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Corona: Piwarz will Präsenzprüfungen an Unis

Trotz Pandemie sollen Sachsens angehende Lehrer das Staatsexamen in den Unis schreiben. Forderungen nach digitalen Prüfungen lehnt das Land ab.

700 Lehramtsstudierende schreiben Ende März ihr Staatsexamen.
700 Lehramtsstudierende schreiben Ende März ihr Staatsexamen. © Sven Ellger

Dresden. Mehr als 1.200 angehende Lehrer werden in Sachsen demnächst ihren Abschluss machen, um in den Schulalltag zu starten. Dafür müssen sie eine zweistündige Klausur, das Staatsexamen schreiben. Das Problem an der Sache: Die Prüfungen werden trotz Pandemie in Präsenz stattfinden.

Ende März sollen 700 Lehramtsstudierende gleichzeitig in den Hörsälen der Technischen Universität (TU) Dresden ihre Staatsexamen absolvieren. Anfang April kommen nochmal knapp 500 angehende Lehrer an die Leipziger Hochschule. Dabei wurden fast alle Prüfungen der verschiedensten Studienfächer digital angepasst. Warum gilt für die Lehramtsstudierenden eine Sonderrolle?

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"Für das Staatsexamen ist das sächsische Kultusministerium zuständig, für die anderen Prüfungen sind es die Universitäten selbst", erklärt Lehramtsstudent Adrian Weiß, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS). Das Ministerium fordert die angehenden Lehrer auf, zu Hunderten im Hörsaal zu erscheinen. Das wollen sie nicht länger hinnehmen.

Digitales Staatsexamen erwünscht

Die Lehramtsstudierenden warnen vor einem hohen Infektionsrisiko, nicht nur im Hörsaal, sondern allein schon bei der Anreise per Bus und Bahn. Um die Staatsexamen pandemiesicher durchzuführen, fordert die Studierendenvertretung Online-Klausuren.

In einem offenen Brief richten sie sich an den sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) und erbitten digitale Open-Book-Klausuren. Das heißt: Alle schriftlichen Hilfsmittel sind zugelassen, insbesondere Vorlesungsskript, Bücher, Wikipedia. Abgucken am eigenen Schreibtisch ist dann erlaubt.

Diese Art der Prüfungen wird im Frühjahr in fast allen Studienfächern durchgeführt. Die KSS sieht darin zugleich die Chance, das alte Klausurformat zu überdenken. "So müssen die Studierenden wirklich nachdenken und über das Gelernte reflektieren", argumentiert Adrian Weiß. "Als Lehrer darf man später auch alles nachlesen."

Kultusministerium hat alles vorbereitet

Das Kultusministerium begründet sein Vorgehen mit der sächsischen Verordnung über die Lehramtsprüfungen. Diese sehe ein digitales Staatsexamen nicht vor. Außerdem erlaube die sächsische Corona-Schutzverordnung Präsenzklausuren, sofern die Hygienevorschriften beachtet werden.

Weiterhin heißt es, dass alles vorbereitet sei. Die Prüfer hätten bereits die Aufgaben für die Prüfungen eingereicht. "Alle logistisch erforderlichen Vorbereitungen sind ebenfalls weit vorangebracht", erklärt Susann Meerheim, Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums. Die Studierenden hingegen kritisieren, dass über digitale Alternativen zu spät nachgedacht wurde.

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Auch Thüringen diskutiert, inwieweit das Staatsexamen online durchgeführt werden kann. In anderen Bundesländern gibt es solche schriftlichen Klausurprüfungen schon länger nicht mehr. Dort reicht es aus, eine sechsmonatige Staatsexamensarbeit zu schreiben, die auch in Sachsen vorgesehen ist. Sie ähnelt einer Diplomarbeit. Die KSS fordert deshalb generell die Abschaffung der schriftlichen Staatsexamensklausur.

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