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Dürfen Geimpfte Blut spenden?

Angesichts vieler OPs ist der Blutbedarf in Sachsens Krankenhäusern hoch. Doch durch Corona gibt es viele Sonderregeln.

Erst Temperatur messen: Corona hat auch die Blutspende verändert. Umfangreiche Einlassuntersuchungen sind Pflicht.
Erst Temperatur messen: Corona hat auch die Blutspende verändert. Umfangreiche Einlassuntersuchungen sind Pflicht. © dpa

Alle sächsischen Kliniken sind nach dem letzten Corona-Lockdown wieder in den Normalbetrieb zurückgekehrt. Das heißt, aufgeschobene Operationen werden nachgeholt, und täglich kommen neue Patienten hinzu, die dringend eine OP brauchen. „Das hat den Bedarf an Spenderblut stark ansteigen lassen“, sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nordost. „Die Versorgungslage ist sehr kritisch.“ Das sei in den Sommermonaten zwar häufig so, doch der Lockdown habe die Situation verschärft.

Trotzdem müssen manche Spendenwillige ausgeschlossen werden. Das seien zum einen Personen, die sich gesundheitlich nicht wohlfühlen. Zum anderen gehören auch Geimpfte dazu – jedoch nicht alle: Eine Wartezeit von vier Wochen zwischen Impfung und Blutspende sei nötig, wenn Impfstoffe mit lebenden, abgeschwächten Viren verwendet wurden, was zum Beispiel beim Schutz vor Mumps, Masern, Röteln, Gelbfieber oder Hepatitis B üblich ist, informiert das Robert Koch-Institut.

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Nach den beiden Corona-Impfungen sei eine solche Wartezeit aber nicht erforderlich, sagt Professor Hubert Schrezenmeier, Vorsitzender der Gesellschaft für Transfusionsmedizin. „Die bisher zugelassenen Sars-CoV2-Impfstoffe enthalten nur nichtinfektiöse Virusbestandteile oder inaktivierte Viren.“ Somit könne laut Paul-Ehrlich-Institut, das für die Impfstoffsicherheit in Deutschland verantwortlich ist, eine Spende von Blut und Blutprodukten stattfinden. „Vorausgesetzt, der Spender ist frei von klinischen Symptomen und fühlt sich wohl. Dann darf er schon am Folgetag einer Coronaimpfung Blut spenden“, so Schrezenmeier. Das Gleiche gelte auch für andere Totimpfstoffe wie Tetanus, Kinderlähmung, Grippe oder FSME.

© DRK

Trotz niedriger Infektionszahlen werden die seit März 2020 geltenden Sicherheitsvorkehrungen beim Blutspenden weiterhin eingehalten, sagt Kerstin Schweiger. So sei stets eine Online-Terminbuchung notwendig. „Das System ist so eingestellt, dass nur eine bestimmte Anzahl von Spendern vor Ort ist, um die Abstands- und Hygieneregeln im gesamten Ablauf einzuhalten und eine Bildung von Warteschlangen zu vermeiden.“ Zusätzlich gibt es vor der Anmeldung eine Zugangskontrolle. Diese besteht aus einer Kurzanamnese zum gesundheitlichen Befinden und möglichen Kontakten zu infizierten Personen, einer Kontrolle der Körpertemperatur, der Händedesinfektion und dem Aushändigen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes, der über die gesamte Zeit am Spendeort getragen werden muss.

Derzeit kein Test nötig

„Wer nicht gegen Corona geimpft oder von einer Infektion genesen ist, braucht vor einer Blutspende keinen tagesaktuellen Test“, sagt Kerstin Schweiger. Das sei der derzeitige Stand, auch wenn die letzte Ministerpräsidenten-Konferenz mit der Kanzlerin eine Verschärfung der Testpflichten für Ungeimpfte beschlossen hat. „Sollte es aber einen entsprechenden Regierungsbeschluss geben, sind wir in der Lage, diesen auch schnell umzusetzen.“ Eine Sonderregelung gilt jedoch für Reiserückkehrer. Schweiger: „Wer in den letzten zehn Tagen vor der Blutspende aus dem Ausland zurückgekehrt ist, muss bei der Anmeldung einen Nachweis über eine vollständige Impfung, eine durchgemachte Infektion oder über einen negativen Coronatest vorlegen. Der Test darf dabei nicht älter als 48 Stunden sein.“

Viele Menschen haben auch Angst, sich über Blutpräparate mit Corona zu infizieren. „Doch eine solche Gefahr besteht nicht, denn Coronaviren werden über Aerosole, zum Beispiel in der Atemluft, übertragen, nicht über das Blut. Deshalb gibt es auch keine Untersuchung der entnommenen Blutspenden auf Corona.“

Auf Erkrankungen, bei denen eine Ansteckung über das Blut möglich ist, werden alle Spenden jedoch sorgfältig untersucht. Dazu gehören zum Beispiel Hepatitis und HIV. Die Restrisiken für Hepatitis B und C oder HIV liegen bei unter 1:1.000.000 beziehungsweise 1:16.000.000. Um eine Übertragung der ansteckenden und tödlichen Creutzfeld-Jacob-Krankheit – BSE – zu vermeiden, dürfen alle Personen, die zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate in Großbritannien oder Nordirland waren, kein Blut spenden. „Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen grundsätzlich auch über Bluttransfusionen mit dieser neuen Variante der Krankheit infiziert werden können. Da die Länge der Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, nicht bekannt ist, sind wir zu diesem Schritt verpflichtet“, sagt Kerstin Schweiger.

Männer dürfen öfter

36 Prozent der Deutschen haben bereits Blut gespendet, wie eine Online-Umfrage von YouGov unter 1.005 Erwachsenen zeigt. Von denen, die noch nicht gespendet haben, könnten sich aber 22 Prozent vorstellen, es noch zu tun. Denn mit einer Blutspende hilft man nicht nur anderen, man hat auch selbst einen kleinen gesundheitlichen Nutzen, erklärt Professor Schrezenmeier. So kenne man danach die eigene Blutgruppe, die bei sonstigen Laboruntersuchungen in der Regel nicht mitgeteilt wird. Vor der Spende erfolge außerdem eine ausführliche Untersuchung, durch die mögliche Erkrankungen frühzeitig erkannt werden könnten.

Frauen dürfen laut Gesellschaft für Transfusionsmedizin viermal pro Jahr Blut spenden, Männer sechsmal. Zwischen zwei Spenden sei eine Mindestpause von 56 Tagen Pflicht. Im Vorfeld des Termins sollte man ausreichend essen und trinken, das beugt Kreislaufproblemen vor, so Schrezenmeier.

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Bedarf besteht beim DRK Blutspendedienst Nordost derzeit für alle Blutgruppen. Ein Sonderfall ist die Blutgruppe Null, Rhesus negativ. „Das ist die einzige Universalblutgruppe, die im Notfall auch Patienten mit anderen Blutgruppen gegeben werden kann. Ansonsten wird nur blutgruppenspezifisch transfundiert, da es sonst zu Abstoßungsreaktionen kommt“, sagt Kerstin Schweiger.

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