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Corona-Lockdown: Bitter für Sachsen, aber notwendig

Sachsen geht erneut in den Lockdown. Um die Bürger hinter sich zu bringen, muss die Politik aber aus alten Fehlern lernen. Ein Kommentar von Gunnar Saft.

Sachsen will die Corona-Regeln erneut verschärfen. SZ-Redakteur Gunnar Saft kommentiert das Vorhaben der Landesregierung.
Sachsen will die Corona-Regeln erneut verschärfen. SZ-Redakteur Gunnar Saft kommentiert das Vorhaben der Landesregierung. © Kira Hofmann/dpa

Es ist eine bittere Entscheidung und sie trifft die Sachsen in der Weihnachtszeit besonders hart. Aber es ist auch eine notwendige Entscheidung.

Die Ankündigung zum zweiten harten Lockdown in diesem Jahr ist das späte Eingeständnis der sächsischen Staatsregierung, dass die bisherigen Maßnahmen, mit denen man im Herbst auf eine Eindämmung der Corona-Pandemie setzte, ihren Zweck nicht erfüllt haben. Im Gegenteil, der Freistaat ist mittlerweile Deutschlands Corona-Hotspot ohne Aussicht auf eine schnelle Besserung.

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Zu Recht hadert Ministerpräsident Michael Kretschmer damit, dass ein Grund für die extrem hohen Infektionszahlen im eigenen Land auch in der Haltung einiger Mitbürger liegt, welche die Risiken der weltweiten Pandemie bewusst oder unbewusst unterschätzen. Gleichzeitig räumt er aber überraschend offen ein, dass man beim ersten Lockdown im Frühjahr Fehler gemacht habe, weil man in etliche Bereichen zu restriktiv gehandelt und aus heutiger Sicht unnötige Einschränkungen vorgenommen hat.

Genau das macht die Aufgabe, die Mehrheit der Bevölkerung von der Notwendigkeit einer erneuten Stilllegung des öffentlichen Lebens zu überzeugen, diesmal sehr viel schwerer. Was seiner Staatsregierung bleibt, ist der berechtigte Hinweis auf die ungleich höheren Infektionszahlen als noch vor einem halben Jahr.

Sachsen braucht nachvollziehbare Maßnahmen

Die Akzeptanz für den zweiten Rettungsversuch in puncto Corona-Krise wird vor allem davon abhängen, wie nachvollziehbar das neue Maßnahmenpaket in jedem Detail für die davon betroffenen Menschen ist und wie konsequent die Regierung es in den kommenden Wochen tatsächlich umsetzen kann. Kretschmers Appell an alle Bürger, die Regeln künftig strikt einzuhalten, ist richtig – es ist aber auch eine Art Hilferuf in eigener Sache.

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Sachsens Koalitionsregierung braucht wieder mehr Vertrauen, um das Land durch diese schwierige Zeit zu bringen. Das Eingeständnis eigener Fehler und die Bereitschaft zu Korrekturen können dabei nur helfen. Je schneller Bürger spüren, dass es der Politik tatsächlich zuallererst um sie geht, wird eine wichtige Mehrheit hinter den Entscheidungen stehen.

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