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Erste Schnittübungen im Friseur-Lockdown

Mitte Dezember war der letzte Termin beim Haar-Profi. Zuletzt war die Frisur mächtig ausgefranst. Was also tun? Vertrauen haben. Unsere Lockdown-Kolumne.

Wenn die Profis nicht dürfen, müssen die Laien ran an die Haare.
Wenn die Profis nicht dürfen, müssen die Laien ran an die Haare. © Harald Tittel/dpa

Dresden. Früher hat das mein Vater gemacht. Bei uns allen. Aber da hatten meine Brüder und ich noch raspelkurze Haare und es konnte nicht viel schief gehen, wenn er mit Schere und Kamm hantierte. Schnipp, schnapp, Haare ab. Die Kurzhaarfrisur war pflegeleicht und dank der immer gleichen Friseur konnte man uns auch gut als Geschwister erkennen.

Heute ist das anders. Regelmäßig müssen Friseurtermine gebucht werden, damit die Haarpracht nicht einem demolierten Vogelnest gleicht. Etwa alle sechs Wochen muss ein Profi mit Kamm, Schere und Haarschneidemaschine ran. Kostenpunkt für den Mann: irgendwas zwischen 20 und 30 Euro. Für viel weniger Geld ist der Haarschnitt - samt der wegen Corona vorgeschriebenen Haarwäsche - nicht zu haben.

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Doch was tun im Lockdown? Der letzte Friseurtermin war Mitte Dezember, kurz vor dem strengen Lockdown hat die Meisterin des Vertrauens noch einmal Hand angelegt. Jetzt war es Zeit für den nächsten Termin, aber sie nach Hause einzuladen, hätte nicht gepasst.

Einerseits hätte das für sie womöglich zu moralischen Probleme geführt - Profiarbeit ohne Bezahlung ist ja eigentlich nicht drin und mit Bezahlung ist sie derzeit verboten. Andererseits darf nur eine und bestenfalls immer nur dieselbe Person zu Besuch kommen.

Ansporn für weitere Einsätze als Friseurin

Also wurde ebendiese Freundin der Familie kurzerhand zur Friseurin ernannt. Schließlich hatte sie bereits erfolgreiche Erstversuche bei ihrer eigenen Familie hinter sich. Mit der familieneigenen Haarschneidemaschine und meiner Bartschere sollte das etwas werden, hoffte ich.

Eine halbe Stunde lang rasierte und schnippelte sie schließlich an mir herum, während ich still auf einem Hocker saß, umhüllt von einem großen Tuch meiner Frau als Frisierumhang. Dann präsentierte sie mir das Ergebnis - natürlich nicht mit einem Profispiegel, sondern vorm Spiegel im Bad.

Was soll ich sagen - alles zu meiner Zufriedenheit, soweit ich das sehen kann. Ein erfolgreicher Versuch, nach dem ihr Mann ihr im Internet gleich eine semiprofessionelle Ausstattung für ihre nächsten Einsätze als Friseurin bestellt hat. Als Ansporn für weitere Einsätze.

Von mir bekam sie nichts - schließlich sollte das ja keine Schwarzarbeit sein. Na gut, fast nichts. Das einzige Schwarze bei diesem Friseureinsatz war der Kaffee, den sie danach wollte. Den habe ich ihr dann auch aufgebrüht. Dafür würde ich sie auch noch einmal an meine Haarpracht lassen.

An dieser Stelle schreiben Redakteure der Dresdner Stadtredaktionen aus ganz persönlicher Sicht über Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Alltag im Lockdown.

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