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Dresdner Studie untersucht Post-Covid bei Kindern

Kinder und Jugendliche sind nach einer Corona-Infektion deutlich anfälliger für Krankheiten. Das Risiko ist aber geringer als bei Erwachsenen.

Von Steffen Klameth
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Nach einer Corona-Infektionen klagten Kinder und Jugendliche auch Monate später häufiger über Unwohlsein, Müdigkeit und Erschöpfung, über Husten sowie Hals- und Brustschmerzen.
Nach einer Corona-Infektionen klagten Kinder und Jugendliche auch Monate später häufiger über Unwohlsein, Müdigkeit und Erschöpfung, über Husten sowie Hals- und Brustschmerzen. © Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

Kinder und Jugendliche sind auch Monate nach einer Covid-19-Diagnose deutlich anfälliger für eine Vielzahl von Erkrankungen als nichtinfizierte Unter-18-Jährige. Im Gegensatz zu Erwachsenen fällt dieses Risiko allerdings geringer aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Wissenschaftler der TU Dresden gemeinsam mit mehreren gesetzlichen Krankenkassen und dem Robert Koch-Institut erarbeitet haben.

Demnach klagten Kinder und Jugendliche, die während der ersten Pandemiewelle an Covid-19 erkrankt waren, später häufiger über Unwohlsein, Müdigkeit und Erschöpfung, über Husten sowie Hals- und Brustschmerzen. Bei Erwachsenen kam es dagegen öfter zu Geschmacksstörungen, Fieber und Atemwegserkrankungen.

Bei der Auswertung wurden nur Erkrankungen berücksichtigt, die mindestens drei Monate nach der Corona-Infektion auftraten; Fachleute sprechen von Post-Covid. Als Long-Covid-Syndrom werden hingegen gesundheitliche Einschränkungen bezeichnet, die mindestens zwölf Wochen nach der Infektion anhalten.

Tausende Jungen und Mädchen leider unter Spätfolgen

Das Besondere an der Untersuchung ist die große Datenbasis. Die Wissenschaftler konnten mit Unterstützung der Krankenkassen etwa 45 Prozent der deutschen Bevölkerung einbeziehen und auf diese Weise aussagekräftige Vergleiche zu Menschen ziehen, die zuvor nicht an Covid-19 erkrankt waren. Auch eine solch umfangreiche Studie zu Kindern und Jugendlichen mit Post-Covid hat es bisher kaum gegeben. Knapp 12.000 der insgesamt 157.000 berücksichtigten Corona-Patienten waren unter 18 Jahren. Erfasst wurden Fälle von Beginn der Pandemie bis Ende 2020.

Rückschlüsse auf sinnvolle Präventionsmaßnahmen – etwa das Tragen von Masken im Unterricht – lässt die Studie nicht zu. Die Autoren geben auch keine politischen Empfehlungen. Der Verweis auf erhebliche Neuerkrankungsraten nach Covid-19 zeigt aber, dass Post-Covid insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bislang möglicherweise unterschätzt wurde – zumal auch eine milde Infektion nicht vor Folgeerkrankungen schützt. Die Untersuchung soll fortgeführt werden, dann auch mit Blick auf die neuen Virusvarianten.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hatten sich in Deutschland bis Anfang Oktober mehr als 746.000 Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus angesteckt – bei rund 4,2 Millionen Menschen insgesamt. Mindestens 7.463 Mädchen und Jungen unter 18 Jahren litten unter den Spätfolgen. Experten gingen allerdings von einer sehr viel höheren Dunkelziffer aus, berichtete das MDR-Fernsehen in seiner Sendung „Exakt – Die Story“.