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Erst ein Pieks, dann zum Abendessen?

Die meisten Menschen in der Region Döbeln plädieren für Vorteile für Geimpfte. Andere nennen die Idee schlichtweg Quatsch.

Egal, welcher Impfstoff in der Spritze aufgezogen wird. Geimpfte sollen möglicherweise bald mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte.
Egal, welcher Impfstoff in der Spritze aufgezogen wird. Geimpfte sollen möglicherweise bald mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte. © dpa-Zentralbild

Region Döbeln. Durch Geschäfte schlendern, ein gemütliches Abendessen bei Kerzenschein im Restaurant oder mit den Kindern ein Bummel durch den Zoo – und alles ohne einen vorherigen Corona-Test. Diese „Sonderrechte“ sollen Geimpften möglicherweise bald eingeräumt werden. Die Menschen aus der Region Döbeln sind geteilter Meinung.

Nach Corona: Langsam zurück zur Normalität

„Wenn jemand geimpft ist, weshalb nicht“, meint ein Striegistaler. Allerdings sieht der 72-Jährige nicht, dass den Geimpften besondere Vorteile eingeräumt werden. „Ihnen stehen die Rechte zu, die sie auch vor der Pandemie hatten.“

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Einschränkungen sollte es nach der Zweitimpfung keine mehr geben. „Wenn jemand den Nachweis erbringen kann, dass er nicht mehr infektiös ist, sollte für ihn langsam die Normalität zurückkehren und das in allen Lebensbereichen.

Eine kleine Einschränkung macht der Mann dann doch. Es sollte die Möglichkeit geben, dass zum Beispiel Firmen, wie Busunternehmen, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung weiter fordern können – zum Schutz aller. „Und jeder sollte weiterhin immer eine Maske in der Tasche haben“, meint der Senior.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Der Druck in der Bevölkerung sei groß, „deshalb überrascht mich diese Überlegung gar nicht“, sagt eine Döbelnerin. Es sei von vornherein klar gewesen, dass irgendwann alles wieder geöffnet werden muss. „Und wie soll es anders gehen?“, fragt die 78-Jährige. Ein Rezept gebe es nicht.

Zwar seien alle Menschen frei in ihren Entscheidungen. Aber die Impfgegner sollten darüber nachdenken, wie es wäre, wenn sie sich selbst anstecken und mit einer Corona-Infektion auf einer Intensivstation landen. Die Frau jedenfalls befürwortet mehr Freiheiten für Geimpfte. „Es geht immer weiter“, ist sie optimistisch.

Lieber Kauf im Internet als Corona-Impfen

Ein Döbelner Paar sieht das aber ganz anders und bezeichnet die Überlegungen als „totalen Quatsch“. „Es sollte jeder die Berechtigung haben, am normalen Leben teilzunehmen, egal, ob er geimpft ist oder nicht“, meinen die beiden 36-Jährigen.

Und wenn es so weiter gehe, dass sie problemlos nur in Supermärkten einkaufen können, würden sie das, was sie dort nicht bekommen, eben weiter im Internet bestellen. „Oder die Kriminalitätsrate steigt wieder“, mutmaßt der Mann.

Differenziert betrachtet eine 43 Jahre alte Döbelnerin die möglichen Sonderrechte für Geimpfte. „Prinzipiell bin ich dafür. Im Moment finde ich es aber unfair“, sagt sie. Denn zurzeit dürfen sich noch nicht alle Menschen, die das wollen, impfen lassen.

Diese Möglichkeit müsse erst geschaffen werden, bevor die Lockerungen für Geimpfte in Kraft treten. „Wir müssen da jetzt einfach mal durch. Und es sollten nicht irgendwelche Hintertürchen geöffnet werden“, sagt sie bestimmt.

Auch die Kinder impfen

Mit vielen Covid-Patienten hatte es eine Döbelnerin bereits zu tun, die in einem Krankenhaus arbeitet. Die 35-Jährige hat auch Menschen auf der Intensivstation sterben sehen und sagt deshalb: „Es sollten sich alle impfen lassen – auch die Kinder."

Diese aber erst, wenn die Wirkungen des Impfstoffs noch weiter erforscht worden sind. Geimpfte könnten dann auch alle Freiheiten genießen.

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Zu denen gehören für eine Großweitzschenerin der Besuch des Fitness-Studios und der Sauna. Beides würde sie zuerst in Anspruch nehmen, gebe es für Geimpfte diese Chance. Dass diese gewisse Vorteile hätten, findet die 69-Jährige richtig und hofft auf einen baldigen Impftermin.

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