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Corona: Fahrräder-Nachfrage explodiert

Händler in der Region Döbeln können die Nachfrage nach Zweirädern nicht mehr befriedigen. Derzeit liegt die Wartezeit auf ein Neurad bei bis zu drei Monaten.

Noch ist das Geschäft Radsport Döbeln von Jens Böber relativ breit aufgestellt, was Neuräder betrifft. Die Lieferung stockt allerdings.
Noch ist das Geschäft Radsport Döbeln von Jens Böber relativ breit aufgestellt, was Neuräder betrifft. Die Lieferung stockt allerdings. © Lars Halbauer Lars Halbauer

Region Döbeln. Im Frühjahr zieht es die Menschen naturgemäß nach draußen. Aber nicht nur zu Fuß, immer mehr steigen für längere Ausflüge auf das Rad.

Doch wer sich erst jetzt entscheidet, auf einen neuen Drahtesel umzusatteln oder den bewährten aus dem Keller zu holen und reparieren zu lassen, könnte vor einem Problem stehen.

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Radsport Döbeln: Lieferung neuer Räder nicht mehr planbar

Die meisten Fahrräder und Ersatzteile, die in Deutschland verkauft werden, kommen per Schiff aus Asien. Doch die Lieferung stockt. Zudem haben sich die Frachtkosten verfünffacht. Einen Teil davon geben die Händler an die Kunden weiter. „Wir müssen beide in den sauren Apfel beißen“, sagt Jens Böber vom Geschäft Radsport Döbeln.

Noch sei er bei neuen Fahrrädern relativ breit aufgestellt. Allerdings wisse er nie, wann eine weitere Lieferung an Rädern eintrifft. „Ab und zu taucht mal wieder etwas von einem Hersteller auf. Planbar ist das allerdings nicht“, meint Böber, der einen zunehmendes Interesse an Fahrrädern registriert.

Bei den Ersatzteilen sieht es im Moment noch etwas besser aus. Die Hersteller hätten die Händler bereits im vergangenen Jahr darüber informiert, dass es knapp werden könnte. „Jetzt profitieren wir davon, dass wir damals unser Lager gefüllt haben“, so der Händler.

Allerdings treffe das nicht auf alle Ersatzteile zu. Bei speziellen Kettenrädern oder Reifen für hochwertige Räder betrage die Lieferzeit schon mal ein bis zwei Monate. Das Wechseln von Bremsbelägen, Fahrradschläuchen oder Bowdenzügen von Alltagsrädern sei aber problemlos machbar.

Jens Böber erwartet, dass die Warteschlange für Neuräder wieder länger wird, wenn die Temperaturen steigen. Allerdings ist der Verkauf durch Click & Collect schwieriger. Die Kunden können sich die Räder nur auf der Internetseite, im Katalog oder durch das Schaufenster anschauen.

Die Beratung dazu erfolgt am Telefon oder per E-Mail, die Übergabe des Rades an der Tür. Trotzdem ist Böber nicht pessimistisch. „Es gibt Branchen, die sind härter von Corona betroffen als wir“, meint er.

Zweirad Fischer: Nur 15 Prozent der bestellten Räder erhalten

Ganz anders sieht es bei Uwe Fischer von Zweirad Fischer in Hartha aus. „Der Laden ist wie leer gefegt. Ich habe kaum noch ein Fahrrad im Geschäft stehen“, sagt er. Es sei fast wie zu DDR-Zeiten. So gut es ging, habe er sich im vergangenen Jahr eingedeckt. Allerdings habe er bisher nur etwa 15 Prozent der Räder erhalten, die er im Sommer 2020 bestellt hat.

Die Situation bringe ihn zum Nachdenken – auch darüber, ob er aufhören sollte. Noch wolle er aber abwarten, obwohl sich die Situation nicht positiv darstellt. Bestellungen seien im Moment nicht möglich.

„Die Ampeln stehen bei den Herstellern auf Rot“, so Fischer. Auch der Harthaer Händler erklärt: „Wer in diesem Jahr ein neues Fahrrad kaufen möchte, hat schlechte Karten.“ Abgesehen von der schleppenden Lieferung seien die Räder zehn bis 15 Prozent teurer geworden. Das liege an fehlenden Schiffscontainern.

Diese würden an der Börse inzwischen zu Spitzenpreisen von 20.000 Euro pro Stück gehandelt. Auch auf dem Frachtschiff, das sich im Suezkanal quer gestellt hatte, hätten sich zahlreiche Container mit Fahrrädern befunden. Ersatzteile habe Fischer jedoch noch vorrätig. „Die meisten Reparaturen kann ich noch ausführen“, sagt er.

Fahrradfachgeschäft Leisnig: Kunden bereits weggeschickt

ich Hübler vom Fahrradfachgeschäft Leisnig habe bereits Kunden wegschicken müssen, die ein Rad kaufen wollten. Er habe einige wenige City- und Trekkingräder da. Auf ein bestelltes E-Bike musste der Kunde aber drei Monate warten. „Normale“ Fahrräder könnten derzeit nicht nachbestellt werden.

Hübler arbeite mit zwei deutschen Großhändlern zusammen, die ihre Ware weitestgehend vom asiatischen Markt beziehen. Dort habe man sich der verstärkten Nachfrage, vor allem nach Trekkingrädern, noch nicht angepasst. „Dort wird produziert, wie vor Jahren“, meint Hübler.

Deshalb seien die Trekkingräder rar. Gleichzeitig hätten die Großhändler begonnen, Fahrräder aus Teilen zusammenzubauen, die eigentlich als Ersatzteile gedacht waren. So dass manche davon, wie der Drehschalter von Shimano, ebenfalls knapp werden.

Cube Store Döbeln: Liefertermine nicht mehr verbindlich

„Die Nachfrage nach Fahrrädern ist explodiert. Und das wird noch so weitergehen“, ist sich Monique Klingenberger vom Cube Store Döbeln sicher. Bis zu Ostern habe das Geschäft noch jeden Kunden bedienen können.

Auch jetzt seien noch zahlreiche Räder im Laden. „Aber nicht mehr für jeden sein Wunschrad“, erklärt die Händlerin. Mountainbikes und Jugendräder würden ab und an noch geliefert. E-Bikes dagegen kaum.

Eigentlich vereinbarte Liefertermine seien inzwischen nicht mehr verbindlich. „Ein im August 2020 bestelltes Bike hat der Kunde erst jetzt erhalten“, verdeutlicht Monique Klingenberger die prekäre Lage.

Auch bei Ersatzteilen, wie Ketten und Schaltungen, fehle der Nachschub. „Idealerweise bestellt der Kunde die Teile selbst und bringt sie zur Reparatur mit. Die nächste Lieferung ist erst für September avisiert“, sagt sie. E-Bikes brauchten zudem eine regelmäßige Inspektion. Der Terminkalender der Werkstatt ist gut gefüllt. Die Wartezeit beträgt im Durchschnitt vier Wochen.

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Auch wenn mancher Kunde mit einem speziellen Wunsch bereits auf die nächste Saison vertröstet werden müsse, laufe der Verkauf der vorhandenen Räder per Telefon und E-Mail. Derzeit sei zudem eine Homepage im Aufbau.

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