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Sprachgewandter Chemiker als Lehrer

Die Pandemie verändert auch das Ehrenamt. Der Pirnaer Hartmut Appenroth wurde geehrt, weil er trotz Corona weitermacht.

Dank Computer und Telefon weiter für seine Schützlinge da: Hartmut Appenroth.
Dank Computer und Telefon weiter für seine Schützlinge da: Hartmut Appenroth. © Daniel Schäfer

Vom Chemiker zum Lehrer: Chemiker war sein Beruf, der Hartmut Appenroth aus Pirna hat viel in der Welt herumkommen lassen. Lehrer wiederum ist sein Ehrenamt, das vor reichlich fünf Jahren dazu kam und Appenroth nun eine Ehrung einbrachte. Der Pirnaer erhielt im Herbst die Annenmedaille, mit der Sachsen alljährlich engagierte Ehrenamtlicher auszeichnet. Appenroth ist der insgesamt 13. aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Als Appenroth Ende 2015 das Gefühl hatte, sich engagieren zu wollen bzw. zu müssen, wollte er einfach mit seinen Sprachkenntnissen Flüchtlingen helfen. Der Fachübersetzer für Chemie ist in Englisch perfekt und kann auch Russisch sowie etwas Italienisch. Was mit einer syrischen Wohngruppe auf dem Sonnenstein begann, ging seither immer wieder neue Wege, die auch von Corona beeinflusst wurden.

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Nachhilfe in Deutsch per Whatsapp

Am Anfang wollte der Pirnaer Flüchtlingen auf ihrem Weg helfen. "Das Ansteigen der Flüchtlingszahlen führte zu positiven, aber auch negativen Reaktionen in der Bevölkerung und erzeugte auch Spannungen." Seine Sprachkenntnisse und seine zeitlichen freien Kapazitäten nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn sah er da sinnvoll eingesetzt.

Bei dieser Wohngruppe sammelte er erste Erfahrungen in der Sprachausbildung. Als sich die Gruppe mehr oder weniger auflöste, begann er in der Freien evangelischen Gemeinde zu helfen. Dort gab es schon täglich Deutschunterricht und man war nach dem Ausfall einer Lehrerin froh, dass Appenroth einspringen konnte. Später übernahm er weitere Stunden und gab Nachhilfe in Englisch.

Als dann das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) auf dem Sonnenstein aktiv wurde, brachte er sich dort ein. Zum Deutschunterricht und zur Nachhilfe kamen Lernpatenschaften für mehrere Flüchtlingsschüler und Prüfungstraining für Erwachsene. "Diese Arbeit wurde dann durch die Corona-Krise behindert, sodass wir mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht haben, trotzdem das Mögliche zu tun", sagt Appenroth. Wir, das sind vor allem die hauptamtlichen Mitarbeiter des IBZ, die entsprechende Hygienekonzepte erarbeiteten. Damit konnte dann zeitweise gearbeitet werden, doch im Moment geht auch das nicht mehr. Der Deutschunterricht ist eingestellt, Nachhilfe gibt Appenroth zum größten Teil über WhatsApp. "Natürlich ist das nicht so effektiv."

Hilfe auch in Awo-Wohngruppe in Pirna

Bei seinen Deutschkursen arbeitet er so wie andere zwar mit Lehrbüchern, aber man darf das nicht mit einem regulären Kurs eines Bildungsträgers verwechseln, sagt Appenroth. "Erstens bin ich kein Lehrer und zweitens kommen Schüler mit sehr unterschiedlichem Wissensstand in Deutsch, so dass ich mich jede Stunde auf die jeweilige Zusammensetzung und auch auf die Anzahl der Schüler einstellen muss."

Zwischenzeitlich hat Appenroth sich auch in der von Caritas und Schiller-Gymnasium organisierten Schülernachhilfe in Pirna engagiert. "Als der Lockdown kam, ging das nicht mehr." Hartmut Appenroth findet trotzdem immer wieder Wege und Möglichkeiten, zu helfen. So kümmert er sich auch um einen Bewohner einer Awo-Wohngruppe im Fach Englisch. Seit knapp zehn Jahren singt er zudem im Pirnaer Singekreis und ist seit ein paar Jahren im Vorstand.

Hilfe bei schwierigen Behörden-Schreiben

Ab und zu wenden sich seine Schützlinge an ihn, wenn Sie Behördenschreiben erhalten, die in schwer verständlichem Deutsch verfasst sind, wenn Anträge auszufüllen sind oder es alltägliche Probleme gibt. Die Zusammenarbeit mit dem IBZ hilft dabei allen. "Die hauptamtlichen Mitarbeiter dort verstehen davon mehr als ich." Diese Unterstützung zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen genauso wie die Hilfe für die, die sie brauchen, das erfüllt Appenroth. "Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen den Weg zum Ehrenamt finden." Für den 69-Jährigen ihn ist das Schöne am Ehrenamt, dass er nützliche Arbeit leisten und vor allem anderen Menschen helfen kann. "Da sich das teilweise mit meinem Interesse für Sprachen trifft, ist das eine ideale Kombination."

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