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Festung unter Verschluss

Der Königstein gehört zu den top Ausflugszielen Sachsens. Normalerweise. Denn seit November ist er für Touristen abgeriegelt. Gearbeitet wird hier dennoch.

Weihnachtlich illuminiert, doch keiner kann es sehen: Die Friedrichsburg auf der Festung Königstein.
Weihnachtlich illuminiert, doch keiner kann es sehen: Die Friedrichsburg auf der Festung Königstein. © Steffen Keil, Festung Königstei

Zehntausend Besucher an nur einem Wochenende: Für die Festung Königstein ist das in der Adventszeit ganz normal. Eigentlich. Aber diesen Winter sucht man vergeblich nach Ausflüglern auf dem neun Hektar großen Festungsplateau hoch über der Elbe. Bereits seit Anfang November war kein Tourist mehr auf dem Königstein. Schuld daran ist der Corona-Lockdown. Alle Museen und Freizeiteinrichtungen im Freistaat wurden geschlossen - auch die Festung Königstein, die mit rund einer halben Millionen Gästen pro Jahr überhaupt zu den meistbesuchten Adressen gehört.

Menschenleer: Die Festung Königstein im Corona-Lockdown.
Menschenleer: Die Festung Königstein im Corona-Lockdown. © Archivfoto: Marko Förster

Menschenleer: Die Festung Königstein im Corona-Lockdown.Hinter den geschlossenen Festungsmauern wird dennoch weiter gearbeitet. Wenn auch anders. "Wir machen das Beste aus der Situation", sagt Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH.

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Gärtner beruflich im Vorteil

Allerdings sind bei Weitem nicht alle Mitarbeiter an Bord. So seien etwa 25 Saisonmitarbeiter im Urlaub. Die Festangestellten, die im Besucherservice tätig sind und sonst an der Kasse sitzen oder die Ausstellungen beaufsichtigen, seien in Kurzarbeit. Nach dem Lockdown im April und Mai nun schon zum zweiten Mal. "Für Viele ist das nur schwer zu ertragen", sagt Angelika Taube.

Andere Mitarbeiter, die hinter den Kulissen beschäftigt sind, seien aber weiter voll im Dienst. Handwerker gehören dazu, die Gärtner und der technische Dienst. Sie hätten auch ohne Besucher gut zu tun. Über den Winter werden zum Beispiel alle der 70 Parkbänke repariert, gepflegt oder neu gestrichen. Außerdem müssten Bauarbeiten geplant werden - unabhängig von der Corona-Situation. "Wir müssen vorbereitet sein, wenn der Lockdown vorbei ist", sagt die Festungschefin.

Staubwischen im Riesenfass

Vorbereitet ist auch Jens Hickmann. Als Mitarbeiter vom technischen Dienst kümmert er sich eigentlich um alles, was kaputtgehen kann: den Fahrstuhl oder die Heizung. Das Riesenweinfass im Keller der Magdalenenburg gehört eigentlich nicht dazu. Die Installationen ist ein Schmuckstück der Festung. Mit knapp 12.000 leeren Weinflaschen wurde hier das legendäre Riesenfass Augusts des Starken nachgebaut.

Vorbereitet für den Neustart: Jens Hickmann vom technischen Dienst putzt die Nachbildung von Augusts Riesenweinfass.
Vorbereitet für den Neustart: Jens Hickmann vom technischen Dienst putzt die Nachbildung von Augusts Riesenweinfass. © Daniel Schäfer

Das Original soll im 18. Jahrhundert rund 238.000 Liter geschluckt haben und vom Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann gebaut worden sein. Der moderne Nachbau ist zwar kleiner, hat in den vergangenen Jahren aber unschönen Staub angesetzt. Den zu entfernen, das ist die Mission von Jens Hickmann. Mit einem selbst gebautem Teleskoppinsel schrubbt er Flasche für Flasche sauber. Aus Grau wird wieder Grün.

Die Installation ist aus knapp 12.000 leeren Weinflaschen gebaut, die in den letzten Jahren Staub angesetzt haben.
Die Installation ist aus knapp 12.000 leeren Weinflaschen gebaut, die in den letzten Jahren Staub angesetzt haben. © Daniel Schäfer

Strahlenden Glanz gibt es auch an anderer Stelle. Auf dem Schreibtisch von Museumspädagogin Ines Eisoldt funkeln Kupferdrähte. Ein Dreh mit der Zange genügt und aus dem schnöden Draht werden kleine Schmuckstücke: Anhänger, Armreifen.

Museumspädagogin Ines Eisoldt will wieder mit Teenagern bald wieder basteln: Schmuck aus der Bronzezeit.
Museumspädagogin Ines Eisoldt will wieder mit Teenagern bald wieder basteln: Schmuck aus der Bronzezeit. © Daniel Schäfer

Ines Eisoldt bastelt den Schmuck nicht für sich. Wenn der Lockdown vorbei ist, soll daraus ein pädagogisches Angebot für Kinder im Teenageralter werden. Passend zu einer neuen Ausstellung, an der Festungschefin Angelika Taube und ihr Team arbeiten. "Es geht um den Königstein in der Bronzezeit", kündigt sie an.

Die neue Sonderausstellung, die Ende März 2021 eröffnet werden soll, befasst sich mit der frühesten Geschichte des Königsteins. Er soll bereits um 1000 vor Christus besiedelt worden sen. Das belegen rund 3.000 Jahre alte Scherben, die 2016 in einer alten Abfallgrube gefunden wurden.

Insgesamt vier neue Ausstellungen sind im kommenden Jahr geplant. "Das ist ein riesen Batzen Arbeit", so Angelika Taube. Eine Pause könne man sich deshalb kaum erlauben. Auch, wenn aktuell noch nicht klar sei, wann und ob die Festung wieder für Besucher geöffnet wird. "Wir arbeiten und denken derzeit von Schutzverordnung zu Schutzverordnung", sagt Taube. Demnach bleibt die Festung aktuell bis 10. Januar geschlossen. Ob der Lockdown darüber hinaus verlängert wird? "Wir müssen auf jeden Fall damit rechnen", sagt die Geschäftsführerin im Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Großformate abgesagt

Sollten Freistaat oder Bund entscheiden, dass Museen und Freizeiteinrichtungen wieder öffnen dürfen, könne man relativ schnell zum normalen Betrieb zurückkehren. "Anders als Gaststätten oder Hotels brauchen wir keine große Vorlaufzeit", erklärt Angelika Taube. Etwa eine Woche sei jedenfalls nötig, um das Personal zusammenzutrommeln.

Dennoch, zurück zur Normalität, das wird es 2021 auch auf der Festung nicht geben. Zumindest bei einigen Formaten, wie dem Schwedenspektakel oder dem Kanonendonner, die traditionell tausende Besucher anlocken. Beide Veranstaltungen werden kommendes Jahr nicht stattfinden.

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