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700 Personen bekamen Stöckers Impfstoff

Obwohl er nicht mehr impfen wollte, meldet sich der Ex-Euroimmun-Chef Stöcker zurück - und veröffentlicht Bezugsadressen für seinen Impfstoff.

Winfried Stöcker als gefragter Gesprächspartner, hier bei Stern-TV.
Winfried Stöcker als gefragter Gesprächspartner, hier bei Stern-TV. © Screenshot Stern TV

Görlitz. Winfried Stöcker steht zu seinem Impfstoff gegen Corona. Jetzt hat er in seinem Blog auch veröffentlicht, wie und wo Interessierte an ihn herankommen können. Winfried Stöcker wirbt auf seinem Internet-Auftritt dafür, dass sein "kleines Bagatell-Antigen", "erwartungsgemäß keinen Schaden anrichtet".

Gegen Winfried Stöcker laufen derweil immer noch zwei Verfahren. Ein Verwaltungsverfahren wird vom Landesamt für Soziale Dienste in Lübeck geführt, ein Ermittlungsverfahren von der dortigen Staatsanwaltschaft. Beide Verfahren laufen inzwischen schon seit Ende vergangenen Jahres. Ein Ende scheint nicht absehbar.

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"Es gibt noch keinen neuen Sachstand, über den ich die Presse unterrichten könnte", so die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst gegenüber der SZ. Winfried Stöckers Verteidiger, der FDP-Bundestagsvize Wolfgang Kubicki, äußerte sich zu dem Thema jetzt gar nicht.

Winfried Stöcker wiederum sieht sich offenbar in seiner Strategie bestätigt. "Es scheint einigen Behörden nicht zu gefallen, dass in Deutschland jeder Arzt einen Impfstoff selbst herstellen und ihn seinen Patienten verabreichen darf, indem er in seiner Praxis ein Antigen mit einem Adiuvans versetzt", schreibt er. Als Adiuvans wird ein Hilfsstoff bezeichnet, der die Wirkung eines Arzneimittels, eben beispielsweise bei einer Impfung unterstützt. Winfried Stöckers Argument: Erst wenn ein Antigen mit eben dem Adiuvans zusammengemischt wird, ist es ein Impfstoff. Dies könne, so seine Meinung, jeder Arzt in Deutschland legal seinen Patienten verabreichen.

"Drohkulisse" der Behörden

Inzwischen hat Winfried Stöcker in seinem Blog auch Adressen veröffentlicht, bei denen sein Impfstoff bezogen werden könne. Und er warnt: "Der Arzt darf den Impfstoff allerdings nicht an Dritte verkaufen."

Die Behörden, so kritisiert er, versuchten "eine Drohkulisse aufzubauen, wobei ihnen eine schlecht informierte Sensationspresse behilflich ist." Der Staat, so Winfried Stöcker, müsse sich aber an die geltenden Gesetze halten. "In diesem Fall zum Wohl der impfwilligen Bevölkerung."

Offensichtlich hat die von Winfried Stöcker als "Lübecker Verfahren" bezeichnete Methode einigermaßen Erfolg. Nach seinen Angaben sei es in Deutschland bisher 700 Mal legal angewandt worden. In keinem einzigen Fall sei jemand krank geworden. Aber es hätten sich bei über 95 Prozent der Impflinge schützende Antikörper gebildet.

E-Mail-Adressen aus dem Ausland

Der Winfried-Stöcker-Impfstoff muss dreimal verabreicht werden, nach der Erstimpfung nach zwei Wochen, danach noch einmal nach vier Wochen. "Immunschwächlinge werden ein oder zweimal nachgeimpft", so Winfried Stöcker.

Auf seiner Internetseite veröffentlicht der Arzt zwei E-Mail-Adressen, über die interessierte Ärzte und "bestimmt auch Heilpraktiker" sowohl das Antigen als auch die Adiuvans bestellen können. Die Adressen sind in Großbritannien und den USA gemeldet.

Den Stein gegen die Impf-Initiative Winfried Stöckers hatte das Paul-Ehrlich-Institut ins Rollen gebracht. Bei dem hatte der frühere Euroimmun-Chef im Herbst vergangenen Jahres eine Anfrage gestellt. Er bekam die Antwort, dass seine bis dahin erfolgten Impfungen bei Verwandten und Kollegen möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen haben könnten.

Der Vorwurf: Winfried Stöcker habe sich nicht an die üblichen Verfahren zur Genehmigung eines Impfstoffes gehalten, wie sie beispielsweise Biontech und Astra-Zeneca durchlaufen haben.

Winfried Stöcker lenkte ein, teilte über seinen Anwalt Wolfgang Kubicki mit, keine weiteren Impfungen vorzunehmen, auf Bitte des Landesamtes für Soziale Dienste in Schleswig-Holstein.

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Nun allerdings scheint Winfried Stöcker einen Weg gefunden zu haben, seinen Impfstoff unter das impfwillige Volk zu bringen , eben mit seinen Lieferadressen im Ausland. Noch Anfang April, nachdem er Ende Februar versichert hatte, nicht weiter impfen zu wollen, gab sich Winfried Stöcker zuversichtlich: "Schon nach den ersten fünf auf Anhieb erfolgreichen Immunisierungen - wie vorausgesagt - brauche ich keine Studie mehr, da ich die Sache als wirklicher Experte von Anfang an durchschaut habe und der Impferfolg feststeht."

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