merken
PLUS Dresden

Ringen um den Semperopernball

Wegen Corona ist der Wiener Opernball abgesagt. Aber wie steht es um Dresdens große Ballnacht? Wird sie stattfinden können?

Tausende Feiernde vor der Semperoper, rund 2500 Gäste im Inneren: Was wird aus einer Veranstaltung, zu der es gehört, mit vielen Menschen zusammen auf engem Raum zu tanzen?
Tausende Feiernde vor der Semperoper, rund 2500 Gäste im Inneren: Was wird aus einer Veranstaltung, zu der es gehört, mit vielen Menschen zusammen auf engem Raum zu tanzen? © SZ/Uwe Soeder

Dresden. Stelle sich einer vor, Angela Merkel melde sich gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Olaf Scholz zu Wort, um über das Wohl und Wehe des Dresdner Semperopernballs zu befinden. Bei aller Bekanntheit und Beliebtheit der Veranstaltung - davon ist sie ein Stück weit entfernt. Ganz anders in Österreich. Dort gilt der Wiener Opernball als absolute Chefsache. 

Bundeskanzler Sebastian Kurz höchstpersönlich informiert sein Volk über das nationale Desaster: Der Wiener Opernball fällt aus. Zusammen mit Vizekanzler Werner Kogler erklärt er es für verantwortungslos, den Ball trotz Corona stattfinden zu lassen. Die Regierung habe sich die Entscheidung, den Opernball zu streichen, nicht leichtgemacht, heißt es. Schließlich sei er für Wien und Österreich als Kulturnation ein großes Aushängeschild und ein Wirtschaftsfaktor.

Anzeige
Polstermöbel zum halben Preis
Polstermöbel zum halben Preis

Zugreifen, sparen, mitnehmen: Das neue Sofa gibt's jetzt günstig im Polster-Outlet bei Hülsbusch in Weinböhla.

Semper-Open-Air-Ball ist Alleinstellungsmerkmal

Das ist der Semperopernball für Dresden und Sachsen auch. Die Gäste kommen aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland. Doch was wird nun aus der großen Ballnacht in der Oper und auf dem Theaterplatz? Gerade der Open-Air-Ball gilt nicht nur gegenüber der Wiener Version als Alleinstellungsmerkmal. Er lockt jedes Jahr selbst bei Kälte und Nässe Tausende Feierlustige an. Doch sie stehen dicht gedrängt, wenn auch an der frischen Luft. In der Oper ist das Problem noch größer. Rund 2.500 Gäste feiern und tanzen dort im großen Ballsaal, in den Rängen und zahlreichen Probensälen. 

Bis zum 2. November gilt die aktuell gültige Sächsische Corona-Schutz-Verordnung. Sie besagt, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern stattfinden dürfen, sofern eine "datenschutzkonforme und datensparsame Kontaktverfolgung möglich" ist und ein genehmigtes, "auf die Veranstaltungsart bezogenes Hygienekonzept" vorliegt. Der Sicherheitsabstand von anderthalb Metern bleibt Hauptbestandteil der Schutzmaßnahmen. 

Semperopernball e. V. "arbeitet an Lösungen"

Seit Theatervorstellungen und Konzerte wieder stattfinden dürfen, ringen die Veranstalter mit der Schwierigkeit, nur einen Teil der regulären Besucherzahl zulassen zu können. In den meisten Fällen läuft das Machbare auf rund ein Drittel bis maximal die Hälfte der eigentlichen Saalauslastung hinaus. Das würde für die Macher des Dresdner Semperopernballes immense Einbußen bedeuten. Da stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Bei Ticketpreisen von 280 bis 2.380 Euro brutto pro Person ist wenig Luft nach oben. Eine Kartenpreiserhöhung im nötigen Maß ließe sich schwer vermitteln.  

Der Ticketverkauf ist derzeit ohnehin ausgesetzt. Auf der Homepage des Balles heißt es: "Wir bitten aufgrund der aktuellen Lage um Verständnis, dass der Kartenverkauf erst zu einem späteren Zeitpunkt, voraussichtlich im Oktober 2020, beginnen wird." Die Entscheidung, ob der 16. Semperopernball wie geplant am 26. Februar 2021 stattfinden wird, ist noch nicht gefallen. Auf Anfrage der SZ lässt Pressesprecher Holger Zastrow wissen: "Der Semperopernball e. V. arbeitet an Lösungen, prüft verschiedene Varianten und beobachtet die aktuelle Entwicklung." 

Auch Oktoberfest abgesagt

Die verheißt nichts Gutes. Zwar steigen die Coronazahlen hierzulande nicht in dem Maße wie beispielsweise in München, wo ein ähnlich nationales Ereignis wie der Wiener Opernball in Österreich - nämlich das Oktoberfest - abgesagt wurde. Bayerns Regierung hat am Dienstag beschlossen, die Coronaregeln deutlich zu verschärfen. 

Solche Maßnahmen behält sich auch die Sächsische Staatsregierung vor: Ab 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen vor Beginn einer geplanten Großveranstaltung ist diese "ohne weitere behördliche Entscheidung" untersagt, heißt es in der Allgemeinverfügung. Ein großes Risiko für die Ballverantwortlichen.

Der Semperopernball e. V. als Veranstalter des Dresdner Semperopernballes will sich Ende Oktober dazu äußern, ob der Ball gefeiert werden wird und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Bis dahin können alle Freunde der gehobenen Tanzkultur hoffen.  

Weiterführende Artikel

Semperopernball verliert Kleiderdesigner

Semperopernball verliert Kleiderdesigner

Detlef Mandel beendet die Partnerschaft und schließt auch sein Geschäft in Dresden. Die Zukunft des Balls steht unterdessen weiter in den Sternen.

MDR überdenkt Semperopernball-Pläne

MDR überdenkt Semperopernball-Pläne

Ein Orden für den ägyptischen Präsidenten hatte den Semperopernball aus dem Takt gebracht. Wie der MDR nun damit umgeht.

CoronaCast: So geht es der Semperoper

CoronaCast: So geht es der Semperoper

Dramaturgin Juliane Schunke spricht in unserem Podcast über die Folgen der Corona-Krise und erzählt, wie die Dresdner Oper dem "Lockdown" trotzt.

Wie die Semperoper der Krise trotzt

Wie die Semperoper der Krise trotzt

Musik kann Balsam für die Seele sein: Wegen der Corona-Pause senden Künstler nun von Zuhause aus Botschaften an ihre Fans.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden