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Dresdner E-Sport-Bar kämpft ums Überleben

Mit der ersten Gaming-Bar Sachsens haben zwei Brüder sich und vielen Dresdnern einen Traum erfüllt. Eine besondere Aktion soll sie nun retten.

Gamingbar-Mitbetreiber Alexander Schramm: Aus dem Spiel wurde schnell Ernst für das Start-up.
Gamingbar-Mitbetreiber Alexander Schramm: Aus dem Spiel wurde schnell Ernst für das Start-up. © Sven Ellger

Dresden. Manchmal können drei Sätze alle Hoffnungen zerstören. Als David Schramm am Abend des 1. Dezember 2020 sein E-Mail-Postfach öffnet, erblickt er eine neue Nachricht.

Sie kommt von seinem Steuerberater. "Sehr geehrter Herr Schramm, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Sie zwar einen Anspruch auf Novemberhilfe haben", heißt es dort. Doch ziehe man das Kurzarbeitergeld ab, blieben davon genau 36 Euro und 59 Cent übrig. Das decke nicht die Kosten des Steuerberaters ab. "Somit ist der Antrag unwirtschaftlich."

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Gaming ist längst mehr als eine Freizeitbeschäftigung

David Schramm hat viel gewagt. Der 30-Jährige, der lange als Lagerarbeiter bei Infineon beschäftigt war, ist professioneller E-Sportler. Den größten Teil seiner Freizeit und mittlerweile auch seiner Arbeit verbringt er damit, sich mit anderen talentierten Konsolen- und Computerspielern in Teams zu messen.

Längst haben sich Videospiele, im Fachjargon Gaming, aus dem Klischee abgedunkelter und schlecht belüfteter Zimmer befreit. "Zocken", das gehört für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Am PC, an der Konsole, am Smartphone.

"41 Prozent der Gesellschaft sind regelmäßige Videospieler", sagt Schramm, der im Dresdner Zocker-Verein "404 Multigaming e.V." im Vorstand sitzt. Der Verein, der 2018 gegründet wurde, hat 185 Mitglieder, die sich regelmäßig zu Stammtischen treffen, an Online-Turnieren teilnehmen und den E-Sport voranzutreiben.

Gaming ist auch in Deutschland mehr als eine Freizeitbeschäftigung geworden - ein signifikanter Wirtschaftsfaktor, eine Sparte mit professionellen Strukturen, Sponsoren und hoher Reichweite im Internet.

Viele Besucher im Spätsommer

David Schramm möchte seinen Teil dazu beitragen, dass die Branche in Dresden und in Sachsen wächst - und das Hobby zum Beruf machen. 2019 entschließt er sich, zu gründen. Eine Bar soll den Anfang machen - ein Ort, an dem sich professionelle E-Sportler, aber auch Dresdner, die vor dem Clubbesuch etwas trinken und spielen möchten, treffen können.

In der Bautzner Straße 53, in den Räumen des ehemaligen indischen Restaurants "Ohm", finden er und sein Bruder Alexander den passenden Ort. Als der erste Corona-Lockdown beginnt, stehen sie wenige Tage vor der Eröffnung.

Ein herber Rückschlag. Doch im Sommer, als sich die Infektionslage bessert, scheint es, als ob Schramms Traum doch noch in Erfüllung geht. Am 8. August öffnet der 30-Jährige das "Level 44" - und stößt damit bei vielen Dresdnern auf große Resonanz.

"Es war toll", sagt Schramm. "Wir waren richtig gut besucht." Acht Computer, neue und alte Konsolen, eine riesige Spieleauswahl - das kommt gut an und ist bisher einzigartig in Sachsen.

Start-up vor dem Corona-Tod: "Ein letztes Aufbäumen"

"Aber im Oktober hat sich dann angedeutet, dass es wieder bergab geht", erzählt Schramm. Die Umsätze sinken, dann muss das Level 44 nach nur drei Monaten wieder dicht machen.

Für das fünfköpfige Team der Bar, das in Vollzeit für das Projekt arbeitet, ist das eine Katastrophe. "Als Start-up kann niemand verlangen, dass du in der ersten Zeit auf einen grünen Zweig kommst", sagt Schramm. Das aber wäre nötig, um die wichtigen staatlichen Überbrückungshilfen in der Corona-Zeit zu erhalten.

Zwar konnte der Gaming-Verein bereits namhafte Sponsoren wie die Barmer Krankenkasse und die Ostsächsische Sparkasse für sich gewinnen und auch der Leiter der Dresdner Geschäftsstelle von Silicon Saxony Frank Bösenberg sitzt mittlerweile im Team.

Doch für die Erhaltung der Bar reicht das bei Weitem nicht. Deshalb wollen Schramm und der Verein nun alle Register ziehen. Eine Kampagne mit dem Namen "Stay Alive" soll das Projekt retten.

"Es ist quasi ein letzter Versuch, ein letztes Aufbäumen", sagt Schramm. Der Plan: Auf der Plattform Twitch werden zahlreiche bekannte E-Sportler aus dem Netzwerk des Vereins am 29. Januar 44 Stunden lang online spielen, über die Situation sprechen und die Zuschauer unterhalten.

Gleichzeitig läuft bereits ab diesem Wochenende eine Spendenkampagne, die zum Ziel hat, insgesamt 44.000 Euro einzuspielen - und damit auch anderen in Not geratenen Dresdner Unternehmen zu helfen.

Dabei geht es Schramm um mehr als Gaming. "Wir wollen die Digitalisierung in Sachsen vorantreiben, Elternberatungen durchführen, soziale Projekte unterstützen", sagt er.

Dass sich der E-Sport in Deutschland letztlich durchsetzen wird, ist aus seiner Sicht längst klar. Die Frage bleibe nur, welche Rolle Dresden und Sachsen dabei spielen. Und das hänge maßgeblich vom Level 44 ab.

Hier können Sie die Bar und ihre Crowdfunding-Kampagne unterstützen. Der 44-Stunden-Stream startet am 29. Januar um 16 Uhr auf dieser Website. Alle weiteren Infos zum Level 44 finden sich auf der Homepage der Bar.

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