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Elbsandstein: Die Hotels öffnen

Nach sieben Monaten Schließzeit dürfen die Herbergen wieder Gäste empfangen. Zwei Hoteliers erzählen, wie es nach dem Lockdown weitergeht.

Brückenschänke-Inhaberin Barbara Motz: Nur nicht die Nerven verlieren.
Brückenschänke-Inhaberin Barbara Motz: Nur nicht die Nerven verlieren. © Daniel Schäfer

Am Dienstagvormittag gönnt sich Barbara Motz seit langer Zeit wieder einen Kaffee. Mit ihrem Mann Andreas betreibt sie das Hotel "Brückenschänke" in Sebnitz, direkt am Viadukt der Sächsischen Semmeringbahn gelegen. Eine über sieben Monate lange, coronabedingte Schließzeit liegt hinter ihnen, sehr nervenaufreibend. Keine Gäste, keine Einnahmen, nicht einfach zu verkraften für eine kleine familiengeführte Herberge mit 14 Zimmern.

Lange wusste niemand, wann und wie es weitergeht, Existenzangst schlich sich ein. "Das alles hat uns sehr aufgewühlt", sagt Barbara Motz, "daher haben wir uns das Kaffeetrinken abgewöhnt." Sie wollte die Nervosität, die gewaltig auf den Magen schlug, nicht noch mit Koffein befeuern. Doch nun gibt es einen Lichtblick. Ein Lieferant hat gerade frischen Spargel und Erdbeeren gebracht, überall im Haus wird geputzt - Vorboten für einen baldigen Neustart.

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Tourismus-Neustart mit Auflagen

Weil der Inzidenzwert seit mehr als fünf Tagen unter 50 liegt, dürfen ab 10. Juni Hotels und Herbergen in der Sächsischen Schweiz wieder öffnen und Gäste empfangen. Allerdings gelten noch Auflagen: So müssen Touristen zu Beginn des Aufenthalts einen negativen Test vorlegen oder nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind.

Möglicherweise müssen sie sich auch im Urlaub wiederholt testen, in den Häusern gelten weiterhin die üblichen Masken-, Hygiene- und Abstandsregeln. Aber immerhin: Der Tourismussektor kann wieder hochfahren.

Alles für die Hygiene

Bei vielen geschieht das schrittweise, ein wenig Vorlauf brauchen die meisten Häuser, die Brückenschänke begrüßt am Sonntag die ersten Gäste nach der Zwangsruhe. Barbara und Andreas Motz haben sich auf die neue Situation gut vorbereitet. Im Haus richteten sie Einbahnstraßen ein, damit sich die Gäste nicht mehr als nötig begegnen.

Zudem kauften sie Trennwände, Desinfektionsmittel, Masken, Handschuhe, Einweg-Handtücher. Sie besuchten sogar einen Hygiene-Kurs beim DRK, um im Hotel selbst testen zu können. "Die Gäste", sagt Barbara Motz, "sind bei uns sehr sicher."

Die Fläche für die Außengastronomie wurde vergrößert, um die Tische weiter auseinanderzurücken. Der Nachteil: Vorerst können dort nur Hotelgäste bewirtet werden.

Aber ab Oktober, so hoffen die Inhaber, ist die Brückenschänke dann wieder für Einheimische, Familien- und Weihnachtsfeiern und vieles mehr bereit. Und noch etwas gelang in der Schließzeit: Die Herberge ließ sich erneut zertifizieren, zu den drei Sternen gesellte sich der Zusatz "Superior" dazu. "Nun freuen wir uns riesig auf die Wiedereröffnung", sagt Barbara Motz.

Alle Mitarbeiter sind geblieben

Diese Freude teilt auch Ralf Thiele, Geschäftsführer der "Pura Hotels GmbH" in Bad Schandau. Das dazugehörige Parkhotel in Bad Schandau beispielsweise öffnet am 11. Juni die Hotellerie, am 12. Juni folgt das Forsthaus, erst mit der Außengastronomie, wenig später mit dem Übernachtungsangebot. "Es ist ein herrliches Gefühl, dass wir wieder öffnen dürfen", sagt Thiele. Denn nach über sieben Monaten Schließzeit war jetzt endgültig die Schmerzgrenze erreicht.

Die Häuser laufen nicht gleich im Vollbetrieb, sie werden zunächst maximal zu 80 Prozent ausgelastet. Die neuen Abläufe müssen sich erst einspielen.

Um für den Neustart gerüstet zu sein, gab es unlängst Schulungswochen mit dem Personal. "Alle sind hoch motiviert", sagt Thiele.

80 Mitarbeiter beschäftigt Pura, dem Unternehmen gelang es, trotz Lockdown alle zu halten. Viele von ihnen war sogar durchweg beschäftigt. "Man kann die Häuser nicht sieben Monate komplett leer stehen lassen", sagt der Geschäftsführer.

Überdies gab es für die Haustechniker viel zu reparieren und instand zuhalten. Bei dem Rest, der in Kurzarbeit war, stockte die Firma das Kurzarbeitergeld auf, damit die finanziellen Einbußen nicht so gravierend ausfallen.

Ralf Thiele, Geschäftsführer der "Pura Hotels GmbH" in Bad Schandau: Viel länger hätte die Zwangsruhe nicht dauern dürfen.
Ralf Thiele, Geschäftsführer der "Pura Hotels GmbH" in Bad Schandau: Viel länger hätte die Zwangsruhe nicht dauern dürfen. © Daniel Schäfer

Verluste halbwegs kompensiert, Ballsaal renoviert

Insgesamt ist das Unternehmen wirtschaftlich einigermaßen passabel durch die Schließzeit gekommen. Man habe, so Thiele, in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und somit eine solide finanzielle Basis. Gleichwohl gingen mit dem Lockdown immense Verluste einher, die mit Überbrückungshilfen etwas abgefedert werden konnten. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt Thiele. Viel länger hätte die Zwangsruhe aber nicht dauern dürfen.

Die coronabedingte Flaute nutzte der Hotelbetrieb, um einiges zu modernisieren und zu digitalisieren. Es gibt ein neues Buchungssystem, digitale Gästekarten, darüber hinaus neue vegane und vegetarische Gerichte, ebenso neue Wellnessangebote. Auch der große Ballsaal im Parkhotel wurde komplett renoviert.

Die Gäste wird es freuen, schon seit geraumer Zeit ist die Nachfrage nach Quartieren enorm, vor allem viele Stammgäste warten ungeduldig auf den Neustart. "Wenn sich in den nächsten Tagen so richtig die Reiselust einstellt, werden wieder viele Touristen in die Sächsische Schweiz kommen", sagt Thiele.

Tourismusverband hofft auf einen starken Sommer

Darauf hofft auch Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz. "Wir haben lange auf diesen Tag gewartet", sagt er, "und nun sind wir froh, dass der Tourismus wieder aufleben kann."

Der Verband registriert schon seit Wochen eine große Nachfrage nach Urlaubsdomizilen, allein in der Nacht zum Dienstag gab es 60 Buchungsanfragen. Um dieses Interesse nicht erlöschen zu lassen, schickte der Verband schon seit Jahresbeginn Unmengen Info-Material in die gesamte Republik.

"Wenn jetzt alles wieder anläuft, kann es sicher so ein starker Sommer werden wie 2020", sagt Richter. Gleichwohl wird es eine Weile dauern, ehe sich die Branche erholt.

2020 gab es, vor allem dem ersten Lockdown geschuldet, 14 Prozent weniger Übernachtungen in der Sächsischen Schweiz als 2019. In diesem Jahr rechnet Richter mit 30 bis 35 Prozent weniger Übernachtungen. "Auch wenn es jetzt gut läuft, lässt sich der Rückstand in diesem Jahr wegen der langen Schließzeit nicht mehr aufholen", sagt der Geschäftsführer.

Doch er ist guter Dinge, dass die Gästezahlen in naher Zukunft wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen - auch wenn es seine Zeit braucht.

Täglich für die Hoteliers gebetet

In allem schwingt aber auch noch eine große Unsicherheit mit. Barbara Motz sieht mit gemischten Gefühlen in die Zukunft, weil noch niemand weiß, ob es das jetzt war mit der Pandemie oder ob im Herbst ein weiterer Lockdown droht.

Gleichwohl ist sie allen Stammgästen dankbar, die ihrem Haus die Treue hielten. Viele riefen regelmäßig an, schrieben Briefe, dachten an die Hotelbetreiber. Einer hat sogar täglich für sie gebetet. "Das alles hat uns geholfen", sagt Barbara Motz, "nicht die Nerven zu verlieren."

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