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Joker für Großküchen aus Berggießhhübel

Eloma stellt Wunderwerke für Köche in der ganzen Welt her. Corona hat der Betrieb gemeistert. Doch jetzt hat er ein Problem.

Eloma-Anwendungsleiter Sven Piasek kennt Joker, Genius und die anderen Geräte in- und auswendig.
Eloma-Anwendungsleiter Sven Piasek kennt Joker, Genius und die anderen Geräte in- und auswendig. © Karl-Ludwig Oberthür

Es sieht in der Werkhalle aus wie eine Waschmaschine, fertig dann wie eine große Mikrowelle oder ein Backofen. Doch das Teil trägt nicht umsonst den Namen Joker. Das geniale Gerät der Berggießhübler Firma Eloma kann kochen, backen, braten, dünsten, dämpfen, grillen - nur eben nicht Wäsche waschen. Jeder kennt die Geräte, die in Tankstellen einen Snack wärmen, im Supermarkt Brötchen backen oder an der heißen Theke fürs Essen sorgen. Für die Fachwelt heißt er Kombidämpfer und begeistert Köche in 65 Ländern von Amerika bis Japan. Und nicht nur die. Drei Preise hat der Berggießhübler Joker schon bekommen. Einen amerikanischen Preis für Küchenneuheiten, einen Design- und einen Innovationspreis.

Noch könnte es auch eine Waschmaschine werden. Doch Elektroniker Lars Förster sorgt dafür, das das Gehäuse zu einem der vielseitigen Küchenwunder wird.
Noch könnte es auch eine Waschmaschine werden. Doch Elektroniker Lars Förster sorgt dafür, das das Gehäuse zu einem der vielseitigen Küchenwunder wird. © Karl-Ludwig Oberthuer

Was ist am Joker so genial? Zunächst fällt die Farbe auf. Küchengeräte wie eben Kocher, Mikrowellen, Backautomaten und Bräter sind in der Regel metallfarbig, grau, schwarz. Der Joker kommt außerdem in Blau und Rot daher. Für Köche ist die Farbe zwar auch wichtig, aber entscheidend ist, was der Joker kann und das ist kurzum alles. Zum Beispiel kann man den Speiseplan für die ganze Woche programmieren. Das komplette Menü pro Tag mit Gemüse, Beilage, Soße, Fisch oder Fleisch. Man darf dann nur nicht vergessen, die entsprechenden Zutaten reinzustellen und den Joker anzuschalten.

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Köche müssen verzichten und vertrauen

Neben dem Joker gehört der "Genius" zu den Wunderwerken aus der Eloma-Produktion. Der nimmt dem Koch fast alles ab, nur nicht das Entscheidende: Das richtige Programmieren. Von Apfelkuchen mit Streusel bis zum Coq au Vin, Geflügel in Rotwein, sind 169 Speisen einprogrammiert. Wem das zu viel oder immer noch nicht die richtigen sind, kann das ändern. Zudem sind bis zu 20 einzelne Garschritte möglich. So viel Technik ist manchem Koch unheimlich. Schließlich heißt kochen kosten, abschmecken, Deckel lüften, riechen. Auf all das muss der Koch verzichten und der Maschine vertrauen. Abteilungsleiter Sven Piasek weiß, wie schwer Köchen beides fällt, das Programmieren und das Verzichten. Deshalb muss das Programmieren so einfach wie möglich sein.

Vielfalt rettete übers Corona-Tief

Nachdem die Berggießhübler 2019 ihren Joker auf einer Messe in Italien vorstellten, sollte das Gerät 2020 voll durchstarten und in Serie gehen. Stattdessen wurde zwischen April und Juni kurzgearbeitet. Die Vielfalt der Berggießhübler Produkte hat dem Betrieb aber trotzdem geholfen. Sie bauen Kombidämpfer in allen Größen und auf individuelle Wünsche für die klassische Gastronomie, für Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegeheime, für Supermärkte und Fastfood-Unternehmen. Während die stationäre Gastronomie im letzten Jahr gezwungenermaßen einbrach, was auch Eloma spürte, legten all die, die Essen außer Haus anbieten, zu. "Dass wir in allen Bereichen ordentlich Fuß gefasst haben, hat uns nun gerettet", sagt Werkleiter Jens Kulke.

Bekannte Vorfahren in Gottleuba

Nun, da zum Teil sogar schon wieder Überstunden gemacht werden, hat Eloma ein anderes Problem: Die Fachkräfte. 96 Mitarbeiter, inklusive Lehrlinge, hat Eloma in Berggießhübel. Das Werk gehört zum Unternehmen mit Sitz im bayrischen Maisach. Dort wurde es 1975 gegründet, 2002 kam Berggießhübel dazu. Für die künftigen Joker und alle anderen Wunderwerke sucht Eloma Mechatroniker, Lageristen, Entwickler, Kaufleute, Schweißer. Tag der offenen Tür geht aktuell nicht, in Schulen gehen auch nicht und auch die Test- und Vorführküche im Betrieb bleibt kalt.

Von außen verrät nichts, was drinnen produziert wird: Eloma ist seit 2000 im Berggießhübler Gewerbegebiet Am Ladenberg ansässig. 2013 war angebaut worden.
Von außen verrät nichts, was drinnen produziert wird: Eloma ist seit 2000 im Berggießhübler Gewerbegebiet Am Ladenberg ansässig. 2013 war angebaut worden. © Karl-Ludwig Oberthuer

Hinzu komme, dass wohl viele in der Region gar nicht wissen, was Eloma eigentlich macht, sagen Piasek und Kulke. Dabei haben Joker und Genius bekannte Vorfahren in Bad Gottleuba. In der dortigen Maschinenfabrik wurden vor den Maschinen nämlich die Leinbrock-Kaffeemühlen hergestellt. Die Gottleubaer Maschinenfabrik, kurz Mafago, kam nach der Wende zur Palux GmbH, die bis 2011 kooperierten. Kaffeemühlen und Kombidämpfer: So weit liegt beides gar nicht auseinander. Immer geht es darum, dass es gut schmeckt.

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