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Bautzen: Per Feuerwehr zur Corona-Impfung?

Der Vorschlag, dass Kameraden Senioren zum Impfzentrum fahren, ruft im Landkreis unterschiedliche Reaktionen hervor. Eine andere Idee scheint erfolgversprechender.

Sollte die Stadt Bautzen die Feuerwehr für Sammeltransporte zum Kamenzer Impfzentrum einsetzen wollen, gäbe es laut Sandro Stübner, dem stellvertretenden Leiter der Berufsfeuerwehr, dafür ausreichend Kapazitäten. In anderen Orte sieht das anders aus.
Sollte die Stadt Bautzen die Feuerwehr für Sammeltransporte zum Kamenzer Impfzentrum einsetzen wollen, gäbe es laut Sandro Stübner, dem stellvertretenden Leiter der Berufsfeuerwehr, dafür ausreichend Kapazitäten. In anderen Orte sieht das anders aus. © Uwe Soeder

Bautzen. Die Frage steht im Raum, seit bekannt wurde, dass das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen in Kamenz eingerichtet wird: Wie, fragen kritische Stimmen, sollen alte Menschen, die nicht in Kamenz und Umgebung wohnen, den Weg zum Impftermin bewältigen, wenn sie nicht auf Hilfe aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis bauen können? Der Hintergrund der Überlegungen: Mangels eigener Autos könnten sich vor allem Ältere und Angehörige der Risikogruppen bei der Fahrt ins Impfzentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln einem höheren Infektionsrisiko aussetzen.

Schnell wurde daher eine andere Idee ins Spiel gebracht: Private Taxiunternehmen, die in der Pandemie ohnehin über eine schlechte Auftragslage klagen, könnten für die Fahrten ins Impfzentrum eingesetzt werden. Im Landkreis Bautzen, teilt Pressesprecherin Sabine Rötschke mit, gebe es derzeit Diskussionen, "inwiefern das Taxi bis zum nächsten Impfzentrum oder dem Impfzentrum im zuständigen Landkreis bezahlt wird". Die Übernahme von Taxi-Kosten sei hinsichtlich der zu erwartenden Fallzahlen und Kosten geprüft, jedoch vor dem Hintergrund der Diskussion einer landeseinheitlichen Regelung zurückgestellt worden. Im Klartext heißt das: Derzeit gibt es ausschließlich für Impfwillige, die im Besitz eines Schwerbehindertenausweises sind, die Möglichkeit der Kostenerstattung.

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Feuerwehren fürchten um Einsatzbereitschaft

Für Verwirrung sorgte daraufhin ein weiterer Vorstoß des Landratsamtes, der vor rund zwei Wochen in Form einer Rundmail in die Rathäuser und Gemeindeämter des Kreises flatterte. Darin, so berichten es mehrere Bürgermeister im Gespräch mit Sächsische.de, sei die Idee ins Feld geführt worden, die Kapazitäten der Feuerwehren für die Fahrten ins Impfzentrum einzusetzen. Insbesondere Gemeinden mit kleineren, freiwilligen Wehren reagierten hierauf mit heftigem Kopfschütteln. Häufigstes Gegenargument: Die Einsatzbereitschaft der Wehren ließe sich nicht mehr gewährleisten, wenn die Kameraden mit den Fahrzeugen Fahrdienste ins Impfzentrum übernähmen.

Darüber hinaus, führt etwa Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (parteilos) ins Feld, beanspruche der Transport zum Impfzentrum per Feuerwehr die Ehrenamtler, die ja zumeist außerdem berufstätig seien, über Gebühr. Das werfe die nächste Finanzierungsfrage auf: "Wenn ich meine Leute tagsüber verpflichte, muss ich das wie einen Einsatz abrechnen - und beispielsweise den Lohnausfall zahlen", erklärt er.

Uneinigkeit herrscht bei den Bürgermeistern darüber, ob das Schreiben des Landratsamtes als Aufruf an die Kommunen oder lediglich als Vorschlag zu werten sei. Sabine Rötschke stellt klar: "Das Landratsamt hat zu keinem Zeitpunkt aktiv die Idee der Nutzung von Feuerwehren für den Transport von in ihrer Mobilität eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern zu den Impfzentren eingebracht. Vielmehr lag eine entsprechende Anfrage der Stadt Radeberg vor."

Die Idee stammt aus Radeberg

Radebergs Pressesprecher Jürgen Wähnert bestätigt, dass die Stadt sich mit diesem Vorschlag ans Landratsamt gewandt habe, um zu erfahren, ob der Einsatz von Mannschaftstruppenwagen zu diesem Zweck rechtlich und versicherungstechnisch zulässig sei. "In unserer Verwaltung arbeiten drei aktive Kameraden der Feuerwehr, die wir hin und wieder für den Transport einsetzen könnten. Bei uns geht das, weil wir im Brandfall auf vier Unterwehren zurückgreifen und unsere Einsatzbereitschaft deshalb aufrechterhalten können", so Wähnert.

Dass längst nicht auf alle Städte und Gemeinden im Landkreis über entsprechende Kapazitäten verfügen, ist dem Landratsamt bekannt. "Seitens des Kreisbrandmeisters wurde um eine zurückhaltende Nutzung dieser Variante gebeten, da es sich bei der Feuerwehr um kritische Infrastruktur handelt", teilt Sabine Rötschke mit und stellt klar: "Der Landkreis hat demnach keineswegs die Städte und Gemeinden aufgeforderte, Sammeltransporte mit der Feuerwehr zu organisieren. Vielmehr können Städte und Gemeinden dies in eigener Regie durchführen."

Einsatz mobiler Impfteams vor Ort ist im Gespräch

Von allen Wehren, mit denen Sächsische.de sprach, kommt der Transport Impfwilliger am ehesten noch für die Bautzener Feuerwehr infrage: Nachdem Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) im jüngsten Stadtrat informiert habe, dass der Einsatz der Bautzener Feuerwehr geprüft werde, teilt der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr, Sandro Stübner, am Freitag mit: Wenn die Stadt Bautzen als Dienstherr der Feuerwehr den Transport von Impfwilligen nach Kamenz anordne, gebe es ausreichend Kapazitäten, um diese Aufgabe abzudecken.

Viel wahrscheinlicher scheint aber momentan der Ansatz, in den Kommunen mobile Impfteams einzusetzen und Alten und Krankten den Weg zum Impfzentrum gänzlich zu ersparen. Hier signalisieren die meisten der angefragten Kommunen Mitwirkungsbereitschaft. Mit einem konkreten Angebot hat sich etwa schon Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU) an das Landratsamt gewandt. Er sagt: "Ich will nicht, dass die Bürger durch den halben Landkreis kutschen müssen." Deshalb habe er bereits einen Standort im Stadtgebiet vorgeschlagen, der verkehrsgünstig gelegen und mit ausreichend Parkplätzen ausgestattet; zudem recht schnell zum Impfzentrum umzurüsten sei. Und mehr noch: "Wenn das notwendig ist, könnte auch Personal der Stadtverwaltung die Arbeit des Impf-Teams unterstützen."

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