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Deutschland & Welt

Erneut über 2.000 Corona-Neuinfektionen

Mit dem Ende der Sommerferien schien sich die Corona-Lage in Deutschland zu stabilisieren. Doch nun steigen mehrere Kennwerte merklich an.

Ein Schild fordert am Viktualienmarkt in der Münchener Innenstadt zum Tragen einer Mund und Nasen Bedeckung auf. Ab dem 24.09.2020 muss auf größeren Plätzen und Fußgängerzonen der Stadt eine Maske getragen werden.
Ein Schild fordert am Viktualienmarkt in der Münchener Innenstadt zum Tragen einer Mund und Nasen Bedeckung auf. Ab dem 24.09.2020 muss auf größeren Plätzen und Fußgängerzonen der Stadt eine Maske getragen werden. © Peter Kneffel/dpa

Berlin. Zum dritten Mal binnen gut eines Monats sind in Deutschland wieder mehr als 2.000 Corona-Neuinfektionen erfasst worden. Die Gesundheitsämter meldeten innerhalb eines Tages 2143 neue Fälle, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bekanntgab. Am 22. August hatte der Wert bei 2034 gelegen, am vorigen Samstag (19.9.) war mit 2297 neuen Corona-Infektionen der höchste Wert seit April erreicht worden. "Nach einer vorübergehenden Stabilisierung der Fallzahlen auf einem erhöhten Niveau ist aktuell ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten", hieß es vom RKI.

In einem am Mittwoch verbreiteten, schon vor einiger Zeit geführten Interview des World Health Summit hatte der Berliner Virologe Christian Drosten mit Blick auf die künftige weltweite Entwicklung erklärt: "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns." Deutschland dürfe sich nicht ausruhen. Mit Blick auf den Herbst müsse differenzierter und genauer auf die Entwicklungen im Ausland geschaut werden. "Wir müssen aufhören, uns über so Dinge wie Fußballstadien zu unterhalten. Das ist wirklich komplett irreführend."

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"Die Pandemie ist längst nicht vorbei"

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides forderte die EU-Staaten wegen vielerorts steigender Corona-Zahlen dringend auf, sofort gegenzusteuern. "Das ist womöglich unsere letzte Chance, eine Wiederholung des Geschehens im Frühjahr zu vermeiden", warnte sie am Donnerstag in Brüssel. "Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, die nötigen persönlichen Schutzmaßnahmen einzuhalten, also Abstand halten, Handhygiene und zuhause bleiben, wenn man sich krank fühlt", betonte die Chefin der EU-Seuchenbehörde ECDC, Andrea Ammon. "Die Pandemie ist längst nicht vorbei, und wir dürfen nicht unachtsam werden."

Ein Hinweis darauf, dass die Infektionslage wieder anzieht, ist auch, dass zuletzt ein größerer Anteil der Corona-Tests positiv ausfiel. Die sogenannte Positivenquote lag laut RKI-Lagebericht in der Woche vom 14. bis 20. September bei 1,19 Prozent (Vorwoche: 0,86). Das ist der höchste Wert seit mehr als zehn Wochen.

Auch bei der bundesweiten 7-Tage-Inzidenz zeichnet sich eine Entwicklung ab: Die Zahl erfasster Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Mittwoch bei 13,2. Eine Woche zuvor hatte sie bei 11,5 gelegen, vor zwei Wochen bei 9,9. Aktuell liege die 7-Tage-Inzidenz in den Bundesländern Bayern und Berlin sehr deutlich, in Hamburg und Nordrhein-Westfalen deutlich und in Baden-Württemberg und Bremen leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert, hieß es vom RKI.

Reproduktionszahl bei 0,79

Keine merkliche Veränderung lässt sich bisher bei der sogenannten Reproduktionszahl, kurz R-Wert, erkennen: Sie lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 0,79 (Vortag: 0,92). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI einen Sieben-Tage-R-Wert an, der weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegt. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen und lag bei 0,95 (Vortag: 0,99).

Kaum Veränderung gibt es bisher auch bei der noch niedrigen Auslastung der Intensivbetten. Sie geht Experten zufolge unter anderem darauf zurück, dass sich zuletzt anteilig viele jüngere Menschen infizierten, die seltener starke Symptome entwickeln. Aktuell nehme der Anteil der Fälle in der älteren Bevölkerung aber leicht zu, so das RKI. "Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten."

Der Bewerber um den CDU-Vorsitz, Norbert Röttgen, wollte nicht ausschließen, dass wegen der steigenden Corona-Zahlen wie im Frühjahr weite Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens heruntergefahren werden müssen. Röttgen sagte am Donnerstag in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland" zu einem möglichen zweiten Lockdown: "Man kann nichts ausschließen, wenn es darum geht, diese Pandemie wieder unter Kontrolle bringen zu müssen."

Lauterbach schließt neuen Lockdown aus

Zuvor hatte der SPD-Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach erklärt, er gehe nicht von einem zweiten Lockdown aus. "Die Wahrscheinlichkeit, noch einmal so einen Lockdown wie vor ein paar Monaten zu erleben, halte ich für gleich null", sagte er dem Nachrichtenportal watson.de (Donnerstag).

Drosten hatte kürzlich gesagt, es sei nicht zwangsläufig mit einer Neuauflage des Lockdowns zu rechnen. Er glaube, dass in Zukunft eher bestimmte Sparten des Alltags- und Berufslebens von Einschränkungen betroffen sein könnten.

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Im Frühjahr war allerdings noch wesentlich weniger getestet worden - und die Zahl erkannter Neuinfektionen hängt unter anderem mit der Zahl der Tests zusammen.

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