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Corona: Dresdner Forscher entwickeln neuen Impfstoff

Ein Nasenspray soll künftig die Spritze ersetzen. Diese neue Impfung würde zudem besser gegen die vorhandenen wie künftigen Mutationen des Virus wirken.

Jacques Rohayem, Dresdner Wissenschaflert, Mediziner und Geschäftsführer. Sein Unternehmen entwickelt einen Stoff gegen Coronaviren.
Jacques Rohayem, Dresdner Wissenschaflert, Mediziner und Geschäftsführer. Sein Unternehmen entwickelt einen Stoff gegen Coronaviren. © Riboxx

Dresden. An einer neuartigen und wirksameren Corona-Impfung wird derzeit gearbeitet. Die entscheidenden Voraussetzungen dafür wurden in Dresden entwickelt. Nach zwölf Jahren Forschung steht jetzt dieses neuartige, genbasiertes RNA-Impfverfahren vor der klinischen Erprobung. Das kündigte Riboxx-Geschäftsführer Jacques Rohayem jetzt im Interview mit der Sächsischen Zeitung an.

„Wir haben einen entwickelten und bereits erfolgreich experimentell getesteten Corona-Impfstoff.“ Er funktioniere über einen Nasenspray statt einer Spritze, was die Immunantwort des Körpers verstärke. Dieser Corona-Impfstoff würde zudem gegen jetzige wie absehbar künftige Mutationen wirken.

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Der wichtigste Bestandteil für diese gentechnisch basierte Impfung ist ein weltweit neuer Wirkverstärker. Der Dresdner Medizinprofessor und Virologe Rohayem hatte seine ersten Patente dazu an der TU Dresden gemacht. 2009 gründete er damit dann Riboxx Pharmaceuticals und entwickelte diesen RNA-Wirkverstärker. Weit über zehn Millionen Euro hat dies bisher gekostet.

Nun aber sind ganz andere Beträge für die klinische Erprobung nötig. „Die präklinische Phase für diesen Corona-Impfstoff ist abgeschlossen. Wir könnten damit sofort in die Klinik gehen.“ Gemeinsam mit einer Konstanzer Firma und einem internationalen Pharmaunternehmen sei das vorgesehen. Die für diese klinischen Studien nötigen Gelder sollen jetzt in den USA und Deutschland eingeworben werden, sagt Rohayem.

Eine einzige Grippeimpfung, die über Jahre wirkt

Phase 1 der Klinischen Studie könnte dann in Dresden im Prinzip sofort stattfinden, innerhalb der Tudag-Holding, der TU Dresden AG für Start-ups und Technologietransfer. Dort ist Rohayem einer der Vorstände. An seiner Firma Riboxx ist die Tudag von Anfang an beteiligt. „Wir brauchen ein Jahr bis zur Zulassung, davon gehen wir jetzt aus.“ – Wenn alles gut geht.

Nach jetzigem Wissensstand wären zwei Behandlungen nötig, die Wiederholungsimpfung geschieht nach zwei Wochen. „Wir schauen gerade, ob die Impfung vielleicht auch nur einmalig reicht. Die Experimente dafür laufen.“
Zwei große Vorteile hätte dieser neue Impfstoff gegenüber herkömmlichen, erklärt der Wissenschaftler. Die Impflösung mit dem neuartigen Wirkverstärker wäre bei vier Grad über Monate haltbar. Aufwendige Kühlketten würden damit entfallen.

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Entscheidender sei aber noch, dass Mutationen des Virus den Impfschutz nicht so leicht einschränkten. Nicht am Spike-Protein an der Virusoberfläche wirkt die Impfung, sondern das Immunsystem wird auf kurzen Genabschnitte aus dem stabilen Inneren des Virus trainiert, sagt Rohayem. Normalerweise wäre eine Impfwirkung so nicht erreichbar. Möglich mache das erst der neuartige Wirkverstärker aus Dresden.

Weitere Anwendungen sind vorgesehen. So arbeitet ein Forschungsverbund an neuen Grippeimpfungen, die gegen alle Influenza-Viren wirken, auch gegen künftige der kommenden Jahre. Vergangene Woche hat das Bundesforschungsministerium für die Vorbereitung einer klinischen Studie 1,18 Millionen Euro bewilligt.

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