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Ein Job neben der Frührente lohnt jetzt besonders

Wer früher in Rente geht, kann nebenher noch Arbeiten. Bis zu einem gewissen Freibetrag wird der Verdienst nicht auf die Rente angerechnet.

Wegen der Pandemie ist die Hinzuverdienstgrenze erheblich gestiegen.
Wegen der Pandemie ist die Hinzuverdienstgrenze erheblich gestiegen. © Westend61

Viele möchten nicht so lange warten, bis sie ihr reguläres Rentenalter erreicht haben. Sie gehen mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand, wollen sich aber zu ihrer Altersrente noch etwas hinzuverdienen. Das ist auch möglich – mit einer Einschränkung. Während alle, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, zusätzlich zur gesetzlichen Rente unbegrenzt hinzuverdienen dürfen, ist das bei Frührentnern nicht möglich. Regulär haben sie pro Jahr einen Freibetrag von 6.300 Euro. Ein Verdienst, der darüber liegt, wird zu 40 Prozent angerechnet und mindert die Rente. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders.

Wegen der Pandemie lag 2020 die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner bei 44.590 Euro, 2021 stieg sie auf 46.060 Euro. „Jahreseinkünfte bis zu dieser Höhe führen nicht zur Kürzung einer vorgezogenen Altersrente“, sagt Dirk von der Heide von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Der Grund für die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze: der gestiegene Personalbedarf in vielen Berufszweigen, etwa im Gesundheitswesen.

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Ab 2022 gilt jedoch wieder die alte Regel. Die Kürzung erfolgt generell für das gesamte Kalenderjahr. Von der Heide nennt ein Beispiel: Wer 2021 neben der Rente ein Bruttoeinkommen von 55.060 Euro erzielt, liegt 9.000 Euro über der Hinzuverdienstgrenze. Auf den Monat gerechnet sind das 750 Euro. 40 Prozent davon werden auf die Rente angerechnet. Sie wird damit monatlich um 300 Euro gekürzt.

Vorgezogene Altersrente

Doch wie läuft es genau mit der Abrechnung? „Frührentner, die zu ihrer Altersrente hinzuverdienen möchten, teilen dies schriftlich der Rentenversicherung mit“, erklärt Bernd Brückmann von der Stiftung Warentest. Wer etwa im Juli einen Job antritt, meldet der Rentenversicherung im Vorfeld, dass er hinzuverdient und wie hoch der Hinzuverdienst voraussichtlich von Juli bis Ende Dezember ausfällt. „Am 1. Juli des darauffolgenden Jahres kommt es dann zu der Spitzabrechnung“, sagt Brückmann. Die Rentenversicherung fordert dann den Frührentner auf, sein tatsächlich erzieltes Arbeitsentgelt für das zurückliegende Jahr zu melden.

Wichtig: Zum Arbeitsentgelt im Sinne des Rentenrechts zählen auch Einnahmen aus dem Betrieb einer Fotovoltaikanlage. Stellt sich bei der Spitzabrechnung heraus, dass der Frührentner zu viel Rente erhalten hat, fordert ihn die Rentenversicherung auf, den überschüssigen Betrag zurück zu überweisen. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zählen rentenrechtlich übrigens nicht zum Arbeitsentgelt. Gleiches gilt für Kapitalerträge.

Gerade wegen der hohen Hinzuverdienstgrenze in diesem Jahr ist es für viele ältere Arbeitnehmer attraktiv, neben einer Beschäftigung eine vorgezogene Altersrente zu beziehen. Für alle, die mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, wird das Renteneintrittsalter seit 2012 stufenweise angepasst. Wer zu den Jahrgängen 1949 bis 1963 gehört, kann noch vor seinem 65. Geburtstag ohne Abschläge in Rente gehen. Für diejenigen, die 1964 oder später geboren sind, beträgt das Renteneintrittsalter auch nach 45 Beitragsjahren 65 Jahre.

Beratung durch Steuerberater

Erwerbstätige, die mindestens 35 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung entrichteten, können mit 63 in Rente gehen – allerdings mit Abschlägen. „Vor allem jene, die die vorgezogene Altersrente nur mit Abschlägen beziehen, sollten sich vor einem Hinzuverdienst beraten lassen“, sagt von der Heide. Die Beratung sollte zum einen von einem Steuerberater erfolgen. Erwägt man, bei einer vorgezogenen Rente beim bisherigen Unternehmen zu bleiben, sollte auch der Arbeitgeber kontaktiert werden. Generell empfiehlt es sich aber auch für alle anderen, mit ihrem Arbeitgeber den Schritt zu besprechen. „Denn es kann im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt sein, dass bei Bezug einer Altersrente das Beschäftigungsverhältnis automatisch erlischt“, so von der Heide. Zudem kann sich der vorzeitige Bezug einer Altersrente auf die Betriebsrente auswirken.

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Wichtig: Durch einen Hinzuverdienst kann ein Frührentner die reguläre Altersrente erhöhen. Dafür sorgen die Rentenversicherungsbeiträge, die im Beschäftigungsverhältnis erworben werden. (dpa)


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