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Dresdnerin nach Geburt in Corona-Quarantäne

Meistgelesen: Vivien Mölle kämpft sich zu Hause allein mit zwei Kindern bis Weihnachten durch. Ihr Mann kann nicht helfen - weil er negativ ist.

Von Henry Berndt
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Wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter wurde Vivien Mölle positiv getestet und musste in Quarantäne.
Wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter wurde Vivien Mölle positiv getestet und musste in Quarantäne. © privat

Dresden. Oh, du schöne besinnliche Weihnachtszeit - mit einem fünf Wochen alten Säugling und einem vierjährigen Sohn allein zu Hause in Corona-Quarantäne. Für Vivien Mölle kommt gerade vieles zusammen. Schönes und weniger Schönes.

Am 10. November wurde ihre Tochter Adrijana geboren. Die Kleine hat in ihrem kurzen Leben schon viele Masken gesehen. Bei ihrer Mutter, bei der Hebamme und beim Kinderarzt. "Ich habe immer sehr auf den Schutz geachtet und meine Kontakte auf das Nötigste eingeschränkt", sagt Mama Vivien. Umso erschrockener sei sie gewesen, als sie neulich im Drogerie-Markt an der Kasse die Information erhielt, dass ihr Corona-Schnelltest positiv ausgefallen sei. "Da wäre mir fast das Handy aus der Hand gefallen", sagt sie.

"Ich habe keine Ahnung, wo ich mich angesteckt haben könnte"

Wenn sie nicht gerade im Mutterschutz ist, arbeitet Vivien Mölle als Fachkraft für sprachliche Bildung beim Eigenbetrieb Kindertagesstätten. Nur weil sie gern bei der Verabschiedung eines früheren Kollegen dabei sein wollte, ließ sie sich überhaupt testen. Und dann das. Noch am selben Tag machte sie einen PCR-Test, der das Ergebnis bestätigte. Damit musste sie samt Kindern in Quarantäne. Ihren Impftermin am 15. Dezember musste sie absagen.

"Ich habe wirklich keine Ahnung, wo ich mich angesteckt haben könnte", sagt sie. In ihrer Familie ist sie die einzige mit positivem Test. Womöglich habe die kleine Adrijana das Virus beim Kinderarzt abbekommen.

Wie wichtig wäre es in diesem Moment für sie gewesen, wenn auch ihr Mann hätte mit zu Hause bleiben können. Der ist gerade im dritten Lehrjahr bei der Ausbildung als Notfallsanitäter. Da er selbst geimpft ist, hat er allerdings keinen Anspruch auf Quarantäne, solange er negativ ist. Bliebe er zu Hause, würde ihm das als Fehlzeit angekreidet.

"Dieses System sollte vielleicht mal hinterfragt werden, um Familien in solchen Krisenzeiten nicht so hängenzulassen", sagt Vivien Mölle.

Abwechselnd Hähnchenpfanne und Spaghetti

Durch die Tage bis zum 23. Dezember muss sie sich nun weitgehend allein kämpfen. Die Familie hat viel vorgekocht und aß zuletzt abwechselnd Hähnchenpfanne und Spaghetti Bolognese.

"Ich bin auch wahnsinnig dankbar, dass ich die Trage habe", sagt sie. Fast den ganzen Tag konnte sie Adrijana so zuletzt bei sich haben, und sich parallel um ihren Sohn Milan kümmern. Vor allem "Mensch ärgere dich nicht" stand hoch im Kurs. Inzwischen durfte sich Milan endlich freitesten und zurück in die Kita.

Dass das Frei-Testen für Vivien Mölle keine Option ist, obwohl ihre Tests auch wieder negativ sind, kann sie nicht verstehen. Sie habe auch keinerlei Symptome gehabt, vermutlich, weil sie genau vor einem Jahr schon einmal mit Corona infiziert war. "Damals waren wir auch zu Weihnachten in Quarantäne."