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Eltern sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder

Mit Plakaten, Unterschriftensammlung, Spaziergang wird in Weißwasser protestiert. Ziel: Aus von Test- und Maskenpflicht für Schüler.

Marcel Schwertle, Kati Gombos und Daniela Knaack gehören zu den Aktiven der von Eltern gestarteten Protestaktion in Weißwasser. Alle Eltern eint ein Ziel: Ein Ende der Test- und Maskenpflicht an Schulen – aus Sorge um die Folgen für die Gesundheit ihr
Marcel Schwertle, Kati Gombos und Daniela Knaack gehören zu den Aktiven der von Eltern gestarteten Protestaktion in Weißwasser. Alle Eltern eint ein Ziel: Ein Ende der Test- und Maskenpflicht an Schulen – aus Sorge um die Folgen für die Gesundheit ihr © Sabine Larbig

Weißwasser. Als die kleine Gruppe junger Eltern an der Pestalozzi-Grundschule in Weißwasser vorbeigeht, winkt ein Mädchen. „Das ist meine Nichte“, erzählt Daniela Knaack lächelnd. Im Gegensatz zu ihr ist ihr Kind nicht in der Schule. So, wie Töchter und Söhne anderer Eltern, die sich durch die Test- und Maskenpflicht an Schulen um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen und sie daher zu Hause lassen.

Besorgte Eltern aus Weißwasser, Bad Muskau und Schleife haben sich nun in einer Facebook-Gruppe „ElternStehenAuf WSW“ zusammengeschlossen, um sich im Kampf gegen Test- und Maskenpflicht Gehör zu verschaffen. „Wir sind weder Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker noch Anhänger einer bestimmten Partei. Uns geht es um das Wohl unserer Kinder“, erklärt Marcel Schwertle. Und genau das sehen die Eltern gefährdet.

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Betretungsverbot bestätigt

„Durch ständiges Tragen der Maske, selbst in der Grundschule, wird die Aufnahme von Sauerstoff verhindert, was Gesundheitsschäden verursachen kann. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, es kann zu Augenproblemen, Kopfschmerzen, Schwindel und Kurzatmigkeit kommen. Solche Symptome sind gefährden das Kindeswohl. Von möglichen langfristigen Erkrankungen und Beeinträchtigungen ganz zu schweigen. Denn die Auswirkungen werden sich erst nach Jahren zeigen“, ist nicht nur die Mutter, die anonym bleiben möchte, überzeugt. Kati Gombos bemängelt: „Im Arbeitsschutz gelten klare Regeln für Masken. Aber nicht für unsere Kinder.“

Außerdem richtet sich ihre Kritik dagegen, dass zwei Mal in der Woche an den Schulen Corona-Tests durchgeführt werden, obwohl der Freistaat in seiner Corona-Schutzverordnung „soll“ angebe. Damit hat sie zwar Recht. Doch das Sächsische Oberverwaltungsgericht wies in seinem Urteil vom 23. März 2021 bereits Eilanträge von Schülern beziehungsweise Eltern gegen das Zutrittsverbot an Schulen für Ungetestete ab. Auch der Sächsische Lehrerverband begrüßte das Urteil, ist für die konsequente Umsetzung der Testpflicht für alle Schüler an allen Schulen. Laut Verband seien verpflichtende Corona-Tests ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Präsenzunterricht.

Dass Schüler, auch der Primarstufe, sich zweimal pro Woche auf eine Corona-Infektion testen lassen sollen, schrieb auch Kultusminister Christian Piwarz am 31. März 2021 in einem Brief an alle sächsischen Schulleiter. Darin heißt es weiter: „...Nur wer aufgrund des Tests in der Schule oder einer qualifizierten Selbstauskunft nachweislich nicht mit dem Coronavirus infiziert ist, darf ab 12. April 2021 das Schulgelände betreten“. Und Christian Piwarz verweist darauf, dass trotz Tests und der inzwischen möglichen Impfung der Pädagogen als zusätzliche Infektionsschutzmaßnahme das Tragen einer Mund-Nasenbedeckung im Unterricht ab Klasse 5 notwendig sei, um sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten.

Maske im Sportunterricht?

Für die Weißwasseraner Eltern sind derartige Festlegungen nicht akzeptabel. Sie vertreten die Meinung, durch die Tests würden die Schleimhäute der Nasen der Kinder immer wieder verletzt, Dauerreizungen hergerufen und Einfallsorte für Keime geboten. Und sie führen gegenüber TAGEBLATT an, dass Test- und Maskenpflicht weitere Probleme mit sich brächten. Angefangen bei ökologischen Folgen wie Unmengen produzierten (Sonder-)Mülls über mögliche falsche Ergebnisse oder Verunreinigungen der durch die Schüler selbst ausgeführten Tests bis zur Ausgrenzung von Kindern ohne oder mit Positiv-Test. Letztere würden oft über einige Stunden, bis Eltern sie abholen können, in Räumen separiert. Sie und jene, die zum Schutz ihrer Gesundheit von ihren Eltern zum Lernen zu Hause gelassen würden, hätten kaum Kontakt zu ihren Mitschülern, auf sie würde nicht selten mit Fingern gezeigt und sie bekämen online ganz anderen Lehrstoff als ihre Klassenkameraden. „So, wie mein Sohn“, unterstreicht Daniela Knaack.

Letzteres ist zulässig. „...Die Kinder und Jugendlichen müssen die Lernzeit zu Hause verbringen und werden mit Lernaufgaben versorgt. Mit einer vollumfänglichen Betreuung durch Lehrkräfte, wie zu Zeiten der Schulschließungen oder im Präsenzunterricht, kann nicht gerechnet werden“, heißt es dazu im offiziellen Blog des Kultusministeriums. Aus Sicht von Daniela Knaack ist es nicht nachvollziehbar. Dies gelte auch für die Tatsache, dass Eltern vom Jugendamt angeschrieben werden mit der Aufforderung, Kinder zur Schule zu schicken und testen zu lassen. „Es ist ein enormer Druck, der sich letztlich auf die Psyche der Kinder auswirkt. Das muss aufhören“, fügt Kati Gombos hinzu. Ganz unverständlich ist für Marcel Schwertle außerdem, dass in der Bruno-Bürgel-Schule Weißwasser, wo auch eines seiner Kinder lernt, selbst im Sportunterricht, „außer beim Rennen“, Maske zu tragen ist. „Das kann doch eben so wenig sein, wie Schüler denen durch’s Maske tragen schlecht wird, nur kurz im Flur oder am Fenster Luft schnappen zu lassen, bevor es weitergeht.“

Der Vater ist nicht der Einzige, den solche Fragen bewegen, wie der Ministeriumsblog zeigt. Zum Thema Masken und Sport heißt es da auf eine Anfrage, dass im Schulalltag „selbstverständlich Masken-Pausen“ vorgesehen seien. Wann und wo das geschehe, entscheide die jeweilige Schule. Und es wird auf die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung verwiesen, nach der die Maskenpflicht nicht im Sportunterricht, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werde, gelte.

Mit diesem Plakat wird für die Unterschriftenaktion geworben.
Mit diesem Plakat wird für die Unterschriftenaktion geworben. © privat

Protestaktion geplant

Weil aus Sicht der Eltern aus Weißwasser und dem Umland noch so manches an den Schulen im Argen liegt, anders als möglich gehandhabt wird und sie erreichen wollen, dass alle Schüler ohne Masken- und Testzwang lernen können, haben sie inzwischen eine Online-Petition gestartet. Parallel läuft seit ein paar Tagen eine Unterschriftenaktion, für die sich schon 300 Unterzeichner fanden. „Es zeigt, dass das Thema viele Menschen bewegt. Deshalb schreiben wir auch Briefe an alle Schulen der Stadt und Region, ans Ministerium und den Ministerpräsidenten, in denen wir unsere Standpunkte darlegen und begründen“, so Kati Gombos.

Um indes ihre zu Hause lernenden Kinder zu unterstützen, denken sie über die Bildung einer Lerngruppe nach. Idealerweise mit Unterstützung von Pädagogen. „Und wir planen einen Spaziergang von der Schwimmhalle zum Markt Weißwasser mit Kindern, Luftballons, Flyern und Plakaten, um auf unser Anliegen und Gründe aufmerksam zu machen“, verrät Daniela Knaack. Die Protestaktion sei für den 30. April, ab 16.15 Uhr geplant.

Kontakt zu den Eltern: 0174 6258789 oder [email protected]

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