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Döbeln: Einzelhändler schieben Frust

Den Händlern in der Region Döbeln fehlt die Perspektive. Vielen droht, durch Corona die Luft auszugehen. Die Friseure haben es besser.

Grit Neumann, Vorsitzende des Stadtwerberings, ist mit ihrem Friseursalon selbst vom Lockdown betroffen. Während die Einzelhändler noch keine Aussichten auf Lockerungen haben, können die Friseure bald wieder loslegen.
Grit Neumann, Vorsitzende des Stadtwerberings, ist mit ihrem Friseursalon selbst vom Lockdown betroffen. Während die Einzelhändler noch keine Aussichten auf Lockerungen haben, können die Friseure bald wieder loslegen. © Lars Halbauer

Döbeln. Für die kleinen Einzelhändler gibt es auch nach den neuen Festlegungen immer noch keine Perspektiven, wie es mit der Öffnung ihrer Läden weitergeht. Bis in den März hinein bleibt erst einmal alles, wie es ist und mit ungewisser Zukunftsperspektive. Einen Lichtblick gibt es für die Friseure, die ab 1. März wieder öffnen können.

Grit Neumann, die Chefin des Döbelner Stadtwerberings, vertritt die Händlerschaft und sieht das Ganze auch aus Sicht der Friseure. Sie hat selbst einen Salon an der Stadthausstraße.

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Gleich am Mittwochabend seien die ersten Reaktionen von Händlern gekommen. „Einige sind entsetzt“, sagte Grit Neumann. „Wir überlegen, ob wir noch mal eine Aktion starten.“ Die Döbelner Händler hatten sich im Januar auch an der bundesweiten Aktion „Wir machen auf...merksam“ beteiligt.

Einige Händler haben ihre Schaufenster verhängt, darunter auch das City-Kaufhaus in Döbeln. „Hier stirbt ein Kaufhaus“ ist im verdunkelten Schaufenster zu lesen.

Einzelhändler in Döbeln mit guten Hygienekonzepten

Der Stadtwerbering lässt einige Banner anfertigen, um in der Stadt auf Click & Collect aufmerksam zu machen. Die Leute können sich dann bestellte Ware an der Tür des Geschäfts abholen, was zumindest wieder ein bisschen Leben in die City bringen könnte.

Unter der derzeitigen Situation leiden auch die Läden, die noch öffnen dürfen, sagte Grit Neumann. Dazu seien noch viele Leute in Kurzarbeit. „Das macht sich in einer Kleinstadt sehr bemerkbar, wenn diese Kaufkraft fehlt.“

Grit Neumann hält den Einzelhandel nicht für den Treiber der Pandemie. Die Einzelhändler könnten die Einhaltung der Bestimmungen gut überwachen. „Was dagegen in manchen Supermärkten abgeht, das ist erschütternd. Dort sind Leute ohne Maske unterwegs und andere haben sie unter der Nase, auch die Wägen werden nicht desinfiziert.“

Friseure können ab 1. März loslegen

Sie selbst bereitet sich mit ihrem Team darauf vor, ab 1. März wieder Frisuren in Form zu bringen. Pro Person seien zehn Quadratmeter Fläche vorgeschrieben. „Zum Glück ist mein Geschäft 120 Quadratmeter groß.“ Statt einem Abstand von 1,50 Meter sei jetzt ein Radius dieser Größe vorgeschrieben.

Deshalb sollen sogenannte Roll-Ups als textile Trennwände zwischen den Arbeitsplätzen aufgestellt werden. Die ersten Anfragen von Kundinnen seien schon am Mittwochabend hereingekommen. „Am Donnerstag ging es die ganze Zeit“, sagte Grit Neumann.

Sie lobt den Zusammenhalt, den die Friseure in der Krise bewiesen hätten, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. „Das hat mich überrascht, da gab es keinen Konkurrenzgedanken.“ Diese Initiative habe den Einzelhändlern vielleicht etwas gefehlt, sagte sie.

Enttäuschung bei Händlern in Waldheim

„Wir sind alle enttäuscht. Ich habe erwartet, dass wir am 1. März wieder öffnen dürfen“, sagte Gudrun Engert-Popko, Uhrenhändlerin und Mitglied des Gewerbevereins in Waldheim. „Wie lange sollen wir das noch durchhalten? Wer nicht etwas zurückgelegt hat, der macht bald ganz zu. Wir haben alle Wut. Fragen Sie nicht, wie es in uns aussieht.“

Die Händlerin glaubt nicht, dass Mitte März die Geschäfte wieder öffnen können. Dabei brauchten die Händler diese Perspektive. Die Möglichkeit von Click & Collect sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Viele ältere Kunden schauen nicht auf Internetseiten. Manche Händler haben auch gar keine.“

Kleine Städte anders behandeln

Die Ursache für die Verbreitung von Corona sei nicht der Einzelhandel, ist die Juwelierin überzeugt. „Die Geschäfte haben so gute Hygienekonzepte. Vielleicht sollte man eine kleine Stadt auch anders behandeln, als ein großes Einkaufscenter. Die Kunden sind vernünftig und tragen Masken.

Wir haben im Geschäft Plexiglasscheiben und so viel Platz, dass wir auch zwei Kunden gleichzeitig beraten können.“ Die Händlerin machte auf einen Widerspruch aufmerksam. „Warum darf ein Blumenhändler nicht öffnen, aber Kaufland darf Blumen verkaufen, und dort tummeln sich die Menschen.“

Auch Cindy Krause, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Mittelsachsen, beklagt die fehlende Öffnungsperspektive für die Händler. Viele sitzen noch auf den Winterwaren, die durch Click & Collect jetzt erst langsam verkauft werden können.

„Das gleicht zumindest etwas die Wettbewerbsverzerrung aus, die sich dadurch ergibt. dass Ketten wie Kaufland oder Rossmann verkaufen dürfen. Das wird die Händler aber auf Dauer nicht retten.“ Diesen fehle die Liquidität, um die neuen Waren, die im Zulauf sind, zu bezahlen. „Der Schuldenberg wächst immer weiter.“

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