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Dresdner Kitas kürzen Öffnungszeiten

Dass Erzieher in Quarantäne müssen, macht sich in den Kitas bemerkbar. Ihr Ausfall kann schwer kompensiert werden. Das hat auch Folgen für die Eltern.

Kita-Erzieher arbeiten besonders eng mit den Kindern zusammen, Abstand halten ist kaum möglich.
Kita-Erzieher arbeiten besonders eng mit den Kindern zusammen, Abstand halten ist kaum möglich. © Symbolfoto: Danny Gohlke/dpa

Dresden. Die Dresdner Kitas sind weiterhin geöffnet, Erzieher und Kinder müssen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, aber in diesen Einrichtungen wird viel unternommen, damit sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Und doch gibt es auch hier Corona-Fälle - was wiederum Folgen für alle Kinder und Erzieher hat. Ein Blick auf die städtische Überblickskarte zeigt, in welchen Kitas es derzeit Quarantäne-Fälle gibt.

Wie viele Erzieher sind in den Dresdner Kitas betroffen?

Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) zieht aus den vergangenen Monaten Bilanz. "Seit dem Ausbrechen der Corona-Pandemie waren 148 Erzieherinnen und Erzieher des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen von einer durch das Gesundheitsamt angeordneten häuslichen Quarantäne betroffen", berichtet er. Und diese Zahl dürfte weiter steigen. Mit Stand vom Freitag müssen derzeit fast 800 Personen in 34 Kitas zu Hause bleiben.

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Die Zahlen der Stadt unterscheiden zwar nicht in Kinder und Erzieher, doch es ist anzunehmen, dass sich etliche Pädagogen unter ihnen befinden. Insbesondere in Kitas ist es fast unmöglich und im Sinne der Kinderarbeit auch nicht wünschenswert, ausreichend Abstand von den Kleinen zu halten.

Die Johanniter, die drei Kitas in Dresden betreiben, sind derzeit nicht betroffen. "In unseren Dresdner Kitas sind derzeit keine Infektionen gemeldet", teilt Sprecher Danilo Schulz mit. "Wir sind froh, dass wir einen halbwegs normalen Kitabetrieb gewährleisten können." Deshalb würden alle Erzieher streng auf die Einhaltung der vorgegebenen Empfehlungen für Kita-Einrichtungen achten. Die Johanniter selbst haben deutschlandweit Hygienepläne als Vorlage zur Verfügung gestellt, an denen sich auch die eigenen Kitas mit ihren Konzepten orientieren.

Welche Auswirkungen hat das auf den Kita-Betrieb?

Donhauser bestätigt, dass sich oftmals Erzieher mit einzelnen Kindern oder ganzen Gruppen in Quarantäne begeben. Das Personal fehlt dann in der Einrichtung. "Die Betreuung der restlichen Kinder wird von den verbleibenden Erzieherinnen und Erziehern übernommen." Im Einzelfall könne es zur Verkürzung der Öffnungszeiten kommen, wenn eine Kinderbetreuung nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel nicht mehr möglich sein sollte.

Die Johanniter sind zwar derzeit nicht betroffen, dennoch stellt Schulz klar: "Sollte es zu Ausfällen kommen, können wir diese nicht kompensieren." Was wiederum auch an den strengen Hygienekonzepten liegt. "Ein Austausch von Personal unter unseren Kitas ist nicht möglich beziehungsweise vorgesehen." Dennoch werde daran gearbeitet, einen reibungslosen Alltag in der Kita gewährleisten zu können. "Im schlimmsten Fall müssten die Öffnungszeiten angepasst werden."

Wo werden Öffnungszeiten schon verkürzt?

Das Rote Kreuz muss die Öffnungszeiten bereits einschränken, weil Mitarbeiter in Quarantäne oder krank sind. "In der DRK-Kita 'Haus der kleinen Entdecker' wird es ab Montag sehr wahrscheinlich zu einer Reduzierung der Öffnungszeit kommen – von 6 Uhr bis 18 Uhr reduzieren wir auf 6.30 Uhr bis 16.30 Uhr", so Sprecherin Ulrike Peter.

Die drei anderen Kitas haben grundsätzlich kürzere Öffnungszeiten und können aktuell den personellen Ausfall mit Mehrstunden kompensieren. "Teilweise unterstützen uns die Eltern, indem sie ihre Kinder anderweitig betreuen können oder als Mittagskind oder gleich nach dem Vesper eher abholen", so Peter.

Auch die Arbeiterwohlfahrt muss den Betrieb einschränken. "Wir haben in den vier Dresdner AWO-Kitas aktuell in einer Einrichtung einen positiven Test in der Mitarbeiterschaft", so Sprecher Andreas Szabo. Die Einrichtungen werden – ähnlich wie im Frühjahr – ab Montag wieder auf eingeschränkten Regelbetrieb und feste Gruppen umstellen. Die Eltern bringen ihre Kinder also nur bis zum Eingangsbereich, das Gebäude darf nicht betreten werden. Die Öffnungszeiten wurden angepasst, also morgens später auf und nachmittags eher zu, so Szabo.

Ist es möglich, Erzieher aus dem Ruhestand zu holen?

An Dresdner Schulen werden derzeit mitunter Lehrer, die bereits im Ruhestand sind, zurück in den Unterricht geholt, um das Personalproblem etwas abzufangen. Für die städtischen Kitas schließt Donhauser das allerdings aus. "Erzieherinnen und Erzieher im Ruhestand zählen aufgrund ihre Alters zur Risikogruppe und werden daher nicht als Aushilfen im aktuellen Pandemiegeschehen eingesetzt."

Was verschärft das Problem weiter?

Wie an den Schulen gilt auch in den Kitas: Wer schwanger ist, darf nicht mehr mit den Kindern arbeiten. Allein dadurch fallen derzeit viele Pädagogen aus. "Aktuell wurde im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen für 123 schwangere Erzieherinnen ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen", so Donhauser.

Da der Erzieherberuf noch immer eine weibliche Domäne ist, sind davon auch nahezu alle anderen Kitas betroffen. "Erzieherinnen sind sofort im Beschäftigungsverbot, wenn sie die Schwangerschaft anzeigen. Dann wir müssen dies in der Personalplanung mit berücksichtigen und schnell Ersatz finden", sagt Schulz von den Johannitern.

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