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Es fehlt der Mut, eine Reise zu buchen

Corona bringt das Geschäft mit der Ferne fast zum Erliegen und die Reisebüros an wirtschaftliche Grenzen. Aber nicht nur an diese.

Evi Klotzsche-Bieler vom gleichnamigen Großenhainer Reisebüro vor ihrem Geschäft: "30 Jahre alles gegeben. Lasst uns leben!" steht inzwischen auf dem Schaufenster.
Evi Klotzsche-Bieler vom gleichnamigen Großenhainer Reisebüro vor ihrem Geschäft: "30 Jahre alles gegeben. Lasst uns leben!" steht inzwischen auf dem Schaufenster. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Es wird nicht besser. Seit Mittwochabend ist sich Evi Klotzsche-Bieler sicher, dass es keinen Sinn macht, übertriebene Hoffnungen zu hegen. Zumindest bis zum Rest dieses Jahres. Möglicherweise auch darüber hinaus. Wer weiß das schon? Die Inhaberin des gleichnamigen Großenhainer Reisebüros jedenfalls nicht. Ebenso wie alle anderen Bundesbürger hat auch sie nur zur Kenntnis nehmen können, dass Regionen in weiteren elf europäischen Ländern zu Corona-Risikogebieten erklärt worden sind. Landstriche in Dänemark, Tschechien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Aber auch welche in Portugal, Ungarn und Irland. Insgesamt letztlich 14 von 27 EU-Mitgliedsstaaten, die allesamt eine Reise wert wären. Unter normalen Umständen. 

Aber normale Umstände sind gerade nicht. Stattdessen wird angesichts der Pandemie nun auch vor Städten wie Kopenhagen, Dublin und Lissabon gewarnt. Selbst Bornholm, die lauschige Insel in der Ostsee, soll keine keimfreie Adresse mehr sein. Alles in allem keine guten Prognosen für all jene, die nach wohl verdientem Urlaub lechzen, angesichts der nahenden sächsischen Herbstferien in drei Wochen. 

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Erst recht nicht für Menschen, die wie die beherzten Inhaber der verschiedenen Großenhainer Reisebüros seit Jahren ihr Geld damit verdienen, das Fernweh anderer Leute zu stillen. Ihnen dabei zu helfen, die schönsten Zeiten des Jahres an einem anderen Ort zu verbringen und eigentlich Wegbereiter dafür sind, kleine und große touristische Träume zu erfüllen. 

Träume, die seit März indes unerwartet geplatzt sind. Einer nach dem anderen. Denn waren es erst der kurzfristig abgesagte Skiurlaub und der verpatzte Kurztrip über die Osterfeiertage im April, folgten danach die gestrichene, aber schon angezahlte Klassenfahrt der Kinder im Juni, und schließlich als krönendes finanzielles Debakel der notgedrungen stornierte Sommerurlaub in Spanien. "Abgesehen davon, dass es dadurch auch bei uns mau in der Kasse ausschaut, ist es bitter, mitzuerleben, welche Konsequenzen das teilweise für unsere Kunden hat", bekennt Evi Klotzsche-Bieler. Einerseits würden zwar viele Reiseveranstalter verständnisvoll auf etwaige Stornierungswünsche reagieren und seien bemüht, die Lasten so gering wie möglich zu halten. Andererseits kämen diejenigen, denen das Wasser inzwischen selbst bis zum Hals stehe, häufig nicht drumherum, die Kosten in gewisser Weise umzulegen.

Erst jüngst habe sie selbst so einen Fall gehabt. Trotz aller Bemühungen habe der Betroffene mehrere Tausend Euro Stornokosten bezahlen müssen. Für eine Reise, auf die er selbst sehr lange gespart habe, die er aufgrund der gegenwärtigen Situation gemeinsam mit kleineren Kindern aber nicht antreten wollte. Sein Pech: Zum Zeitpunkt der Absage wäre die betroffene Region kein Risikogebiet gewesen. "Das nimmt einen persönlich unheimlich mit! Und man kann guten Gewissens nichts raten, da sich die Bedingungen jeden Tag ändern können", erklärt Evi Klotzsche-Bieler. Sie selbst überzeuge niemanden, eine Reise zu buchen, denn man wüsste nie, wie es zum eigentlichen Termin am Ziel der Wahl ausschaue. 

Nichtsdestotrotz habe man gerade für den Monat Oktober eine vergleichsweise gute Buchungslage zu verzeichnen gehabt. Viele Familie hätten die Türkei auserkoren, seien dann jedoch teilweise erschrocken darüber gewesen, dass vor der Abreise im Urlaubsland ein Corona-Test absolviert werden müsse, der bei positivem Ausgang eine ungewollte Verlängerung des Aufenthalts im fremden Land nach sich ziehe. Abgesehen davon wäre die polnische Ostsee zum Renner avanciert und Deutschland hoch im Kurs. Beliebt zumindest bei all jenen, die sich überhaupt wagen würden, zu buchen. "Eigentlich würden die Kunden jetzt schon ihren Winter- oder Sommerurlaub fest machen. Aber da üben sich alle in großer Zurückhaltung. Es haben nur wenige Mut dazu", weiß Evi Klotzsche-Bieler.

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Die Inhaberin des Reisebüros hat ihren noch nicht verloren. Gemeinsam mit ihrem Team ist sie jeden Tag für die Kunden da. In der Hoffnung, dass es endlich wieder besser wird. Dass es endlich wieder aufwärts geht - und im Urlaub bald beruhigt woanders hin. 

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