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Dresdner Wirte kürzen Öffnungszeiten

Köche und Kellner fehlen schon lange. Durch die Corona-Schließzeit verschärfte sich die Lage nochmal. Selbst Hochzeitsfeiern müssen abgelehnt werden.

Schmidts Restaurant in Dresden hat mit den Lockdown-Folgen zu kämpfen, berichtet Inhaber Olaf Kranz.
Schmidts Restaurant in Dresden hat mit den Lockdown-Folgen zu kämpfen, berichtet Inhaber Olaf Kranz. © René Meinig

Dresden. Er darf sein Lokal wieder öffnen und muss doch die Öffnungszeiten kürzen: Olaf Kranz aus dem Schmidts geht es so wie derzeit vielen Gastronomen in Dresden. Sie finden nicht genügend Personal. "Wir haben gerade nur von Mittwoch bis Samstag offen und nur am Abend", erklärt der Chef. Ab August komme noch der Dienstag dazu.

Kranz will die Köche und Kellner, die er hat, nicht überfordern und führte daher Schließtage ein. "Wir hatten während der Pandemie 50 Prozent Abgänge jeweils in der Küche und im Service", so Kranz. Viele würden jetzt im Supermarkt oder bei Lieferdiensten arbeiten.

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An der Bezahlung liege es nicht, betont er. Eher an der Angst vor dem nächsten Lockdown im Herbst, die die Leute aus der Gastronomie fernbleiben lässt. "Wenn wir wieder schließen müssen, fehlen den Leuten wieder das Trinkgeld und die Nachtzuschläge." Dann würden sich viele lieber einen sicheren Job in systemrelevanten Branchen wie bei Lidl oder bei Lieferdiensten suchen.

Etwa fünf bis zehn offene Stellen hat auch Thomas Gaier in seinem Hotel Schloss Eckberg. "Die Lage ist nach wie vor angespannt", sagt er. Auch er musste erleben, wie während der monatelangen Schließzeit das Personal in andere Branchen abwanderte. "Die Branche muss teilweise Veranstaltungen wie Hochzeiten absagen, weil die Mitarbeiter fehlen", sagt er. Ein Gast wollte kürzlich eine Hochzeitsfeier bis 3 Uhr buchen. "Das müssen wir absagen, es findet sich keiner mehr, der so lange arbeiten will." Es gebe nur sehr wenige Bewerbungen und die, die kämen, seien oft nicht gut genug. "Oft erlebe ich auch, dass die Bewerber zu fest vereinbarten Vorstellungsterminen oder Probetagen nicht kommen und auch nicht absagen", sagt Gaier.

82 Prozent der Betriebe haben im Lockdown Personal verloren

Die Personalsituation im Hotel- und Gaststättengewerbe habe sich durch die pandemiebedingten Lockdowns noch einmal deutlich verschärft, beobachtete auch Dresdens Tourismuschef Johannes Lohmeyer. Eine Umfrage in der Dresdner Hotelallianz hatte ergeben, dass 82 Prozent der Betriebe im Lockdown Personal verloren haben, teilweise in Größenordnungen von 25 bis 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pro Unternehmen. Bei mittelgroßen Hotels, wie es sie in Dresden überwiegend gebe, sei das immens.

Carsten Rühle, Inhaber des Luisenhofs, sieht die Lage nicht ganz so kritisch: "Angesichts der allgemeinen Lage in unserer Branche bin ich froh und dankbar, dass sich die Personalsituation im Luisenhof weitestgehend stabilisiert hat." Er konnte zwei neue Mitarbeiterinnen im Service sowie eine für die Küche gewinnen und habe weitere Bewerbungen vorliegen. "Außerdem fangen in den nächsten Wochen vier Azubis bei uns an - drei im Service, einer in der Küche."

Auf den Dörfern rund um Dresden ist es bereits länger offensichtlich: Es fehlen Köche und Kellner. Vielerorts sind die Gaststätten nur noch am Samstag komplett geöffnet, am Sonntag bleiben etliche Restaurants geschlossen. "Aus Personalmangel können wir nur verkürzt öffnen" - das ist oft in den Schaukästen vor den Kneipen zu lesen.

Hinter den Kulissen ringen Gastwirte um helfende Hände. Rund zwölf Prozent - also etwa 9.000 Mitarbeiter - haben allein in Sachsen ihren Job in der Hotel- und Gastro-Branche an den Nagel gehängt, um in anderen Bereichen zu arbeiten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beruft sich bei diesen Zahlen auf Angaben der Arbeitsagentur.

Auch Lars Fiehler, Sprecher der Dresdner Industrie- und Handelskammer (IHK) und damit auch zuständig für die Gastronomie, bestätigt die Personalnot: "Während der langen Schließzeiten sind wohl doch nicht wenige Mitarbeiter in andere, weniger von Schließungen betroffene Wirtschaftsbereiche gewechselt." Ob und in welchem Umfang es nun gelinge, diese wieder zurückzugewinnen, müsse abgewartet werden, und hänge sicher auch davon ab, wo und zu welchen Konditionen die Betroffenen derzeit arbeiten.

Auf die Politik bestehe momentan kein Handlungsdruck. Solange die Inzidenzwerte sänken bzw. auf niedrigem Niveau verharrten und die Beschränkungen für den Geschäftsbetrieb aufgehoben seien, könnten die Gastronomen ihrem angestammten Geschäft nachgehen. "Ein möglicher Anstieg der Infektionszahlen und das Überschreiten bestimmter Grenzwerte laut Corona-Schutz-Verordnung wären selbstredend Gift für den dringend notwendigen Erholungsprozess", sagt Fiehler.

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Im Jahr 2021 liegen die Zahlen für die Berufsabschlüsse in der Hotellerie und Gastronomie bislang leicht über dem Niveau von 2020. Fiehler: "Wir hoffen jedoch, dass wir in den Sommermonaten bis zum Ausbildungsbeginn noch etwas zulegen können. Bis zum Vor-Krisen-Niveau ist es aber noch ein Stückchen."

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