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Auch Stallhof-Weihnacht abgesagt

Nach dem Aus für den Striezelmarkt müssen Veranstalter ihre Märkte wegen der Corona-Beschränkungen streichen. Jetzt auch die Mittelalter-Weihnacht im Stallhof.

Auch der Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden ist nun abgesagt.
Auch der Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden ist nun abgesagt. © Archiv: Marion Doering

Dresden. Nach der Absage des Striezelmarktes, der Weihnachtsmärkte in Loschwitz und auf dem Neumarkt, folgt nun die nächste. Auch die Mittelalter-Weihnacht im Dresdner Stallhof fällt dieses Jahr wegen Corona aus. Ebenso betroffen sind die "Rauhnächte", die den Weihnachtsmarkt sonst bis in den Januar hinein verlängert hatten.

"Wir hatten bis zuletzt gehofft, wenigstens einen Teil des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes im Stallhof öffnen zu können“, sagt Henri Bibow, dessen Veranstaltungsagentur "Sündenfrei" den Markt ausrichtet. Im letzten Jahr waren 430.00 Besucher in den Stallhof gekommen.

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Doch Bibow ist zuversichtlich: "Mittelaltermärkte gibt es seit über 1000 Jahren, daran wird auch Corona nichts ändern", sagt er. "Wir warten auf das Frühjahr, sinkende Zahlen und freuen uns auf erste Veranstaltungen, die hoffentlich um Ostern herum wieder stattfinden können."

Bis dahin können sich Besucher ein wenig Mittelalter-Weihnacht nach Hause holen: Rund 500 Keramikbecher mit Stallhof-Motiv, der Jahreszahl und der Aufschrift "Corona-Jahr" lassen sich unter mittelalter-weihnacht.de bestellen. Für Bibow und seine Agentur sind die Becher das einzige Geschäft im Dezember, über das ganze Jahr konnten gerade einmal 10 Prozent der geplanten Veranstaltungen stattfinden.

Auch Weihnachtsmarkt in Loschwitz abgesagt

Die Entscheidung der Bundesregierung vom 25. November, den Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember zu verlängern, mache es auch den Veranstaltern des Weihnachtsmarkt in Loschwitz unmöglich, den beliebten Markt am Körnerplatz im Dezember durchzuführen, schreiben sie. Nach langen und intensiven Bemühungen um ein Hygienekonzept, welches eine Entzerrung und Absperrung des Marktgeländes vorsah, informiert der Elbhangfest-Verein nunmehr über die Absage des Marktes.

"Der Beschluss der Bundesregierung vom Mittwoch kam nicht unerwartet, trifft die Beteiligten jedoch hart. Bis zum Schluss war der Verein bemüht, den vielen Händlern eine Chance des Verkaufs zu bieten und Künstlern einen Auftritt zu ermöglichen. Nicht wenigen der Händler und Kulturschaffenden brachen in diesem Jahr alle Einnahmequellen weg", so Chefin Lydia Göbel.

Einen Weihnachtsbaum wolle der Elbhangfest-Verein in diesem Jahr dennoch stiften. Dieser soll bereits am 1. Dezember aufgestellt werden und trotz der aktuellen Situation für vorweihnachtliche Stimmung und einen kleinen Hoffnungsschimmer im Stadtbezirk sorgen. Außerdem wird vom 5. bis 20. Dezember eine besondere Lichtinstallation am Bräustübel am Körnerplatz zu sehen sein. In der unteren Etage wird ein Schattenspiel der Reise Maria und Josefs nach Bethlehem zu sehen sein, darüber erstrahlt ein großer reflektierender Weihnachtsstern - der "Stern von Bethlewitz".

Außerdem will sich der Verein bemühen, seinen Händlern und Künstlern in den sozialen Medien eine Plattform zu bieten und auf Verkaufs- und Auftrittsmöglichkeiten aufmerksam zu machen, so Göbel.

Unterstützung trotz Absage möglich

Um Einnahmeausfälle des Vereins selbst abzufangen, besteht bis zum 6. Januar auf www.startnext.com/loschwitzer-weihnachtsmarkt die Möglichkeit, für den Erhalt des Loschwitzer Elbhangfest-Weihnachtsmarktes zu spenden. Auf dem Marktgelände wird trotz allem eine vertraute Figur zu sehen sein, die seit vielen Jahren über dem Weihnachtsmarkt schwebte: Der Holzengel des Künstlers Reinhold Herrmann soll über die Weihnachtszeit daran erinnern, wie schön Loschwitz im Advent war – und hoffentlich im nächsten Jahr wieder sein kann.

Auch der Striezelmarkt ist längst abgesagt. Diese Entscheidung hatte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vergangenen Freitag bekannt gegeben. Damit ist sein Versuch gescheitert, den weltberühmten Weihnachtsmarkt trotz der Corona-Pandemie zu retten. Lange hatte er daran festgehalten, die Entscheidung herausgezögert und immer weiter am Konzept für dieses Jahr gearbeitet.

Hilbert bedaure die Absage sehr, "sehe aber, dass der Teil-Lockdown bisher nicht die Wirkung erzielt hat, die wir uns für die Adventszeit gewünscht haben". Das Infektionsgeschehen in Dresden, aber auch gerade in den umliegenden Landkreisen lasse keine andere Entscheidung zu.

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Fünf weitere Weihnachtsmärkte werden sonst im Auftrag der Stadt in Dresden veranstaltet, die in Konzession vergeben sind. Wie geht es nun mit den thematischen Weihnachtsmärkten weiter?

"Wir können unseren Markt nicht durchführen", sagt Sven-Erik Hitzer, der den Advent auf dem Neumarkt organisiert. Mit der Verlängerung der bestehenden Verordnung bis zum 20. Dezember sei es nicht möglich, Märkte - in welcher Form auch immer - zu veranstalten. "Wir sind natürlich frustriert", so Hitzer. Dennoch sei damit nun endgültig eine Entscheidung zu diesem Thema getroffen worden.

Holger Zastrow plante "Dresdner Weihnachtsinseln"

Holger Zastrow, der den Weihnachtsmarkt an der Hauptstraße mit betreibt, wartete zunächst noch auf die Verordnung des Landes. Denn: "Wir brauchen ein offizielles Verbot." Sonst müssen die Konzessionäre jeweils 75.000 Euro an die Stadt zahlen, wenn sie die Märkte absagen.

Statt eines Weihnachtsmarkts plante Zastrow sogenannte "Dresdner Weihnachtsinseln". Dafür sollten wenigstens ein paar Stände mit Glühwein, Erzgebirgshändlern und Bratwurst an der Hauptstraße, auf dem Neumarkt, dem Postplatz und an der Prager Straße aufgestellt werden.

"Wir kämpfen bis zur letzten Minute", hatte Zastrow erklärt. Und Frank Schröder, der sonst den Markt an der Prager Straße durchführt, sagte: "Wir werden jede Möglichkeit nutzen, um ein bisschen Weihnachten nach Dresden zu bringen." Es müsse legal sein, "dann sind wir zu allem bereit".

Weitere Absagen am Freitag

Am Freitag wurde dann klar, dass gar nichts geht. Schröder und Zastrow sagen die Märkte an der Prager Straße und der Hauptstraße auch noch ab. "Es ist aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich, deswegen sagen wir ab", erklärt Schröder.

Ebenso entscheidet sich Zastrow. Auch die "Dresdner Weihnachtsinseln" werde es nicht geben. "Das liegt daran, dass ambulanter Handel in der Innenstadt nicht zulässig ist", erklärt Zastrow. Das habe ihm Robert Franke, Chef der Dresdner Wirtschaftsförderung, erklärt. "Die Flächen sind nur für Märkte gewidmet und Stände sind keine Märkte. Die Stadt ist zu sehr in Regeln gefangen und dadurch nicht flexibel."

Das richte sich aber ausdrücklich nicht gegen die Wirtschaftsförderung. "Ich bin sehr positiv überrascht, wie lange dort versucht wurde, etwas zu ermöglichen", so Schröder. "Das ist ja nicht immer so." Schröder will nun zumindest die gekauften Glühweintassen an den Man bringen. Diese gibt es im Internet - zwei Tassen und eine Flasche Glühwein für 9,90 Euro.

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