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Dresdner "Querdenker": Es reicht!

Eine Versammlung ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Das zeigt, wie die sogenannten Corona-Kritiker agieren und wie das die Polizei überfordert. Ein Kommentar.

Der Dresdner Ableger der "Querdenken"-Bewegung hat am Wochenende gezeigt, wie aggressiv sie ist.
Der Dresdner Ableger der "Querdenken"-Bewegung hat am Wochenende gezeigt, wie aggressiv sie ist. © dpa-Zentralbild

Dresden. Wenn dahinter nicht Methode steckt, was am Samstag in Dresden abgelaufen ist: Eine Versammlung mit deutlich mehr Personen anzumelden als erlaubt und sich dann zu wundern, dass diese verboten wird.

Auf Stadt und Land schimpfen, gegen das Verbot klagen – aber so, dass die letzte Entscheidung am geplanten Tag noch offen ist. Trotzdem dafür zu mobilisieren, damit möglichst viele Menschen unterwegs sind und sich dann als Opfer darzustellen.

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So ähnlich versuchte es der Dresdner Ableger der "Querdenken"-Initiative bereits im Dezember. Weil damals die Rechnung nicht so ganz aufging, die Polizei Anreisende rechtszeitig abfing, kam an diesem Samstag in Dresden eine weitere Aktion dazu. Eine Versammlung mit 100 angemeldeten Teilnehmern, die von der Dresdner Versammlungsbehörde zuzulassen war. Eine Versammlung einer anderen Anmelderin, aber mit nahezu identischem Motto.

Nur dass zu dieser einzigen legalen Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen dann erwartbar viel mehr Teilnehmer kamen als erlaubt. Das war die Grundlage für die Eskalationen.

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Wenn „Querdenken 351“-Anmelder Marcus Fuchs dann noch behauptet, „es hätte friedlich ablaufen können“, wenn seine Versammlung nicht verboten worden wäre, zwölf verletzte Polizisten, etliche Straftaten und Corona-Regel-Brüche als „Quittung“ für Dresden bezeichnet, ist das nicht nur perfide.

Fuchs und seine Heidenauer Handlanger nehmen in Kauf, dass Impftermine platzen, Händlern, die gerade wieder öffnen dürfen, an einem umsatzträchtigen Samstag die Kunden wegbleiben und sich das Virus in Dresden noch stärker verbreitet.

Sicher ist nur ein Teil der "Querdenken"-Teilnehmer gewaltbereit, aber die Mitläufer befeuern diejenigen, die nicht davor zurückschrecken Polizisten zu würgen, zu treten und zu schlagen. Zudem war die Mehrzahl ohne Maske und Abstand unterwegs.

Sie alle tragen ihren Teil dazu bei, dass der Lockdown möglicherweise wieder verschärft werden muss. Das, wogegen sie angeblich aufbegehren. Und Herr Fuchs zeigt sein wahres Gesicht. Es geht ihm nicht um Kinder, die Wirtschaft und was er sonst noch in Reden behauptet. Es geht darum, möglichst viele gegen "die Politiker" aufzubringen, Gewalt wird dafür toleriert. Deshalb gilt das Versammlungs-Motto für sie selbst – es reicht!

Dabei wird auch noch politisch aufzuarbeiten sein, weshalb die Polizei - anders als im Dezember - es nicht geschafft hat, das Versammlungsverbot durchzusetzen. Die Beamten waren schlicht überfordert mit der Dynamik.

Das spricht für keine gute Vorbereitung und Fehler bei der Einschätzung der Lage. Auch wenn es im Dezember aus Sicht der Polizei gut gelaufen ist, wurde verkannt, dass auch "Querdenker" Strategien (weiter)entwickeln. Das ist nicht den 1.800 Polizisten auf der Straße anzulasten, aber im Innenministerium hätte man darauf kommen müssen.

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