkreten Pläne. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Nach monatelangen Schließzeiten sollen einige Betreiber wieder öffnen dürfen. Es ist als ein Modell-Versuch geplant. Zunächst geht es um ein eingegrenztes Areal im Zentrum der Stadt. Klappt es, die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen nicht drastisch und lassen sich auch nicht darauf zurückführen, soll es ausgedehnt werden.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) betont immer wieder, dass er für die Einführung von Modellprojekten sei, wenn sie keine Infektionstreiber seien. Treibende Kraft des nun geplanten Modells ist Promi-Koch Gerd Kastenmeier.

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„Wir sind Unternehmer, keine Stillhalter“, sagt Kastenmeier. Deshalb habe er mit weiteren Gastronomen den Plan entwickelt. Er ist dazu auch mit der Stadtverwaltung im Gespräch.

Promi-Koch Gerd Kastenmeier mit seinem Sushirestaurant im Taschenbergpalais hat das Modellprojekt mit entwickelt.
Promi-Koch Gerd Kastenmeier mit seinem Sushirestaurant im Taschenbergpalais hat das Modellprojekt mit entwickelt. © Sven Ellger

Wer macht mit?

Konkret geht es zum Start um den Bereich rund um die Dresdner Frauenkirche. Die Restaurants Burgerei, Freiberger Schankhaus, Bodega Madrid, Hans im Glück, Hofbräuhaus, Classico Italiano, Palais Bistro, Tamakuchi, Vapiano und natürlich Kastenmeiers sollen als erste öffnen dürfen.

„Da ist alles dabei, von einfach bis edel“, sagt Kastenmeier. Zudem ist die Herkuleskeule angefragt.

Ab Mai könne es laut Kastenmeier losgehen. Allerdings nur, wenn es die Infektionszahlen, die Zahl der belegten Betten auf den Normalstationen in den Krankenhäusern oder was immer dann laut aktueller Coronaschutzverordnung gilt, es zulassen.

„Es ist erst dann sinnvoll, wenn wir voraussichtlich auch mindestens zwei Wochen am Stück öffnen können“, erklärt der Koch. Dann solle eine Art Probelauf starten.

Wie funktioniert der Schutz?

Das Hygienekonzept basiert auf Tests der Firma „ be safe“, die auch im Elbepark und im Kurländer Palais testet. In letzterem war früher Kastenmeiers Restaurant. An seinem jetzigen Standort, dem Taschenbergpalais, solle ein weiteres Testcenter entstehen.

Die Vorteile dieses Systems seien, dass die Tests sehr schnell anzeigen, ob eine Infektion vorliegt. Man braucht zudem keine separate App, denn es handelt sich um eine sogenannte Web-App, die im Browser von Smartphones funktioniert. Man muss also nichts runterladen und Besucher können sich darüber ein- und ausloggen. So ist es jederzeit nachzuverfolgen, wer tatsächlich in welchem Restaurant oder in welcher Kultureinrichtung war. Auch, wie lange die Personen sich dort aufgehalten haben, ist nachvollziehbar, da sich jeder beim Verlassen ausloggen muss.

„Zusätzlich verpflichten sich alle Unternehmen, die mitmachen, dazu, dass jeder Mitarbeiter täglich getestet wird“, erläutert Kastenmeier. Es kommen auch nur negativ getestete Kunden, die eine Buchung vorlegen können, in die Restaurants. Durch die Tests sei ziemlich sicher, dass die jeweilige Person für 24 Stunden nicht ansteckend ist. Passanten, die beispielsweise eben mal auf die Toilette müssten, würden nicht durchgelassen.

Kastenmeier versichert, dass es auch kein Datenschutzproblem mit diesem System gäbe, wie etwa bei einigen Apps.

„Es gibt in Sachsen ja die Möglichkeit, sich täglich testen zu lassen“, sagt Kastenmeier. Wenn es einen Anreiz wie einen Restaurantbesuch gäbe, sei die Bereitschaft dazu auch höher. Seine Stammkunden würden ständig nachfragen, wann es wieder losgehe. „Wir könnten sofort öffnen und wären ausgebucht.“

Können noch andere öffnen?

Der Plan geht aber noch weiter. Die zehn Restaurants und die Herkuleskeule seien der erste Schritt. In einer zweiten Stufe sollen später die Semperoper und das Schauspielhaus dazukommen, um auch große Kultureinrichtungen zu öffnen.

Auch den Hotelbetrieb wieder aufzunehmen, sei später denkbar. „Wenn es funktioniert, kann das System in ganz Dresden angewendet werden“, sagt der Koch und Unternehmer. Das Projekt soll von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich begleitet und damit permanent überwacht werden. Nur wenn es sicher bleibe, werde es fortgesetzt.

Was sagt die Stadt dazu?

Auch Dresdens Chef der Wirtschaftsförderung im Rathaus, Robert Franke, kennt die Pläne. Er hält das System für „möglich und sicher“. „Leider gibt es aktuell aufgrund der Zahlen keine kurzfristige Möglichkeit, solche Modellprojekte zu beginnen“, so Franke.

Er rechne noch nicht mit einem Start in naher Zukunft. „Aber wir wollen damit an den Start gehen, sobald es möglich ist“, macht Franke Mut. Wichtig sei die wissenschaftliche Begleitung. „Es gibt eine harte Abbruchklausel“, stellt Franke klar, weil im Zweifel die Reißleine gezogen werden müsse. Denn die Stadt muss das Projekt zulassen und zuvor mit dem Land abstimmen.

Robert Franke, Dresdens Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, ist in die Vorbereitungen eingebunden.
Robert Franke, Dresdens Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, ist in die Vorbereitungen eingebunden. © Christian Juppe

Es sei wichtig, dass Gastronomie, Kultur und auch Handel öffnen können, wenn es irgendwie möglich ist, sagt Franke. Da seien solche Modellprojekte gut. „Unter klaren Prämissen.“ Auch der „kleine Rahmen“ passe.

Deshalb sei es vielleicht auch gut, dass bis zum möglichen Start noch gewartet werden muss. „Wir nutzen jetzt die Zeit für die Vorbereitungen“, so Franke. Er sei in engen Abstimmungen mit Kastenmeier und den anderen Interessenten an dem Projekt.

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