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Schulstart in Dresden mit viel Unmut

Tests und Masken, aber kaum Luftfilter: Eltern und Bildungspolitiker werfen den Behörden vor, den Schulanfang nicht besser vorbereitet zu haben.

Dresden Schüler sitzen seit Montag wieder im Klassenzimmer. Mit dem Schulstart ist auch die Testpflicht zurückgekehrt.
Dresden Schüler sitzen seit Montag wieder im Klassenzimmer. Mit dem Schulstart ist auch die Testpflicht zurückgekehrt. © dpa/Christoph Soeder (Symbolfoto)

Dresden. Nach sechs Wochen Sommerferien hat der Unterricht für die Dresdner Schüler am Montag wieder begonnen. Während sich die Kinder darauf gefreut haben, ihre Freunde wiederzusehen, sorgen sich viele Eltern. Ist mein Kind in der Schule sicher vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus? Haben Stadt und Land genug getan, um die Schüler und Lehrer zu schützen? Ein Überblick.

Wie oft wird getestet?

Dresden hat zurzeit eine Inzidenz von 43,5. Das heißt, die Schüler werden in den ersten 14 Tagen des Schuljahres dreimal pro Woche getestet. Geimpfte und Genesene sind von dieser Pflicht befreit.

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Für die Kinder der 103. Grundschule bedeutet das zum Beispiel, dass sie sich am Montag, Mittwoch und Freitag auf eine Ansteckung untersuchen müssen, jeweils in der ersten Schulstunde. Die Erstklässler brauchen dafür die Einwilligung der Eltern. Für alle anderen gilt das Schreiben der Eltern aus dem vergangenen Schuljahr.

Am Romain-Rolland-Gymnasium wird laut Schulleiterbrief von Alfred Hoffmann auch dreimal wöchentlich getestet, für Geimpfte und Genesene ist das, wie an allen anderen Schulen auch, freiwillig. "Spucktests können besorgt und bereitgestellt werden, wenn ein ärztliches Attest dies vorgibt", heißt es in dem Brief an die Eltern. Wird ein Kind positiv getestet, wird es isoliert und muss von den Eltern abgeholt werden. Wie viele Tests am Montag positiv waren, ist noch unklar. Ergebnisse werden in dieser Woche erwartet.

Muss eine Maske getragen werden?

Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 10 besteht in den Schulen bis Mitte September eine Maskenpflicht. Das ist in Dresden der Fall. Nur die Grundschüler sind befreit. Ab der dritten Schulwoche sind Masken nur dann noch zu tragen, wenn die Inzidenz dauerhaft über 35 liegt. Ausnahmen gelten lediglich für Grund- und Förderschüler. In den höheren Klassenstufen seien Masken momentan als zusätzliche Sicherheit noch geboten, teilt das Kultusministerium mit.

"In den ersten beiden Schulwochen gilt Maskenpflicht auf dem Schulgelände, in den Schulgebäuden und im Unterricht aller Klassen- und Jahrgangsstufen. Maskenpausen werden wie im letzten Schuljahr gewährt", informiert Marcello Meschke, Schulleiter vom Bertolt-Brecht-Gymnasium, die Schüler und Lehrer. Eltern dürfen die Schule, zum Beispiel an Elternabenden, nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind.

Nach wie vor gelten darüber hinaus Abstands- und Hygieneregeln. Bei den Kleinen, etwa an der 103. Grundschule, findet in den ersten zwei Schulwochen nur Klassenleiterunterricht statt, um die Klassen zu trennen und somit Infektionen zu vermeiden.

Wie werden Schüler und Lehrer geschützt?

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser hat ein sogenanntes Stressszenario für die Dresdner Schule erarbeitet, dass der SZ vorliegt. Beim Thema Luftfilter-Anlagen ist allerdings nicht viel passiert.

Die Stadt will nur drei bis vier Geräte an mobilen Filtern kaufen, die die Kriterien des Bundesumweltamtes erfüllen, und diese auch nur in einer Grundschule testen. Es soll dabei eine wissenschaftliche Begleitung geben. Weitere 50 mobile Luftfilteranlagen werden danach für die ganze Stadt angeschafft, sollten die Ergebnisse passen.

Eine zweite Säule für den Schutz der Kinder ist das Impfen. Während Lehrer längst ein Impfangebot bekommen haben, ist das für Kinder ab zwölf Jahren noch relativ neu. In den Ferien gab das Kultusministerium bekannt, dass entsprechend der sächsischen Impfstrategie Schülern unmittelbar nach den Sommerferien ermöglicht wird, sich freiwillig im Dresdner Impfzentrum gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Impfungen werden vom Deutschen Roten Kreuz durchgeführt; verwendet werden die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Auch Eltern können sich bei Interesse auf diesem Wege impfen lassen. "Für die Wahrnehmung der Impftermine werden die Schülerinnen und Schüler vom Unterricht freigestellt. Bis zum 8. September erfolgt über eine Lernsax-Umfrage anonym die Ermittlung der Anzahl der interessierten Schülerinnen und Schüler sowie Eltern", so Schulleiter Marcello Meschke. Die Umfrage sei ab sofort freigeschaltet.

Was passiert, wenn die Zahlen wieder steigen?

Bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 ist Präsenzunterricht erlaubt, schreibt Donhauser im Stressszenario. Klettert die Inzidenz darüber, findet in den Sekundarstufen I und II Unterricht in Form von Wechselunterricht statt. Für Abschlussklassen sind Ausnahmen vorgesehen. In den Grund- und Förderschulen soll Unterricht über feste Klassenverbände stattfinden.

Das heißt: Die Schließung der Schulen ist auch bei höheren Inzidenzen nicht vorgesehen. Für den Zutritt zur Schule oder zu Kindertageseinrichtungen müssen sich Schüler in Zukunft zweimal pro Woche testen lassen. Erst bei Unterschreiten der Sieben-Tage-Inzidenz von 10 reduziert sich die Testpflicht auf einmal pro Woche.

Welche Kritik gibt es an diesem Vorgehen?

In den Ferien hat der Dresdner Kreiselternrat eine mangelnde Vorbereitung der Stadt auf den Schulstart kritisiert. Eine Reaktion auf den offenen Brief an den Bildungsbürgermeister sei bisher nicht gekommen, heißt vom Elternrat.

SPD-Bildungsexpertin Dana Frohwieser ist sauer. Sie höre auf die Forderungen und Beschlüsse im Stadtrat zum Thema Luftfilter nur Ablehnung. "Und das, obwohl es mittlerweile sogar umfangreiche Fördermittel hierfür gibt. Und obwohl wissenschaftlich längst erwiesen ist, dass technische Raumluftanlagen die Fensterlüftung sinnvoll ergänzen und für eine Luftqualität sorgen, in der Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte die beste Leistungsfähigkeit zeigen können", ärgert sich die Politikerin. Es sei in dieser Hinsicht ein vergeudetes Jahr, in welchem längst geplant und die Umsetzung hätte vorbereitet werden müssen. "Für alle Schulen, vor allem auch jene, die nicht in absehbarer Zeit vor Sanierungen stehen. Es wäre eine ebenso lohnende Investition in die Bildung unserer Kinder wie die Digitalisierung", sagt Frohwieser.

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"Ich begrüße die klare Informationspolitik des Schulverwaltungsamtes, der wissenschaftliche Versuch mit drei mobilen Luftfiltern kommt allerdings spät, zumal es in anderen Kommunen längst umfangreiche Untersuchungen gab", sagt Grünen-Fraktionschefin Agnes Scharnetzky. Linken-Bildungsexpertin Anne Holowenko moniert: "Ich kann gut verstehen, dass viele angesichts der steigenden Infektionszahlen beunruhigt sind, und der Ruf nach Luftfiltern immer lauter wird. Räume, in denen sich die Fenster nicht zur Stoßlüftung öffnen lassen, hätten längst mit mobilen Luftfiltern ausgestattet werden müssen."

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