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Er liefert Dresdens Geschenke zu Weihnachten

Vor einem Jahr gründete der Syrer Khaled Al-Abbas einen Paketdienst mit zwei Mietautos in Dresden. Nun sind er und seine 100 Mitarbeiter gefragt wie nie.

Khaled Al-Abbas hat in den vergangenen Monaten einen Paketdienst in Dresden aufgebaut, der nun immer weiter wächst.
Khaled Al-Abbas hat in den vergangenen Monaten einen Paketdienst in Dresden aufgebaut, der nun immer weiter wächst. ©  Rene Meinig

Dresden. Er hat einfach aufs richtige Pferd gesetzt. So lässt sich die Karriere von Khaled Al-Abbas wohl am besten beschreiben. Als er 2019 einen kleinen Paketdienst gründete, ging es eher um ein zweites Standbein, der jetzige Online-Boom war damals noch nicht absehbar. Der Syrer mietete zwei Kleintransporter und übernahm als Vertragspartner für den großen Paketdienst Hermes kurz darauf die ersten Touren in Dresden.

Im Dezember 2019 waren dann schon zehn Fahrzeuge von Al-Abbas unterwegs, heute sind es 60. In Corona-Zeiten wächst der Online-Handel noch einmal an - und damit auch das Geschäft derjenigen, die die Pakete schließlich an die Kunden bringen.

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Eigentlich verkauft Khaled Al-Abbas, der seit 2012 in Deutschland lebt und heute 30 Jahre alt ist, orientalische Lebensmittel. Vor fast drei Jahren eröffnete er sein Geschäft "Jasmina" an der Ringstraße in der Dresdner Altstadt. Doch es gab Ärger mit dem Vermieter, der ihm den Mietvertrag nicht verlängern wollte.

Es ging um Müll und Mietrückstände - beides hat sich mittlerweile geklärt. Auch mithilfe der Stadt, denn der Müll stammte gar nicht vom Lebensmittelladen, sondern von zwei Restaurants an der Wilsdruffer Straße. Dennoch ist Al-Abbas mit seinem "Jasmina" nun umgezogen.

Khaled Al-Abbas ist mit seinem Geschäft "Jasmina" von der Ring- in die Gewandhausstraße gezogen. Im ehemaligen Pub verkauft er orientalische Lebensmittel und betreibt ein kleines Bistro, in dem es typisch Arabisches wie Schawarma und traditionelles syrisc
Khaled Al-Abbas ist mit seinem Geschäft "Jasmina" von der Ring- in die Gewandhausstraße gezogen. Im ehemaligen Pub verkauft er orientalische Lebensmittel und betreibt ein kleines Bistro, in dem es typisch Arabisches wie Schawarma und traditionelles syrisc © Marion Doering

Gleich um die Ecke, in einem ehemaligen Pub in der Gewandhausstraße, hat Al-Abbas am vergangenen Freitag den großen Eckladen zum ersten Mal geöffnet. Trotz Lockdown kommen jede Menge Kunden, die bei ihm frisches Lammfleisch, Kichererbsenpüree oder Couscous kaufen.

"Etwa 30 Prozent unserer Kunden sind Deutsche, alle anderen kommen vor allem aus dem arabischen Raum, aber auch aus Russland", erzählt Al-Abbas. Ähnlich bunt gemischt sind seine Mitarbeiter im Paketdienst, darunter auch Polen und Tschechen.

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Um neue Paketfahrer einzustellen nutzt Khaled Al-Abbas viele Kontakte, die er in den vergangenen acht Jahren in Dresden geknüpft hat. Im Juni 2012 kam der 27-Jährige aus Ost-Syrien nach Deutschland. In seiner Heimat hatte er Pharmazie studiert, berichtete aber auch über den Krieg und die Gräueltaten gegen die Menschen dort. Das sei nicht gut angekommen, sagt Al-Abbas, der es nach eigener Aussage mit dem Geheimdienst zu tun bekommen hatte. Also floh er.

In Deutschland wollte er sein Studium fortsetzen, was sich als kompliziert herausstellte. Zwei Jahre lang lernte er die deutsche Sprache, dann begann er eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei der Telekom. Dort arbeitete Al-Abbas später fest angestellt in der Systemintegration.

Mit dem eigenen Lebensmittelladen erfüllte sich der junge Mann schließlich einen Traum - und auch der Paketdienst stellt sich nun als gute unternehmerische Entscheidung heraus.

5.600 Pakete an einem Tag in Dresden

Als er im vergangenen Jahr erfuhr, dass der Mietvertrag für sein Geschäft nicht verlängert wird und er nicht wusste, wie schnell er einen neuen Standort dafür findet, hatte Al-Abbas die zündende Idee. Anfang 2020 beschäftigte er bereits 41 Mitarbeiter, die mit 35 Autos auch über die Dresdner Grenzen hinaus unterwegs waren. Heute liefern 100 Mitarbeiter täglich Tausende Pakete im Gebiet zwischen der Landeshauptstadt und Görlitz aus. Das Geschäft boomt - auch aufgrund der Corona-Krise.

Allein an diesem Mittwoch müssen seine Mitarbeiter in Dresden 5.600 Pakete verteilen, in Görlitz sind es weitere 2.900. Die meisten Lieferungen sind von mittwochs bis samstags zu erledigen, sagt der Paketdienst-Chef. Das liege zum einen daran, dass am Sonntag Lkw nicht fahren dürfen und die Speditionen keine Pakete nach Dresden bringen. "Außerdem bestellen viele Menschen die Sachen am Wochenende im Internet, die wir dann am Mittwoch ausliefern." Derzeit dürften sich in den Paketen auch viele Weihnachtsgeschenke befinden.

Als im Februar dieses Jahres, kurz vor dem ersten Lockdown, ein anderer Paketdienst, der in Dresden für Hermes arbeitete, wegfiel, ergriff Al-Abbas die Chance. "Wir haben lange überlegt, wie wir die Touren abdecken können und mussten weitere Fahrzeuge besorgen." Von den 60 Kleintransportern gehört ein Teil seiner Firma, sie wurden gebraucht gekauft. Andere Fahrzeuge sind geleast oder finanziert, einige wurden jetzt kurz vor Weihnachten zusätzlich angemietet. Die Investition lohnt sich, sagt Khaled Al-Abbas, dessen Firma und Fuhrpark in einem Gewerbehof in der Fabrikstraße ansässig sind.

Im November hat er dort mit seinem Team und einer Hermes-Torte Einjähriges gefeiert. "Wir sind ein Jahr alt, die Verantwortung ist gewachsen, aber auch die Träume und Sorgen", schreibt Khaled Al-Abbas dazu auf seiner Facebook-Seite. Angesichts geschlossener Geschäfte bis mindestens 10. Januar dürfte sein Team auch in den kommenden Wochen weiterhin gut zu tun haben.

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