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Dresdner Technoclub öffnet dank einer Idee

Das Team des Objekt klein a in Dresden hat das komplette Gebäude digital nachgebaut. Zu Silvester konnten Besucher dort virtuell feiern. So lief die Party.

Felix Buchta hat den Dresdner Technoclub Objekt klein a digital nachbauen lassen. Dort konnte zu Silvester ohne Ansteckungsgefahr gefeiert werden.
Felix Buchta hat den Dresdner Technoclub Objekt klein a digital nachbauen lassen. Dort konnte zu Silvester ohne Ansteckungsgefahr gefeiert werden. © Sven Ellger

Dresden. "Wir befinden uns enttäuschenderweise noch immer in der Gegenwart." Mit diesem Satz begann die Einladung des Dresdner Technoclubs Objekt klein a zu einer ganz besonderen Silvesterfeier.

Denn nicht nur die Stammgäste auf dem alten Industriegelände in der Meschwitzstraße warten seit fast einem Jahr darauf, wieder gemeinsam zu elektronischer Musik zu tanzen. Auch für das Betreiberteam rund um DJ und Veranstalter Felix Buchta war die Zeit der Pandemie bisher schmerzhaft - nicht nur finanziell.

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"Stille ist auch ein Statement an sich"

Doch sie kurbelte auch die Kreativität an: "Wir sahen uns gezwungen mit dem Medium Online zu experimentieren", sagt Buchta. Im ersten Lockdown spielten in seinem Club regelmäßig DJs ohne Publikum, die Auftritte wurden live im Netz gesendet - auch der Fernsehsender Arte unterstützte die Livestreams.

Dann aber kam der Sommer. "Das hat das Streaming gekillt, weil die Leute wieder draußen unterwegs waren", sagt Buchta. Jetzt im Winter zur zweiten Welle wollte das Betreiberkollektiv das Format nicht wieder aufleben lassen.

"Stille ist auch ein Statement an sich", sagt der 32-Jährige. Doch auf Dauer still sollte es trotzdem nicht sein. Die Idee des Teams: Anstatt "endloser Livestream-Marathons" vor dem Bildschirm sollten die Clubbesucher wieder gemeinsam feiern können.

Ein gut gelaunter DJ und viele grinsende Smileys

Und so kamen sie auf die Idee, den Club virtuell nachzubauen. "Es war ein immenser Aufwand, weil jeder Winkel in allen Räumen erst einmal abfotografiert werden musste", erzählt Buchta. Ein Mitglied des Kollektivs, das hauptberuflich als Grafiker arbeitet, machte aus den Aufnahmen dann ein dreidimensionales Modell des Clubs.

Die Vorbereitungen für die erste Feier im Netz dauerten Monate. Zu Silvester war es dann soweit. Ab 21 Uhr konnten die Besucher zum ersten Mal seit März 2020 wieder den Club betreten - ohne Warteschlange vor dem Türsteher.

Drinnen erwartete die Neugierigen ein gut gelaunter DJ hinter dem Pult, die altbekannte Getränkekarte über der Bar - und statt Publikum jede Menge grinsender gelber Smileys auf der Tanzfläche. Selbst die Zwischenflure und die Toilettenräume waren begehbar. Wer sich mit anderen Besuchern unterhalten wollte, musste sich dafür nur per Maus und Tastatur so positionieren, dass er einem der Smileys direkt in die Augen blickte.

"Diese Idee hat Potenzial"

Dann wurde per Mikrofon eine Sprachverbindung hergestellt. "Es war allerdings ein bisschen schwierig, die Verbindung zu halten", sagt Buchta. Hier und da hätten sich zwar einige Fehler eingeschlichen, die auch mit der Ausleuchtung der Räume zu tun hätten. Und einige ältere Rechner seien an ihre Grenzen gestoßen.

Keine Leere mehr im Club: An Silvester konnten Besucher zum ersten Mal virtuell im Dresdner Objekt klein a feiern.
Keine Leere mehr im Club: An Silvester konnten Besucher zum ersten Mal virtuell im Dresdner Objekt klein a feiern. © Felix Buchta/objekt klein a

Für einen ersten Probelauf ist der 32-Jährige aber durchaus zufrieden mit dem Experiment. Ende Januar will das Betreiberkollektiv bereits in die nächste Runde gehen - und arbeitet schon eifrig an Verbesserungen.

Buchta sieht in der Idee Potenzial für mehr. Weil niemand weiß, wie lange die Clubs noch zu bleiben müssen, könnte er sich auch vorstellen, das Objekt klein a für digitale Ausstellungen zu nutzen. "So könnte man zum Beispiel Kunstwerke als 3D-Modell digitalisieren und dann in unseren Räumen präsentieren."

Betreiber glauben an Zeit nach Corona

Corona bewegt etwas in der Clubszene - viele Einfälle machen die Runde. "Auch in Leipzig haben sich jetzt befreundete Betreiber einen Greenscreen gekauft, damit DJs davor spielen können", sagt Buchta. Mit solchen Leinwänden können im Nachhinein beliebige Hintergründe eingefügt werden - im Filmgeschäft wird diese Technik seit Jahrzehnten eingesetzt.

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So müssen die DJs - so wie das Publikum - nicht vor Ort sein, um zu spielen. Dass es diesen Ort, das Objekt klein a, auch nach Corona geben wird, daran glauben die Betreiber fest. "Ein bisschen müssen wir noch. Aber dann wird alles besser. Oder wenigstens so suboptimal wie einst", schrieben sie in ihrer Silvestereinladung.

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