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Wo bleiben die FFP2-Masken?

Ab Dienstag sollen Ältere und Risikopatienten die Masken mit dem höheren Schutz in Apotheken erhalten. Was gut gedacht ist, bringt drei Probleme.

So sehen sie aus, die FFP2-Masken, die es ab Dienstag in den Apotheken geben soll, aber noch nicht gibt.
So sehen sie aus, die FFP2-Masken, die es ab Dienstag in den Apotheken geben soll, aber noch nicht gibt. © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Die Grund-Apotheke im Weißeritz Park in Freital hatte Glück. Sie zählte zu den wenigen, die am Dienstag etwas zum Verteilen hatten. „Die große Bestellung ist bei uns auch noch nicht angekommen“, sagt Apotheker Stephan Torke. Aber er habe von einem Kollegen aus Zwickau auf kurzem Wege 1.000 Stück der FFP2-Masken erhalten. „Ich arbeite mit den Zwickauern schon länger gut zusammen“, sagt Torke. „Wir helfen uns immer, wenn es geht.“Andernorts sieht es schlecht aus mit den Masken. Die meisten Apotheken haben zwar bestellt, aber noch keine Lieferung erhalten. An vielen Ladentüren hängen Schilder mit Erklärungen dazu.

Erstes Problem: Lieferungen noch nicht da

Die Apotheken haben die Masken, die sie ab Dienstag ausgeben sollen, noch gar nicht. In der Pirnaer Adler-Apotheke an der Rottwerndorfer Straße rufen die Kunden an dem Tag im Minutentakt an, um sich nach den Masken zu erkundigen. "Längst nicht alle haben Verständnis dafür, dass wir die Masken noch nicht auf Lager haben. Wir mussten uns schon diverse Grobheiten anhören, was unfair ist, denn die Apotheken können nichts für den Engpass", sagt Mitarbeiterin Ines Finger. Ebenso ist es anderen Apotheken. Die Berggießhübler Marien-Apothekerin Christina Ulbrich hat ihre Masken am Freitag geordert. " Ob sie am Dienstag kommen, weiß ich nicht.

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"Die Politiker haben die kostenlose Vergabe der Masken versprochen, aber für die Beschaffung sind die Apotheken zuständig. Und wir haben erst fünf Tage vorher davon erfahren", sagt Claudia Meerz, Inhaberin der Rathaus-Apotheke in Pirna-Copitz. Klar, wenn jetzt bundesweit 21.000 Apotheken FFP2-Masken bestellen, führe das unweigerlich zu großen Engpässen. Meerz geht davon aus, dass ab Freitag in ihrer Rathaus-Apotheke FFP2 Masken an die Risikogruppen abgegeben werden können. Die Pirnaer Adler-Apotheke rechnet damit, dass eventuell ab 24. Dezember die FFP2-Masken eintreffen. An diesem Tag ist von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Wer bekommt die Masken?

  • Personen älter als 60 Jahre: Nachweis durch Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Krankenversichertenkarte oder ähnliches Dokument
  • Personen, die zu einer Risikogruppe gehören und sich in dauernder ärztlicher Behandlung befindend wegen. Diese Personen sind oft schon von ihren Ärzten informiert. Zu der Risikogruppe gehören unter anderem Asthmatiker, Patienten nach Schlaganfall und mit Krebserkrankungen sowie Risikoschwangere.

Zweites Problem: Zu- und Verteilung

Die Leute sollen zwar in den Apotheken eine Erklärung unterschreiben, dass sie die drei kostenlosen Masken erhalten haben, doch am Ende können sie die in vielen Apotheken unterschreiben. Der Dohnaer Apotheker Wedlich befürchtet, dass manche die Apotheken abklappern, um Masken zu horten. Die 3.000 Dohnaer Masken reichen für die rund 1.000 Stammkunden, die in die Personengruppen fallen. Drei Stück soll jetzt in der ersten Phase jeder kostenlos erhalten.

Die Mitarbeiterin einer Pirnaer Apotheke bestätig Wedlichs Vermutung: "Einfach nur nervig. Die Leute stehen Schlange bei uns. Einige sind nicht unsere Kunden, und es ist nicht auszuschließen, dass sie sich in anderen Apotheken weitere FFP2-Maske abholen."

Der Freitaler Apotheker Stephan Torke hat am Dienstag 1.000 Masken an Kunden verteilt. Foto: Egbert Kamprath
Der Freitaler Apotheker Stephan Torke hat am Dienstag 1.000 Masken an Kunden verteilt. Foto: Egbert Kamprath © Egbert Kamprath

In Freital scheint es gesittet zuzugehen. Apotheker Stephan Torke meint: „Wir vertrauen da unseren Kunden.“ Natürlich könne keiner überprüfen, ob sich nicht jemand aus mehreren Apotheken Masken hole. „Bei uns hatte ich aber einen sehr guten Eindruck“, sagt er. „Die Kunden kamen alle mit Personalausweis, Rentenbescheinigung oder Attest. Es lief alles sehr vernünftig ab.“ Im Moment bekommt jeder ein Päckchen mit drei Masken ausgehändigt.

Ab Januar soll es pro Bezugsberechtigtem noch einmal zwölf Masken geben. Dafür sollen die Krankenkassen Coupons verschicken. Vorgesehen ist ein Eigenanteil von zwei Euro pro sechs Masken, der direkt in der Apotheke zu zahlen ist. Wedlich zufolge wäre das auch jetzt schon machbar gewesen, ohne wieder zusätzlichen bürokratischen Aufwand für die Apotheken.

Drittes Problem: Fehlende Information, Mehraufwand, Bürokratie

Die entsprechende Rechtsgrundlage für die Masken-Verteilung in den Apotheken wird erst am Dienstag veröffentlicht, also an dem Tag, an dem die Apotheken die Masken schon verteilen sollen. Apotheken wie die Dohnaer hätten sich gewünscht, eher einbezogen worden zu sein. "Die Politik und die Medien haben gleichzeitig die Kunden und uns Apotheken darüber informiert", sagt die Berggießhübler Apothekerin Christiane Ulbrich. "Da uns niemand informierte, mussten erst langsam alle Informationen zusammengetragen werden", sagt sie. Die Apotheken gehen in Vorkasse, da sie die Masken bestellen müssen. Es soll eine Möglichkeit der Abrechnung geben, "aber auch das ist erst am Anfang des Durchdenkens", sagt Christiane Ulbrich. Alle seien überrannt worden, auch die Lieferanten.

Apotheken sollen ab Dienstag verteilen, was sie meist noch gar nicht haben: FFP2-Masken für Ältere und Risikopatienten. Die Folge: Ärger und Frust bei Apothekern und Patienten.
Apotheken sollen ab Dienstag verteilen, was sie meist noch gar nicht haben: FFP2-Masken für Ältere und Risikopatienten. Die Folge: Ärger und Frust bei Apothekern und Patienten. © kairospress

Von einer enormen Mehrbelastung spricht Claudia Meerz. "Aus meiner Sicht hat die Politik die gesamte Arbeit einfach bei den Apotheken abgeladen", sagt sie. Diese Aktion erschwere den Alltag der Apotheke in dieser angespannten Situation einmal mehr. "Unsere Mitarbeiter sind täglich unterwegs, um Corona-Patienten mit Medikamenten zu beliefern und zu versorgen. Jetzt müssen sie auch noch zusätzlich 100 Anfragen am Tag wegen der Masken beantworten", sagt Claudia Meerz. Die Herausforderung sei enorm.

"Das ist eine Hauruck-Aktion und bedeutet eine enorme Mehrbelastung für die Apotheken, die ohnehin derzeit vielerorts unter einem Krankenstand leiden und die Arbeit nur mit Überstunden stemmen können", sagt Ines Finger.

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Am Dienstag hat die Verteilung begonnen. Vor allem Ältere sollen damit besser geschützt werden. Doch die Aktion bewirkt möglicherweise das Gegenteil.

Stephan Torke sieht es nicht ganz so dramatisch. Für den Dezember gebe es erst einmal eine Pauschallösung zur Abrechnung, sagt er. Für das neue Jahr werde noch geregelt, wie abgerechnet werden kann.Bei ihm waren die 1.000 Stück der FFP2-Masken am Dienstag um 11.30 Uhr vergriffen. „Bis dahin haben wir fast nichts anderes gemacht, als Masken verteilt.“ Für Mittwoch steht Stephan Torke in seiner Apotheke im Weißeritz Park aber auch erst einmal ohne FFP2-Masken da. „Die Lieferung kommt hoffentlich, sodass wir ab Donnerstag wieder etwas zum Verteilen haben.“

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