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So prägt Corona das Familienleben in Sachsen

Am Montag schließen erneut Kitas und Schulen, die Kinder sind wieder den ganzen Tag zu Hause. Wie es sächsischen Familien kurz vor dem Lockdown geht.

Wie geht es Familien in Sachsen in der Corona-Krise? Das haben wir in den vergangenen Wochen gefragt.
Wie geht es Familien in Sachsen in der Corona-Krise? Das haben wir in den vergangenen Wochen gefragt. © Archivfoto: Uwe Schulz

Dresden. Der zweite harte Lockdown steht vor der Tür. Für viele Familien heißt das: Arbeit und Kinderbetreuung müssen irgendwie wieder unter einen Hut gebracht werden. Zusätzlich stehen die Weihnachtsvorbereitungen an, die durch die Pandemie unter besonderen Vorzeichen stehen. Wird das Fest diesmal ganz anders?

Wie geht es Familien in dieser Zeit? Das wollten wir in unserer Familienkompass-Umfrage herausfinden. Ein nicht repräsentatives Stimmungsbild im Corona-Winter 2020.

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Mehr Sorge um die eigene Familie, aber auch viel Streit

Gerade in Zeiten des Lockdowns spielt die eigene Familie für viele Sachsen eine besonders wichtige Rolle. 64 Prozent der 1.565 Teilnehmer an unserer Befragung sorgen sich in diesem Jahr mehr um die eigene Familie. Das könnte unter anderem auch daran hängen, dass mehr als die Hälfte auch weniger Kontakt zur Familie hatten. Wer die eigene Familie selten in Person treffen kann, sogt sich vielleicht, nicht mitzubekommen, wie es den Verwandten wirklich geht.

Was unsere Befragung auch zeigt: Menschen, in deren Bekanntenkreis sich jemand mit Corona infiziert hat, sorgen sich besonders um die eigene Familie. Mein Nachbar ist positiv getestet worden - was wenn ich den Virus nun in meine eigene Familie trage? Dagegen hilft nur: Abstand halten zu Risikogruppen in der Familie, besonders zu den Großeltern. 57 Prozent der Befragten tun das bereits.

Das Thema Corona birgt jedoch auch jede Menge Konfliktpotenzial: Maskenpflicht, abgesagte Familienausflüge, der Besuch der Großeltern im Pflegeheim - in jeder dritten Familie in Sachsen wird über Corona gestritten. Der Zusammenhalt in der Familie durch die viele Zeit daheim ist übrigens nicht unbedingt gestiegen - nur 17 Prozent bemerkten das in ihrer eigenen Familie.

Kita- und Schulschließungen treffen auf starke Ablehnung

Von den 917 befragten Eltern mit Kindern im Kita- oder Schulalter waren mehr als drei Viertel froh oder sehr froh, dass sie ihre Kinder bislang noch in die Kitas und Schulen schicken konnten und nicht daheim betreuen mussten.

Umgekehrt heißt das aber auch, dass drei Viertel der Familien ab Montag ein Problem haben, die Kinder neben Arbeit und Haushalt zu betreuen. Die meisten Eltern bringen für die Schließungen nur wenig Verständnis auf. Nur jeder fünfte Befragte hielt geschlossene Kitas und Schulen für eine angemessene Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie.

Wohl auch, weil die Eltern bislang sehr zufrieden darüber waren, wie Kitas und Schulen mit dem Virus umgegangen sind. 69 Prozent meinten, ihre Kita oder Schule habe alles Nötige getan, um Ansteckungen mit dem Virus verhindern. Besonders die Einrichtungen im Vogtlandkreis und im Landkreis Mittelsachsen wurden gelobt.

Anstatt nun Schulen und Kitas zu schließen, hätten 72 Prozent der Befragten gezielte Schnelltests an Schulen, Kliniken und Altenheimen für die sinnvollere Alternative gehalten.

Uneinigkeit über Maskenpflicht in Kitas und Schulen

War es sinnvoll, Schüler und Kindergartenkinder auf dem ganzen Gelände Maske tragen zu lassen? Die befragten Eltern sind da gespaltener Meinung. 40 Prozent hielten die allgemeine Maskenpflicht für angemessen, 41 Prozent für unangemessen. Besonders die Befragten, die selber Kinder im entsprechenden Alter haben, fanden die Maskenpflicht nicht sinnvoll.

Ein Grund: Fast die Hälfte aller befragten Eltern erklärten, ihre Kinder würden sich darüber beklagen, ständig Mundschutz tragen zu müssen. Doch genauso gibt es auch Familien, deren Kinder die Maskenpflicht ohne Widerstand einfach hinnehmen - in unserer Umfrage waren das 36 Prozent.

Deutlich wird aber, dass das Thema Maskenpflicht an Schulen und Kitas bei den Eltern ein besonders brisantes Thema ist. Sechs aus zehn befragten Elternteilen wählten die radikalsten Antwortmöglichkeiten: Entweder gibt es mit der Maskenpflicht der Kinder ständig Probleme - oder eben überhaupt keine.

Herausforderung Heimunterricht und Kinderbetreuung

Ab Montag müssen die Kinder zwar keine Maske mehr tragen - sind dafür aber nun den ganzen Tag zu Hause. Schon vor der Ankündigung des harten Lockdowns sagten 45 Prozent der Elternteile, Kinderbetreuung sei mit ihrer Arbeit kaum oder nicht vereinbar. Besser haben es da Minijobber und Hausfrauen oder Hausmänner, die zu 58 Prozent sagten, dass zusätzliche Kinderbetreuung bei ihnen grundsätzlich schon einzurichten sei.

Grund für die insgesamt geringe Bereitschaft, sich neben der Arbeit noch um die Kinder zu kümmern, sind auch die schlechten Erfahrungen mit dem digitalen Unterricht der Schüler. Deutlich mehr als die Hälfte der Eltern sagten, der Heimunterricht habe bei ihnen nicht so gut geklappt. 35 Prozent sagten sogar, ihre Kinder hätten große Probleme mit dieser Art des Lernens gehabt.

Dazu kommt die Angst, die Kinder könnten in der Zukunft durch den Heimunterricht oder durch ausgefallene Unterrichtszeit Probleme bekommen - Stichwort "Generation Corona." 71 Prozent der befragten Eltern teilten diese Sorge, mehr als die Hälfte geht sogar stark davon aus, dass ihre Kinder später einmal benachteiligt sein werden.

Weihnachten im engsten Familienkreis

In vielen Familien wird derzeit diskutiert: Wen laden wir zu Weihnachten ein, wie sollen wir feiern, was dürfen wir überhaupt? Bei 63 Prozent der befragten Familien wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr in einem kleineren Kreis stattfinden als gewöhnlich. Und auch sonst wird bei vielen der Heiligabend wohl anders aussehen. Bei vielen Familien gehört ein Kirchbesuch mit Krippenspiel traditionell dazu, doch nicht so in diesem Jahr. Obwohl Weihnachtsgottesdienste stattfinden dürfen, wollen sieben aus zehn Familien den Kirchbesuch ausfallen lassen.

Die Mehrheit der Befragten sieht ein, dass auch über Weihnachten bestimmte Regeln gelten müssen. Jedem dritten Befragten reichen die geplanten Ausnahmen für Weihnachten allerdings nicht, stattdessen sollten die Kontaktbeschränkungen über die Festtage komplett gelockert werden. 45 Prozent sehen das dagegen nicht so und geben sich mit den geplanten Ausnahmen zufrieden.

Corona, der weihnachtliche Stimmungskiller

Doch es geht nicht nur um Heiligabend, schon in der Vorweihnachtszeit bestimmt Corona die Stimmung. 59 Prozent der Umfragen-Teilnehmer meinten, die Corona-Lage vermiese ihnen die Weihnachtsstimmung. Männer lassen sich die Stimmung noch eher vermiesen als Frauen. Woher soll die Weihnachtsstimmung auch kommen, wenn alle Weihnachtsmärkte abgesagt sind? Sieben aus zehn Befragten fehlt der Bummel über den Weihnachtsmarkt, besonders Familien mit Kindern und jüngeren Leuten vermissen den weihnachtlichen Trubel.

In den Einkaufsmeilen der großen Städte wird an diesem letzten Wochenende vor dem Lockdown zwar trotzdem Einkaufstrubel herrschen, doch bei vielen Leuten war die vorweihnachtliche Shoppingtour bereits abgesagt, bevor die Entscheidung zum harten Lockdown kam. Zwei Drittel der Befragten wollten ihre Geschenke vorwiegend online bestellen - vor allem Frauen setzen stärker auf Online-Shopping.

Wer allerdings glaubt, Corona brächte etwas Entschleunigung in die Vorweihnachtszeit, hat sich getäuscht. Nur 26 Prozent meinen, die Tage vor Weihnachten würden für sie stressfreier als sonst. Älteren Menschen bringt der Corona-Lockdown noch eher mal etwas Ruhe.

Streitpunkt Silvester

Zum Jahresende taucht ein neues Streitthema auf: 44 Prozent wollen freiwillig auf Feuerwerk verzichten, für 26 Prozent geht es dagegen auch in diesem Jahr ganz klar nicht ohne Feuerwerk. Der Streit entzündet sich auch zwischen den Geschlechtern: Deutlich mehr Männer wollen unbedingt böllern, genauso aber auch Familien mit Kindern.

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