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Es ist höchste Zeit zu handeln

Die Situation in Sachsen ist dramatisch. Doch ein Machtvakuum in Berlin blockiert weitere, dringend notwendige Schritte gegen die Pandemie. Ein Kommentar.

Von Annette Binninger
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Schwer erkrankte Patienten aus Bayern, Thüringen und Sachsen sind am Wochenende in aktuell weniger stark betroffene Kliniken im Norden und Westen Deutschlands gebracht worden.
Schwer erkrankte Patienten aus Bayern, Thüringen und Sachsen sind am Wochenende in aktuell weniger stark betroffene Kliniken im Norden und Westen Deutschlands gebracht worden. © Robert Michael/dpa

Die Bilder sind so bizarr verschieden. Sie lassen sich einfach nicht zusammenbringen, dabei hat die Wirklichkeit sie nahezu zur gleichen Zeit geschaffen. Deutschland im zweiten Pandemie-Winter, im Jahr 2021, taumelt zwischen beängstigenden Bildern von Rettungsflügen mit Intensiv-Patienten, die Krankenhäuser notdürftig entlasten sollen, und einem wohlig gefüllten Fußballstadion mit 50.000 Zuschauern in Köln, die ohne Masken und ohne Bedenken ihrem Verein zujubeln. Wie ist das möglich? Beides zur gleichen Zeit?

Da scheint nichts mehr geblieben von einem Land, das gemeinsam gegen die Wucht der inzwischen vierten Corona-Welle zusammensteht. Fast flehentlich drängen die Ministerpräsidenten von Sachsen und Bayern nahezu täglich darauf, dass die Bundesländer gemeinsam mit der Bundesregierung zusammenkommen und noch einmal die „Notbremse“ ziehen, die eigentlich inzwischen nur noch in einem harten Lockdown bestehen kann. Doch die Tage gehen ungenutzt vorüber, die Infektionszahlen steigen, die dramatische Überlastung von Ärzten und Pflegern ist spürbar – doch es geschieht nichts.

Das hilflose Schulterzucken einer alten Bundesregierung, die nicht mehr so richtig „dran“ ist und einer neuen Ampel-Führung, die noch nicht so ganz „dran“ ist, hat ein Machtvakuum entstehen lassen. Der Staat lässt in der höchsten Not seine Bürger hilf- und ratlos zurück. Dabei ist es längst höchste Zeit zu handeln.