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Ein Jahr Homeoffice – das ist die Bilanz

Die Regierung hat die Pflicht zum Homeoffice bis Ende April verlängert. Aktuelle Studien zeigen, wie es vor allem berufstätigen Müttern zu Hause ergeht.

Eine Frau nimmt im Homeoffice aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil.
Eine Frau nimmt im Homeoffice aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil. © Sebastian Gollnow/dpa

Von Marie Rövekamp

Obwohl sich viele lange danach sehnten, flexibler zu arbeiten, hat das Homeoffice seit einem Jahr auch seine Tücken. Verschiedene Studien haben die neue Arbeitsnormalität in den vergangenen Monaten genauer untersucht. Mit folgenden Ergebnissen: Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben während des ersten Lockdowns 2020 vor allem Mütter die Kita- und Schulschließungen kompensiert und ihre Kinder selbst betreut – oft neben der Arbeit.

Dadurch verdoppelte sich der Anteil jener Familien in Deutschland, in denen Frauen fast vollständig nach den Kindern schauten – im Vergleich zu 2019 von etwa acht auf 16 Prozent. Die Hausarbeit erledigten sie in mehr als jeder vierten Familie allein. Nur in fünf Prozent der Haushalte übernahmen Männer gänzlich diese Arbeit.

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Die Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass die Situation während des derzeitigen Lockdowns für viele Eltern noch weitaus belastender ist als im vergangenen Frühling. Fast jedes zweite befragte Elternpaar habe Ende Januar die familiäre Situation als stark oder äußerst belastend erlebt. Das seien sechs Prozentpunkte mehr als vor fast einem Jahr. Besonders groß sei der Stress für Alleinerziehende.

Mitte Februar arbeitete nach einer Umfrage für das Bundesarbeitsministerium fast jeder zweite Beschäftigte zumindest stundenweise im Homeoffice. „Gut jeder dritte abhängig Beschäftigte arbeitete sogar überwiegend oder ausschließlich im Homeoffice“, heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) für das Ministerium.

Fast jeder vierte Beschäftigte hätte im Februar mehr im Homeoffice gearbeitet als noch im Januar. Die Autoren führen dies auch auf die etwas verschärfte Verpflichtung der Regierung zurück. Allerdings könnten nach Berechnungen des ifo-Instituts noch viel mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Das Potenzial liege bei 56 Prozent.

Frauen sind technisch schlechter ausgestattet

Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zeigt außerdem, dass Frauen seltener von zu Hause aus arbeiten können als Männer. Unter anderem deswegen, weil Frauen „vermehrt in personennahen Dienstleistungen beschäftigt sind“. Ihnen fehlt es häufiger an der notwendigen technischen Ausstattung. Der Arbeitgeber ist zwar dazu verpflichtet, alle Mittel zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich nutzt ein großer Teil derer, die von zu Hause aus arbeiten, aber private Geräte. Dies trifft laut der DGB-Untersuchung häufiger auf Frauen zu als auf Männer (30 Prozent im Vergleich zu 22 Prozent).

Eine Frau sitzt im Homeoffice an ihrem Laptop und telefoniert, während ihr Kind neben ihr in einem Kinderstuhl am Tisch sitzt.
Eine Frau sitzt im Homeoffice an ihrem Laptop und telefoniert, während ihr Kind neben ihr in einem Kinderstuhl am Tisch sitzt. © Christian Beutler/KEYSTONE/dpa

Knapp 40 Prozent aller Befragten, die gerne im Homeoffice arbeiten würden, nennen ihren Chef als Hindernis – auch dies bejahen mehr weibliche als männliche Befragte. Frauen geben zudem noch häufiger als Männer an, ihre Erholungspausen zu verkürzen oder ganz ausfallen zu lassen. Ein Grund dafür könnte in der ungleichen Verteilung der Sorgearbeit liegen, was vor allem weniger Erholung für Mütter zulässt.

Recht auf Homeoffice setzte sich nicht durch

„Wir stecken mitten in der Pandemie und die Beschäftigten warten immer noch auf klare gesetzliche Regeln zum mobilen Arbeiten“, kritisiert Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende auf Grund des Stimmungsbildes. Insbesondere Frauen würden von klaren gesetzlichen Regeln profitieren. Dies sei auch wichtig, damit die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben nicht noch weiter verwischen.

Die Arbeit von zu Hause aus gilt seit dem Ausbruch der Pandemie als wichtiges Mittel, um Kontakte zu reduzieren und das Coronavirus einzudämmen. Doch in der zweiten Welle zögerten einige Unternehmen, mit gleicher Konsequenz zu handeln wie im letzten April. Als politische Appelle nicht die erhoffte Wirkung zeigten, erließ Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Ende Januar die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, die in dieser Woche vom 15.März bis zum 30.April verlängert wurde. Sie verpflichtet Unternehmen, Beschäftigten nach Möglichkeit mobiles Arbeiten anzubieten.

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